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Olympia 2016 in Rio - Nachrichten, Ergebnisse und Medaillenspiegel

08. Dezember 2016 | 23:03 Uhr

Olympische Spiele 2016 : Olympia kompakt: Das ist heute Nacht in Rio passiert

vom

Kein Gold, aber drei Medaillen – und eine mit einer großen Überraschung. Die Entscheidungen im Überblick.

Der Sport stand nicht an erster Stelle in der vergangenen Nacht in Rio de Janeiro. Die deutsche Mannschaft trauert um Kanu-Trainer Stefan Henze, der seinen schweren Kopfverletzungen erliegt. Die Feier der drei Medaillen (2x Reiten, 1x Ringen) war getrübt.

Die Ereignisse im Überblick:

Ringen

Denis Kudla rennt mit der Fahne durch die Halle.
Denis Kudla rennt mit der Fahne durch die Halle. Foto: Sergei Ilnitsky
 

Denis Kudla hat die erste Medaille für die deutschen Ringer gewonnen. Im kleinen Finale der Kategorie bis 85 Kilogramm im griechisch-römischen Stil bezwang der 21-jährige Debütant aus Schifferstadt den WM-Dritten von 2013, den Ungarn Viktor Lorincz, sensationell durch die letzte Wertung. Der andere Griechisch-Römisch-Spezialist, Superschwergewichtler Eduard Popp, verlor dagegen das kleine Olympia-Finale gegen den Aserbaidschaner Sabah Shariati nach einer Schulterniederlage vorzeitig.

„Eine grandiose Leistung von Denis, besser hätten die Spiele für uns in Rio nicht laufen können“, sagte Sportdirektor Jannis Zamanduridis. Zuvor wurde Kudla im Viertelfinale vom Russen Dawid Schakwetadse, dem späteren Olympiasieger, klar mit 0:8 vorzeitig bezwungen. „Die, die er bezwingen musste, hat er besiegt. Daher bin ich sehr zufrieden“, sagte Zamanduridis.

Wer ist Denis Kudla?

Kudla kommt aus Schifferstadt in Rheinland-Pfalz. Er begann frühzeitig mit dem Ringen. „Durch meinen Vater, dessen bester Freund Ringer war. Erst hat er meinen Bruder hingeschickt, ein Jahr später kam ich dazu“, sagte er. Dabei hatte er gleich die Schnauze voll: „Meinen ersten Kampf hatte ich gewonnen, im zweiten dann allerdings gegen ein Mädchen verloren. Da hatte ich keine Lust mehr und habe geweint“, sagte er vor dem Bronze-Finale der Deutschen Presse-Agentur.

Vor seinem Wettkampf musste er in fünf Tagen fünf Kilogramm abspecken. „Kein Eiweiß, keine Kohlenhydrate, dann gibt es nach dem Wiegen immer einen Eiweißshake“, verriet der Junioren-Europameister von 2013. Er hatte schon gleich nach seiner Qualifikation gewusst: „Ich will in Rio eine Medaille holen“, meinte er und bescheinigt Bundestrainer Michael Carl den größten Anteil an seiner Entwicklung.

Neben dem Ringen spielt er gerne Fußball, geht schwimmen oder Radfahren. Und vergeben ist der gut aussehende Modellathlet ebenfalls. Seine Freundin ist sogar mit. „Seit vier Jahren, aber die Familienplanung muss noch warten, auch wenn ich seit vier Jahren vergeben bin“, betonte er.

Nach seinem Wettkampf wird nun in den nächsten Tagen an der Copacabana gefeiert. „Ein Mann ein Wort, ich habe es meinen Fans versprochen.“

Reiten

Isabell Werth und Kristina Bröring-Sprehe trauern dem Gold nicht hinterher.
Isabell Werth und Kristina Bröring-Sprehe trauern dem Gold nicht hinterher. Foto: Friso Gentsch
 

Nach dem Team-Gold gab es für die deutschen Dressur-Damen erneut Edelmetall. Am weitesten vorne im Einzel war Isabell Werth mit ihrer Silber-Medaille. Bronze ging an Kristina Bröring-Sprehe aus Dinklage.

