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Bundesliga-Kolumne : Nachspiel-Zeit, Euphorie-Bremse, Alster-Wasser

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bayern schaffen gegen Berlin einen Ausgleich, über den man streiten sollte, kommentiert Jürgen Muhl.

Bayern-Bonus: Es gibt ihn wohl doch, diesen sogenannten Bayern-Bonus. Fünf Minuten wollte der aus Hamburg kommende Schiedsrichter Patrick Ittrich in Berlin nachspielen lassen. Es wurden aber gut sechs Minuten. Nach fast sechs Minuten gibt es Freistoß für die Bayern. Wie fast in jedem Spiel, in dem der Rekordmeister zurückliegt oder noch nicht in Führung gegangen ist. Vor der Ausführung des Freistoßes sind die fünf Minuten abgelaufen. Der Unparteiische, so wie Schiedsrichter offiziell genannt werden, aber gibt noch gut eine Minute dazu. Warum? Weil der große Favorit doch nun endlich treffen soll? Weil die Bayern-Bank mit Drohgebärden Druck macht? Warum auch immer.

Nach der sehenswerten Gala gegen Arsenal London mühten sich die Bayern in Berlin zu einem Ausgleich, über den man streiten kann und auch gern sollte. Fehlt nur noch, dass Volkswagen, Allianz, Adidas oder Telekom jenen Schiedsrichtern einen Bonus zu ihrer Altersversorgung zahlen, die in ihrer aktiven Zeit die meisten Spielminuten auf ihrem Konto haben. Dann würde es aus Sicht der Herren in Schwarz oder Gelb Sinn machen, möglichst lange spielen zu lassen. Längst haben die Schiedsrichter einen eigenen Hauptsponsor: Dekra wirbt auf der schwarzen Textilie.

Aus Liebe zum Fußball pfeift in der Bundesliga - so wie es in unteren Klassen der Fall ist - ohnehin niemand. In der Millionen-Liga geht es ums Geld, wenn auch bei den Schiris im Vergleich zu den Herren Profis nur um Kleingeld. Wobei 6000 Euro pro Spielleitung ein üppiges Handgeld sind. Wer gegen den FC Bayern gewinnen will, sollte rund 100 Minuten Spielzeit einplanen. Wenn dann die Bayern nicht treffen, könnte es etwas werden mit drei Punkten für den Außenseiter. Aber nur dann. Ziemlich aussichtslos, dieses Unterfangen.

Normalität: Die ist nach dem glücklichen Remis gegen Freiburg wieder zurück im Hamburger Volkspark. Nach drei Siegen in Folge und dem Erreichen des Viertelfinales im DFB-Pokal machte sich so etwas wie Euphorie breit im Umfeld eines Hamburger Sport-Vereins, der immer noch hoch verschuldet ist. Rund 90 Millionen Euro. In einer solch angespannten Situation tut ein Vorstandschef gut, der die Kirche im Dorf lässt.

Heribert Bruchhagen hat den HSV im Griff, so scheint es. Auf Fragen zu einer möglichen Vertragsverlängerung mit Trainer Markus Gisdol antwortet er zurückhaltend. Bruchhagen weiß, dass in dieser Saison noch viel passieren kann, wie die Ergebnisse vom Wochenende allzu deutlich machen. Und: Der Etat des SC Freiburg liegt um gut 50 Prozent unter dem Hamburger Profi-Haushalt.

Freiburg aber spielte über 70 Minuten den besseren Fußball. Mit anderen Worten: Der HSV lebt weiter über seine Verhältnisse. Liegt doch das Durchschnittsgehalt der HSV-Profis bei über 3,5 Millionen Euro. Welch eine Maßlosigkeit, mit der Bruchhagens Vorgänger so gut wie nichts erreicht haben.

Aufatmen in Bremen: Mit dem Sieg in Mainz hat Werder wieder Anschluss gefunden. Mehr aber auch nicht. Die Spekulationen um Trainer Alexander Nouri dürften erst einmal verstummen und Bruno Labbadia kann weiter an der Hamburger Alster seine Runden drehen. In der Gewissheit, dass der HSV sein Gehalt bis Saisonschluss weiter zahlt.

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erstellt am 20.Feb.2017 | 09:31 Uhr

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