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Sport

04. Dezember 2016 | 23:27 Uhr

Wegen Olympia-Sperre : Russland zieht vor den Internationalen Sportgerichtshof

vom

Der Weltverband IAAF hatte russische Athleten vor vier Tagen von Olympia in Rio ausgeschlossen – das lassen sich nicht alle gefallen.

Lausanne | Russlands Leichtathleten wollen gegen die Sperre bei den Olympischen Spielen juristisch vorgehen und Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) einlegen. Der Einspruch werde im Namen aller Athleten eingereicht, „die noch nie gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen haben“, sagte der Chef des russischen Olympia-Komitees, Alexander Schukow, am Dienstag.

Der völlige Ausschluss eines Verbandes ist laut Regel 45 im Ethik-Code des Weltverbandes bei gravierenden Verstößen gegen Anti-Doping-Regularien zulässig. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte am 9. November 2015 einen 323-seitigen Bericht vorgelegt, der ein Schreckensbild der Doping-Praktiken in der russischen Leichtathletik zeichnet. Am 13. November suspendierte die IAAF den nationalen Verband WFLA.

Der russische Leichtathletikverband werde die Interessen und Rechte aller Athleten schützen, die unschuldig seien und keine verbotenen Substanzen eingenommen hätten, sagte Schukow. Er hoffe, dass das Sportgericht eine objektive, faire und gerechte Entscheidung treffe.

Das IOC beriet am Dienstagvormittag in Lausanne über Maßnahmen im Kampf gegen Doping. Ein Ergebnis: Nachweislich saubere russische Leichtathleten dürfen in Rio unter ihrer Landesflagge starten. Russland begrüßte die Entscheidung. Vor vier Tagen hatte der Weltverband IAAF Russlands Leichtathleten wegen massiver Dopingvorwürfe von den Spielen in Rio ausgeschlossen. Russland muss nun fürchten, dass auch andere Sportarten des Landes oder sogar die ganze Nation von Olympia in Brasilien ausgeschlossen wird. Wir werden alles machen, was das IOC uns sagt“, meinte Sportminister Witali Mutko der Agentur Tass zufolge am Dienstag in Moskau. Moskaus NOK-Chef Alexander Schukow bekräftigte, dass Russland die Olympischen Spiele im August in Rio de Janeiro nicht boykottieren werde. Unter dem Titel „Was habe ich damit zu tun?“ wandten sich unterdessen saubere russische Sportler in einem Video gegen eine Sperre für Olympia 2016.