Für Werth war es kein verlorenes Gold gegen die überragende Britin Charlotte Dujardin mit Valgero. Es war ein gewonnenes Silber. „Ich bin einfach nur super-happy“, kommentierte Werth nach ihrem Kür-Auftritt mit Weihegold. „Wir haben gekämpft, gekratzt und alles versucht. Aber es war klar, wenn Charlotte keine Fehler macht, ist da nichts zu holen. Das wäre ja das siebte Weltwunder gewesen.“

Für Werth war es bereits die zehnte olympische Medaille. „Das war die optimale Ausbeute“, fasste sie ihre fünfte Olympia-Teilnahme seit 1992 mit Gold und Silber zusammen. „Das ist genial“, freute sich auch Bundestrainerin Monica Theodorescu. „Gold, Silber, Bronze, das ist ein Spitzenergebnis für uns. Wir haben ein Super-Team hier, die haben alle toll geritten. Das war klasse Sport hier.“

Leichtathletik

Thiago Braz da Silva ist der erste Olympiasieger im Stabhochsprung Brasiliens.
Thiago Braz da Silva ist der erste Olympiasieger im Stabhochsprung Brasiliens. Foto: Yoan Valat
 

Überraschend ist der Brasilianer Thiago da Silva neuer Stabhochsprung-Olympiasieger. Mit 6,03 Metern verwies er im Finale den favorisierten Franzosen Renaud Lavillenie auf den Silber-Rang. Der Kenianer David Rudisha holte sich wie vor vier Jahren in London Gold über 800 Meter. Die deutschen Diskuswerferinnen um Julia Fischer überstanden die Qualifikation und kämpfen ab 16.20 Uhr MESZ um Medaillen.

Tischtennis

Bastian Steger (rechts) and Timo Boll verloren gegen Japan.
Bastian Steger (rechts) and Timo Boll verloren gegen Japan. Foto: dpa
 

Timo Boll winkte noch einmal den Fans zu, dann schlichen er seine Kollegen mit hängenden Köpfen davon. Durch das ernüchternde 1:3 im Halbfinale gegen Japan verpasste Deutschland das Finale. Nun geht es am Mittwoch um Bronze gegen Südkorea.

Radsport

Roger Kluge in Aktion.
Roger Kluge in Aktion. Foto: Felix Kästle
 

Roger Kluge hat bei den Bahnrad-Wettbewerben im Omnium eine Medaille verfehlt. Der Olympia-Zweite von Peking belegte nach Abschluss der sechs Disziplinen den sechsten Platz. Gold gewann der Italiener Elia Viviani vor dem britischen Superstar Mark Cavendish.

Wasserspringen

Patrick Hausding in Aktion.
Patrick Hausding in Aktion. Foto: Patrick B. Kraemer
 

Die deutschen Wasserspringer haben es in einer windumtosten Qualifikation vom Drei-Meter-Brett sicher ins Halbfinale geschafft. Beim großen Favoritenstraucheln wurde Rekord-Europameister Patrick Hausding aus Berlin Sechster. Der Leipziger Stephan Feck kam bei zwischenzeitlich grenzwertigen Bedingungen auf Platz neun.

Handball

Andreas Wolff zeigte eine bärenstarke Leistung.  
Andreas Wolff zeigte eine bärenstarke Leistung.   Foto: Marijan Murat
 

Sie klatschten sich ab, bildeten einen Kreis und feuerten sich mit einem lauten „Bad Boys“-Ruf zu weiteren Großtaten an. Dann ließen sich Kapitän Uwe Gensheimer und Co. von den deutschen Handballs-Fans in der Future Arena feiern. Angeführt von ihrem im ersten Durchgang überragenden Keeper Andreas Wolff zogen die Europameister am Montag durch das 31:25 (15:12) über Afrikameister Ägypten als Gruppensieger ins olympische Viertelfinale ein.

