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Sport

06. Dezember 2016 | 16:59 Uhr

Paralympics 2016 in Rio : Starker Start: Gold für Kugelstoßer, Silber für Judo-Zwillinge

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Paralympics haben aus deutscher Sicht erfolgreich begonnen. Wieder mal gehörten die Schlagzeilen aber auch der Sportpolitik.

Rio de Janeiro | Der kleinwüchsige Kugelstoßer Niko Kappel hat bei den Paralympics die erste Goldmedaille für die deutsche Mannschaft gewonnen. Zwei Silbermedaillen für die Judo-Zwillinge Carmen und Ramona Brussig rundeten in Rio de Janeiro einen starken deutschen Auftakt ab.

Die mit Abstand erfolgreichste Nation des ersten Wettkampftages war China mit sieben Gold-, neun Silber- und vier Bronzemedaillen. Auch britische Behindertensportler standen am Donnerstag insgesamt elf Mal auf dem Treppchen. Überlagert wurden die Paralympics aber wie schon im Vorfeld von politischen Themen. Ein weißrussischer Funktionär und auch IOC-Präsident Thomas Bach rückten in den Fokus.

Der erste Tag der Paralympics im Überblick:

Kappel holt erstes Gold

Niko Kappel gewann im Kugelstoßen die erste Goldmedaille für das deutsche Team.
Niko Kappel gewann im Kugelstoßen die erste Goldmedaille für das deutsche Team. Foto: Kay Nietfeld
 

Gleich bei seinen ersten Paralympics hat Kugelstoßer Niko Kappel in Rio de Janeiro die Goldmedaille gewonnen. Der 21-Jährige aus Sindelfingen siegte in der Starklasse F41 der Kleinwüchsigen mit der persönlichen Bestleistung von 13,57 Metern und nur einem Zentimeter Vorsprung vor dem Weltmeister Bartosz Tyszkowski aus Polen (13,56).

„Das ist wahnsinnig geil“, sagte Kappel. Erst im vorletzten Durchgang zog er an dem großen Favoriten Tyszkowski vorbei. Bislang waren seine größten Erfolge jeweils die Silbermedaille bei der WM 2016 und der EM 2015 gewesen.

Zweimal Silber: Brussig-Zwillinge im Judo erfolgreich

Carmen Brussig (weiß) kämpft in der Klasse bis 48 Kilo und hat ihre Gegnerin im Griff.
Carmen Brussig (weiß) kämpft in der Klasse bis 48 Kilo und hat ihre Gegnerin im Griff. Foto: Jens Büttner
 

Die Zwillinge Carmen und Ramona Brussig hatten zuvor mit jeweils Silber im Judo die ersten deutschen Medaillen bei diesen Paralympics gewonnen. Nach Doppel-Gold 2012 in London war das bereits der zweite spektakuläre „Sister Act“ ihrer Karriere.

Carmen Brussig unterlag in Finale der Klasse bis 48 Kilogramm der Chinesin Liqing Li. Nach dem Paralympics-Sieg 2012 und Bronze 2008 in Peking hat die 39-Jährige damit ihren Medaillensatz komplettiert. „Ich bin überglücklich über die Silbermedaille und bin froh, dass ich die jetzt habe“, sagte sie. Anschließend verlor ihre Schwester Ramona im Limit bis 52 Kilogramm gegen die Französin Sandrine Martinet. Nach den Siegen 2004 und 2012 sowie Silber 2008 war es für sie die vierte Medaille hintereinander bei Paralympischen Spielen.

Deutsche Rollstuhl-Basketballer verlieren

Jungen und Mädchen aus der Kindertagesstätte Santa Clara im Favela Vidigal besuchten das Spiel der deutschen Goalballer. Das deutsche Team will auch neben dem Platz helfen und hat eine Patenschaft mit Kindern aus einer Favela geschlossen.
Jungen und Mädchen aus der Kindertagesstätte Santa Clara im Favela Vidigal besuchten das Spiel der deutschen Goalballer. Das deutsche Team will auch neben dem Platz helfen und hat eine Patenschaft mit Kindern aus einer Favela geschlossen. Foto: Jens Büttner
 

In den Mannschaftssportarten haben die Deutschen in Rio einen durchwachsenen ersten Tag erlebt. Die Rollstuhlbasketballer verloren zum Auftakt mit 63:69 gegen den Iran. Die deutschen Goalballer dagegen besiegten Algerien mit 10:0.

Schwimmer gehen leer aus

Zum Auftakt der Schwimm-Wettbewerbe haben es nur zwei deutsche Sportlerinnen in ihre jeweiligen Finals geschafft. Über 100 Meter Rücken wurde Janina Breuer Sechste der Startklasse S14 und Denise Grahl Achte der Klasse S7. Brasiliens Paralympics-Star Daniel Dias gewann über 200 Meter Freistil bereits die elfte Goldmedaille seiner Karriere.

Weißrussen zeigen russische Fahne

Andrej Fomotschkin mit der russischen Fahne.
Andrej Fomotschkin mit der russischen Fahne. Foto: Iliya Pitalev
 

Ein weißrussischer Funktionär ist bei der Eröffnungsfeier der Paralympics mit der russischen Fahne ins Stadion Maracana einmarschiert. Er protestierte mit dieser Geste gegen den Ausschluss des russischen Teams, das in Rio aufgrund massiver Doping-Enthüllungen nicht dabei sein darf.

Während Andrej Fomotschkin in Moskau gefeiert wurde, entzog ihm das Internationale Paralympische Komitee die Akkreditierung. „Das IPC wird das weißrussische Nationale Paralympics Komitee daran erinnern, dass politische Proteste während der Paralympischen Spiele verboten sind“, hieß es.

Beucher verteidigt Bach

Die Polizei in Rio will den deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach im Schwarzmarkt-Skandal um Olympia-Tickets unbedingt vernehmen. Gegen ihn werde nicht ermittelt, aber es gebe Fragen, warum das irische IOC-Mitglied Patrick Hickey 296 zusätzliche Tickets erhalten habe, berichtete das brasilianische Portal „Folha de S. Paulo“. Hickey war im August am Rande der Olympischen Spiele festgenommen worden und saß fast zwei Wochen in einem Gefängnis. Der 71-Jährige musste danach seinen Reisepass abgeben und kann Brasilien vorerst nicht verlassen.

Laut Medienberichten war Bach vor allem wegen dieses Skandals nicht zur Eröffnungsfeier der Paralympics gereist. Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, verteidigte den IOC-Chef. „Er hat an dem Staatsakt für den früheren Bundespräsidenten und Außenminister Walter Scheel teilgenommen. Da kann man einfach nicht nach Rio de Janeiro kommen“, sagte Beucher. Alles andere seien „Medienspekulationen“.

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erstellt am 09.Sep.2016 | 11:07 Uhr

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