Die Chronologie des Doping-Skandals

3. Dezember 2014 Auslöser des Skandals ist der ARD-Dokumentarfilm „Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht“. Darin wird enthüllt, dass die Erfolge russischer Leichtathleten Ergebnis von systematischem Doping, Vertuschung von Kontrollen und Korruption war.
11. Dezember  Papa Massata Diack, der Sohn von IAAF-Präsident Lamine Diack, lässt seine Tätigkeit als Marketingberater ruhen. Russlands Leichtathletik-Präsident Walentin Balachnitschjow zieht sich als Schatzmeister des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF zurück.
12. Dezember Der Direktor der Anti-Doping-Abteilung in der IAAF, der Franzose Gabriel Dollé, legt sein Amt nieder.
16. Dezember Der frühere WADA-Chef Richard Pound leitet die Kommission zur Aufklärung der Doping-Vorwürfe gegen Russland. Weitere Gremiumsmitglieder sind der Sportrechtsexperte Richard McLaren und der deutsche Kriminalbeamte Günter Younger.
17. Februar 2015 Wegen des Dopingskandals tritt Russlands Leichtathletik-Chef Balachnitschjow zurück. Nachfolger wird Wadim Selischenko.
16. Juli Aufgrund von Doping-Ermittlungen zieht der russische Leichtathletik-Verband vorläufig sein komplettes Geher-Team von internationalen Wettkämpfen zurück. Die WM findet Ende August in Peking ohne die mit Abstand erfolgreichste Geher-Nation statt.
2. August ARD und „Sunday Times“ haben eine Liste mit 12.000 Bluttests von rund 5000 Läufern ausgewertet. Darunter sollen 800 Sportler mit dopingverdächtigen Werten sein, die von 2001 bis 2012 bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gestartet sind.
19. August Der Brite Sebastian Coe wird zum neuen IAAF-Präsidenten gewählt. Er löst Diack ab, der fast 16 Jahre lang amtierte.
4. November Diack wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Die französische Justiz erhebt Anklage gegen den 82-Jährigen.
6. November Diack soll in seiner Amtszeit mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Doping-Proben kassiert haben, erklärt eine französische Staatsanwältin.
9. November Die unabhängige WADA-Kommission um Pound legt ihren ersten Bericht vor, der ein Schreckensbild der Doping-Praktiken in der russischen Leichtathletik zeigt. Die Kommission empfiehlt in Genf, Russland aus der IAAF auszuschließen.
10. November Die WADA entzieht dem Doping-Kontrolllabor in Moskau vorläufig die Akkreditierung. Das Internationale Olympische Komitee suspendiert das IOC-Ehrenmitglied Lamine Diack.
13. November Die IAAF suspendiert den Gesamtrussischen Leichtathletik-Verband ARAF angesichts der gravierenden Dopingvorwürfe. Wenn die Suspendierung nicht aufgehoben wird, ist eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio nicht möglich.
18. November Die WADA suspendiert Russlands Anti-Doping-Agentur RUSADA, weil sie die Regeln nicht eingehalten hat.
7. Januar 2016 Die Ethikkommission der IAAF sperrt im Zuge des Dopingskandals den Sohn von Ex-Präsident Diack, Papa Massata, den ehemaligen IAAF-Schatzmeister Balachnitschjow und Russlands Ex-Cheftrainer Alexej Melnikow lebenslang. Der frühere Anti-Doping-Chef Dollé wird für fünf Jahre gesperrt.
12. Januar Interne Dokumente aus der IAAF-Zentrale, die der Nachrichtenagentur AP zugespielt wurden, belegen, dass der Weltverband seit 2009 vom massiven Doping in Russland wusste.
14. Januar Bei der Präsentation des zweiten Berichts wirft die unabhängige WADA-Kommission im Münchner Vorort Unterschleißheim der IAAF „ein komplettes Versagen im Kampf gegen Doping und Korruption“ vor. Hauptverantwortlicher für die „Organisation und Ermöglichung der Verschwörung“ sei der frühere IAAF-Präsident Diack.
16. Januar Mit einer neuen Führung will sich der russische Leichtathletikverband (WFLA) die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro sichern. In einer Sondersitzung wählt der WFLA den angesehenen Sportfunktionär Dmitri Schljachtin zum neuen Präsidenten.
6. März Das angeblich große Reinemachen in der russischen Leichtathletik wird durch neue Vorwürfe gegen die Sport-Weltmacht erschüttert. Eine neue TV-Dokumentation präsentiert im WDR Belege für Verstöße von Russlands Leichtathletik gegen Auflagen vom Weltverband IAAF und der Welt-Anti-Doping-Agentur.
12. Mai Der ehemalige Leites des Moskauer Anti-Doping-Labors, Gregori Rodschenkow, sagt der „New York Times“, er habe systematische Manipulationen im russischen Team 2014 während der Olympischen Winterspiele in Sotschi mitorganisiert. 15 der russischen Medaillengewinner in Sotschi seien gedopt gewesen. US-Justiz, das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die WADA nehmen Ermittlungen auf.
17. Mai Gut elf Wochen vor den Sommerspielen hat die olympische Bewegung den Kampf gegen Doping verschärft. Bei Nachkontrollen sind 31 Olympia-Teilnehmer von Peking 2008 positiv getestet worden, wie das IOC mitteilt.
27. Mai Bei Nachkontrollen zu den Olympischen Spielen 2012 in London sind 23 Sportler positiv getestet worden, gibt das IOC bekannt. Hinzu kommt eine weitere positive Probe von den Sommerspielen 2008 in Peking.
17. Juni Die IAAF sperrt Russlands Leichtathletik-Verband für Olympia. Rechtzeitig vor den Rio-Spielen will die WADA auch eine Untersuchung zu Sotschi abgeschlossen haben. Die Ergebnisse sollen bis zum 15. Juli vorliegen. Die Sommerspiele beginnen am 5. August.
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