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Sportticker

05. Dezember 2016 | 19:41 Uhr

Fussball : Verletzte Ehre, böses Blut

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach einem Eklat in der Fußball-Kreisklasse B will der FC Ellingstedt-Silberstedt nicht mehr gegen Schleswig 06 II antreten und hat dieser Mannschaft dazu ein Platzverbot für die Sportanlagen in Ellingstedt und Silberstedt für die nächsten drei Jahre erteilt.

Was genau am 1. Mai in Silberstedt vorgefallen ist, wird sich aus neutraler Sicht nicht mehr klären lassen. „Tumult“ auf dem Fußball-Platz, „Gewaltakt“ und „Kampfhandlungen“ gar, wie Zeugen der einen Partei berichten? Oder doch nur eine „kleine Rangelei“, wie es die andere Seite darstellt? Das Geschehen nach dem Spiel der Kreisklasse B  2 zwischen FC Ellingstedt-Silberstedt II und Schleswig 06 II sorgt für Zoff, der auch vier Wochen danach nicht ausgestanden ist.

Wolf-Achim Born, Vorsitzender des FC Ellingstedt-Silberstedt, hat nun der zweiten Mannschaft von Schleswig 06 ein Platzverbot für die Sportanlagen in Ellingstedt und Silberstedt für die nächsten drei Jahre erteilt. Außerdem werde man in der nächsten Saison gegen 06 II nicht antreten. Das teilte er in einer Rundmail mit, die auch an Vertreter des Kreisfußballverbandes gerichtet war.

„Die Strafe für Nichtantreten nehmen wir in Kauf“, sagt Wolf-Achim Born. „Wenn es handgreiflich wird, ist eine Grenze überschritten. Wenn das Fußball sein soll – bei uns findet es nicht mehr statt.“ Der Vorsitzende war beim dem Spiel selbst nicht anwesend, sondern ließ sich von Zuschauern, Trainer und Spielern über den Vorfall berichten. Demnach habe während der Partie eine aggressive Stimmung geherrscht, seien FC-Spieler mit Beleidigungen aus „der untersten Schublade“ konfrontiert gewesen, es sei „gespuckt“ und „körperliche Gewalt“ angedroht worden. Dies besonders gegenüber Flüchtlingen, die im Team des FC Ellingstedt-Silberstedt II spielen. Einer von ihnen sei nach dem Spiel tätlich angegriffen worden. „Es wurde auf ihn eingeprügelt“, berichtet Born, was ihm zugetragen wurde.

Der FC-Spieler habe sich danach sogar für einige Wochen nach Hamburg abgesetzt – aus Angst, weil ihn 06-Spieler, Migranten aus dem arabischen Sprachraum wie er selbst, bedroht hätten. So schätzt es Born ein. „Was da genau auf Arabisch gesagt wurde, weiß man nicht“, so der FC-Vorsitzende, der allerdings zurückhaltend bei der Schuldzuweisung ist. „Unsere Spieler sind keine Engel, die können auch austeilen.“ Vor Schleswig 06 als Verein, „der für die Region viel geleistet hat“, habe er großen Respekt. Dennoch sehe er derzeit keinen anderen Weg, als weitere Zusammentreffen mit 06 II zu vermeiden.

Schon das Hinspiel sei in ähnlich aufgeheizter Atmosphäre verlaufen. Stefan Jähde, Trainer und Betreuer des FC Ellingstedt-Silberstedt II, hatte daraufhin das Engagement seiner Firma als Sponsor bei Schleswig 06 beendet.

Es überrascht kaum, dass die Schleswiger die Sache völlig anders sehen. 06-Fußballobmann Timo Erichsen, der auch Trainer der zweiten Mannschaft ist, nennt das Vorgehen von Born „völlig überzogen“ und dessen Darstellung des Geschehens „an den Haaren herbeigezogen“. Die Aggression sei von den Gastgebern selbst ausgegangen. Ein FC-Spieler hätte einen 06-Akteur mit einer Beleidigung bedacht, bei der es gegen die Familienehre ging. Das kommt bei Menschen aus bestimmten Kulturkreisen nicht gut an. „Sie geraten dann außer Rand und Band“, so Erichsen, „es hat dann ein Handgemenge gegeben.“

Fadi Cheikh-Mohamad, der zum einen Spieler von 06 II und zum anderen seit mehr als 15 Jahren KFV-Schiedsrichter ist, findet es „schade, dass daraus eine große Sache gemacht wird. Und es ärgert mich, weil der Ruf von Schleswig 06 beschädigt wird“. Er vermutet Frust beim Gegner als Auslöser für den Streit. „Die haben 2:0 geführt, wir haben dann in kurzer Zeit drei Tore gemacht und noch gewonnen. Es ist menschlich, wenn man dann enttäuscht ist“, sagt Cheikh-Mohamad, der im Fußball-Kreis einen Ruf als besonnener Sportsmann genießt.

Sein Schiedsrichter-Kollege Frank Matthiesen, der die Partie geleitet hat, sah keinen Anlass, einen Bericht zu verfassen. „Es gab einen Pulk, wo einige Spieler die Köpfe zusammengesteckt haben. Die haben sich gekabbelt, die mögen sich nicht. Das war nach dem Spiel, ich war auf dem Weg in meine Kabine. Es betraf mich nicht mehr“, sagt der Referee vom VfL Husby. Er habe sich noch mit einem anwesenden Schiedsrichter aus Nordfriesland unterhalten, auch der Kollege habe ihn darin bestätigt, dass hier nichts unternommen werden müsse. Das Spiel selbst, so Matthiesen, sei normal verlaufen. „Alle haben sich zusammengerissen, ich habe sie auch an der kurzen Leine gehalten.“

Der KFV wird in dieser Sache nichts unternehmen, erklärte der Vorsitzende Volker Schlehahn auf Anfrage. „Was sollen wir auch tun? Was in der Mail geschrieben wird, ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Der FC Ellingstedt-Silberstedt müsste sich schon formell an das Kreisgericht wenden“, sagt Schlehahn. Lieber würde er es aber sehen, wenn die Vereine wieder ins Gespräch kommen: „Dann will ich, wenn gewünscht, als Moderator gern dabei sein.“

Timo Erichsen hat Wolf-Achim Born in einer Mail das Gespräch angeboten. „Ich werde darauf noch antworten. Aber wir bleiben bei unserer Haltung“, sagt der FC-Vorsitzende, der sich dazu noch einmal mit seinem Vorstand abgestimmt hat. Immerhin, es gibt eine leise Hoffnung auf Verständigung. „Es wäre ja Quatsch, wenn man gar nicht mehr miteinander redet“, sagt Born.

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erstellt am 29.Mai.2016 | 15:00 Uhr

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