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Olympia 2016 in Rio - Nachrichten, Ergebnisse und Medaillenspiegel

10. Dezember 2016 | 19:41 Uhr

Olympia in Rio de Janeiro : Trotz Verletzung: Andreas Toba gelingt Heldentat am Pauschenpferd

vom

Olympia: Andreas Toba turnt sich trotz Schmerzen in die Herzen der Fans und führt Deutschland ins Finale.

Rio de Janeiro | Als alles vorbei war, da saß Andreas Toba in der Ecke und ließ den Tränen freien Lauf. Teamkollege Lukas Dauser nahm den 25-Jährigen in den Arm. Doch der Trost fiel sichtlich schwer. Es werden nicht die letzten Tränen sein, die Toba vergießt. Einige werden fließen, weil die Verletzung – ein Riss des vorderen Kreuzbandes und eine Meniskusverletzung – einfach furchtbar wehtut. Andere, weil der große Traum vom Mehrkampffinale bei Olympia für ihn beendet ist. „Die Schmerzen im Knie“, sagt Toba, „mit denen muss ich klarkommen. Aber die Schmerzen in mir drin, die sind um einiges größer.“

Bei einem Schraubensprung zu Beginn seiner Übung am Boden hatte er sich verletzt, das Knie verdreht. Toba blieb liegen und wusste sofort: Schlimmes ist passiert. „Es hat gekracht, ich konnte das Knie nicht mehr halten“, sagt er später. Mit Unterstützung humpelte er von der Matte. Er hatte recht. Es war etwas Schlimmes. Schnell gab es die erste Diagnose. Und dann wurde überlegt, wie es weitergeht. Da sagt Toba: Ich mache es.

Voller Schmerzen: Andreas Toba nach seinem Sturz während der Bodenübung.

Voller Schmerzen: Andreas Toba nach seinem Sturz während der Bodenübung.

Foto: dpa

Der 25-Jährige aus Hannover steht im Team zwar in der Bekanntheit deutlich hinter Fabian Hambüchen, Marcel Nguyen und Andreas Bretschneider, doch der deutsche Mehrkampfmeister ist aktuell der beste Allrounder im Team und, ja, eigentlich der einzige, der das Pferd beherrscht. „Vieles geht ihm durch den Kopf, als er da auf der Pritsche liegt und weiß, in welcher Bredouille das Team jetzt steckt.

Fünf, vier, drei – so ist die Regel in der Mehrkampfqualifikation. Fünf Teammitglieder gibt es, vier müssen jeweils ans Gerät, drei werden gewertet. Toba denkt auch daran, wie viel die anderen gearbeitet haben, und dann wird ihm klar: „Es wäre blöd, wenn das alles nicht klappt, nur weil wir am Pferd zu wenig Punkte haben.“

Toba schleppt sich in die Halle, wird beinahe noch von den Kampfrichtern ausgebremst, weil diese ihn schon eigenmächtig gestrichen hatten. Wer konnte schon ahnen, dass er noch einmal aufs Pferd steigt. Toba turnt durch. Seine Übung, die er im Schlaf kann. Der Abgang ist der heikelste Moment. Es geht nur noch dieser: seitlich vom Pferd und so sanft wie möglich auf beiden Beinen landen.

Als Toba das gelingt, feiert ihn seine Mannschaft, dem Rest der Halle bleibt der Atem stehen. Nicht wegen Toba. Am Sprung, direkt daneben, liegt der Franzose Samir Ait Said. Sein linkes Bein steht unterhalb des Knies in einem rechten Winkel ab. Toba sieht es auch nur aus dem Augenwinkel. Aber er deutet an, dass sich in dem Moment einiges relativiert. „Da kann man plötzlich froh sein, dass man noch aus der Halle laufen kann.“

Im Finale heute wollte er sogar wieder in die Halle laufen und raufs aufs Pferd. Doch die Ärzte haben abgeraten. Nach der MRT-Untersuchung stellte sich heraus, dass seine komplexe Knieverletzung mit einem Riss des vorderen Kreuzbandes und einer Verletzung des Innenmeniskus keinen Start mehr zulässt. Toba soll schnell wie möglich operiert werden. Ohnehin wird es schwer im Finale. Aber es ist erreicht, dank Toba, der am Pferd die meisten Punkte des Teams holte. Hambüchen sagt: „Das Finale ist auf Andis Mist gewachsen.“ Auf dem Mist des tapferen Toba. Doch „tapfer?“, sagt dieser, „nein, tapfer war ich nicht. Ich habe geheult wie ein Schulkind.“

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erstellt am 08.Aug.2016 | 12:55 Uhr

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