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Olympia 2016 in Rio - Nachrichten, Ergebnisse und Medaillenspiegel

11. Dezember 2016 | 11:03 Uhr

Olympia : Ticketschwarzhandel: IOC-Mitglied festgenommen

vom

Dem Internationalen Olympischen Komitee droht nach der Festnahme eines führenden Mitglieds wegen des Verdachts von Schwarzmarktgeschäften mit Tickets ein schwerer Imageschaden.

Die Polizei nahm am Mittwoch den Iren Patrick Hickey, auch Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, in einem Hotel in Rio de Janeiro fest. Auf einer Pressekonferenz erklärten die Behörden, sie hätten Hinweise, dass der 71-jährige Hickey in illegale Verkäufe überteuerter Eintrittskarten verwickelt sei. Es seien belastende Emails gefunden worden. In einer knappen Reaktion erklärte das IOC dazu: «Es gilt weiter die Unschuldsvermutung.»

Angesichts der Anschuldigungen lässt der ehemalige Judoka Hickey seine olympischen Ämter ruhen, bis der Fall aufgeklärt ist. Der Ire ist seit 2012 Mitglied der IOC-Exekutive, der einflussreichen Führungsspitze, und zudem Präsident der wichtigen Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees Europas (EOC) sowie Vizechef der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC).

Über den Schritt informierte das irische NOK offiziell auch das IOC. «Wir nehmen diese Entscheidung von Herrn Hickey mit Respekt zur Kenntnis», hieß es in der IOC-Mitteilung.

Hickeys Olympia-Akkreditierung und ein Flugticket wurden nach Polizeiangaben beschlagnahmt. Laut Polizei ist auf Basis neuer Beweise Untersuchungshaft angeordnet worden. Sollte sich der Verdacht erhärten, drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft.

«Herr Hickey erfüllt alle Auflagen des Haftbefehls», teilte das irische NOK mit. Er liege als Vorsichtsmaßnahme derzeit im Krankenhaus. Auch der Gesundheitszustand habe den 71-Jährigen bewogen, sich zeitweise zurückzuziehen.

Die Polizei vermutet, dass Hickey mit zwei an den Schiebereien beteiligten Firmen in Kontakt stehe. Eine davon habe der Firma THG Olympia-Tickets verschafft, die diese dann zu Wucherpreisen verkaufte, hieß es in einer Pressekonferenz. Die Firma THG war aber nicht befugt, Tickets für die Rio-Spiele zu verkaufen, wie die Polizei betonte. Unter anderem seien Preise von 8000 Dollar (etwa 7100 Euro) für ein Besuchspaket zur Eröffnungsfeier in Rio verlangt worden. Die Firma erklärte, die Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage. Wie Hickey genau verwickelt ist, blieb zunächst unklar.

IOC-Sprecher Mark Adams sagte, das IOC oder Präsident Thomas Bach seien nicht vorab von den Behörden kontaktiert oder informiert worden. Laut Adams geht es vermutlich um 1000 Tickets für die Sommerspiele, die dem NOK Irlands gehörten. Das IOC habe volles Vertrauen in das brasilianische Rechtssystem.

Die Polizei war gegen 6.00 Uhr im Hotel aufgetaucht und traf zunächst nur Hickeys Frau im Zimmer an. Sie wollte den Beamten wohl nicht sagen, wo ihr Mann ist. Die fanden den 71-Jährigen schließlich im benachbarten Zimmer seines Sohnes. Der offensichtlich angeschlagene Hickey wurde dann auf Anraten des Hotelarztes in ein Krankenhaus gebracht, wo die Polizei ihn beaufsichtigt.

Die Übergabe der Olympia-Tickets soll an mehrere Käufer in einem Hotel im Stadtteil Barra geplant gewesen sein, die Polizei habe das vereitelt, hieß es schon vorige Woche in einem Medienbericht. Insgesamt sollten demnach Tickets für Top-Events für bis zu 2,8 Millionen Euro (10 Millionen Reais) verkauft werden.

Die Polizei hatte im Zuge dieser Ermittlungen in Rio den aus Irland stammenden Chef der britischen Ticketfirma mit falschen Eintrittskarten ertappt und festgenommen. Eine Mitarbeiterin, die auch als Übersetzerin während der Olympischen Spiele arbeite, sei ebenfalls in Haft. Die Firma soll bereits in einen Schwarzmarkt-Skandal bei der Fußball-WM 2014 verwickelt gewesen sein.

Bericht bei RTE

Bericht bei Estadao Esportes

Biografie Hickey auf IOC-Homepage

Irish Sun zeigt Video von Hickeys Festnahme

Stellungnahme NOK Irland

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erstellt am 17.Aug.2016 | 21:57 Uhr

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