Linksaußen Gensheimer war vor rund 5500 Zuschauern mit sieben Toren bester Werfer des Teams von Bundestrainer Dagur Sigurdsson, das am Abend (Ortszeit) entspannt die Partie zwischen Katar und Argentinien (22:18) verfolgen konnte. Mit Blick auf die klare Leistungssteigerung von Akteuren wie Christian Dissinger sagte Hanning: „Wir sind jetzt in der Spitze breiter aufgestellt.“ Das werde helfen, die nachlassenden Kräfte besser zu verteilen.

EM-Held Wolff brillierte zwei Tage nach dem 28:25-Erfolg gegen Slowenien mit zahlreichen Paraden - zur Pause hatte er die sensationelle Quote von 50 Prozent abgewehrter Würfe vorzuweisen. Der Lohn für den couragierten Auftritt: Jetzt geht es gegen den Vierten und vermeintlich leichtesten Kontrahenten aus Gruppe A.

Dieser Moment wird in Erinnerung bleiben

Dean Golding und seine Liebesbotschaft.
Dean Golding und seine Liebesbotschaft. Foto: Fazry Ismail
 

Schon wieder sorgte ein Heiratsantrag für einen romantischen Moment. Dean Golding allerdings musste lange warten, ehe seine Liebste ihn endlich erhörte. Als die Britin Charlotte Dujardin auf Valegro zu ihrem insgesamt dritten olympischen Dressur-Gold ritt, fieberte er auf der Tribüne mit. Vor seinem Bauch hielt Golding ein Schild: „Können wir jetzt heiraten?“ Er habe sie schon nach ihrem Doppel-Erfolg bei den Olympischen Spielen 2012 in London gefragt, erzählte Dujardin später. Nun will sie mit ihm vor den Altar treten.

Stefan Henze

Kanutrainer Stefan Henze verunglückte in Rio bei einem Verkehrsunfall.
Kanutrainer Stefan Henze verunglückte in Rio bei einem Verkehrsunfall. Foto: Friso Gentsch
 

Der Tod des Kanu-Trainers hat die deutsche Olympia-Mannschaft geschockt. Drei Tage nach einem Verkehrsunfall erlag der 35-Jährige am Montag seinen schweren Kopfverletzungen. „Wir sind unendlich traurig an diesem Tag“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann. Henze starb im Beisein seiner Familie. „Wir wissen: Stefans eigene olympische Gedanken leben in vielen Menschen weiter“, wurde seine Familie in der DOSB-Mitteilung zitiert.

Wer war Stefan Henze?

Der frühere Slalom-Kanute Stefan Henze arbeitete nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 2012 als Trainer beim Deutschen Kanu-Verband. Vor seinem Unfall betreute er in Rio de Janeiro als Disziplincoach die Augsburgerin Melanie Pfeifer. Henze gehörte zu dem von Chefcoach Michael Trummer angeführten Slalom-Trainerteam.

Seinen größten sportlichen Erfolg als Aktiver schaffte Henze bei den Sommerspielen von Athen vor zwölf Jahren, als er zusammen mit seinem Teampartner Marcus Becker Silber im Canadier-Zweier gewann. Obendrein wurden Becker und Henze 2003 Weltmeister und 2006 noch mal WM-Zweite. Nach der verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele in London beendeten Henze und Becker ihre Laufbahnen.

Auf der Internetseite der beiden früheren Athleten beschrieb Henze seinen Werdegang. „Der Kanusport wurde mir im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt. Meinen Vater Jürgen Henze habe ich von klein auf die meiste Zeit im Wildwasserkanal gesehen.“

Der Vater, 1971 selbst Weltmeister, wurde später beim BSV Halle der Heimtrainer seines Sprösslings. „Familie, Freunde, das ist der eine Rückhalt, der mich immer wieder antreibt“, schrieb Henze. Am Montag bestätigte der Deutsche Olympische Sportbund seinen Tod.

 
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erstellt am 16.Aug.2016 | 06:51 Uhr

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