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Olympia 2016 in Rio - Nachrichten, Ergebnisse und Medaillenspiegel

04. Dezember 2016 | 09:21 Uhr

Olympia : Minister de Maizière zu Olympia: «Keine Zielvorgaben»

vom

Bundesinnenminister Thomas de Maizière will die 425 für die Olympischen Spiele in Rio nominierten deutschen Athleten nicht unter Druck setzen.

«Was diese Spiele angeht, gibt es von mir keine Zielvorgaben», sagte er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. In London 2012 wurden 44 Medaillen gewonnen. Dies ist eine Größenordnung, die der CDU-Politier für «angemessen» hält.

Politische Krise, wirtschaftliche Probleme, die Furcht vor dem Zika-Virus: Aus Brasilien kommen viele negative Nachrichten. Freuen Sie sich trotzdem auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro?

Thomas de Maizière: Ja, natürlich. Der ehemalige Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees, Walther Tröger, hat mal zu mir gesagt: 'Aus meiner Sicht hat es noch keine Olympischen Spiele gegeben, bei denen die Sorge um Baufortschritte, Nachnutzung und die politische Lagen die Stimmung im Vorfeld nicht negativ geprägt hätte. Am Ende ist doch immer alles gelungen.' Auch vor der Fußball-WM 2014 in Brasilien gab es Zweifel, ob das Land diese Aufgabe stemmen kann - und dann hatten wir eine wunderbare WM. Sicherlich wissen wir um die Probleme, mit denen sich Brasilien gerade konfrontiert sieht, wir sehen aber ebenso, dass dort an Lösungen gearbeitet wird. Ich denke, Brasilien wird sich als guter Gastgeber präsentieren.

Ist es eine Überforderung für Brasilien, nach der WM nun zwei Jahre später mit Olympia noch ein Sportgroßereignis zu organisieren? de Maizière: Das liegt in der Hand der Brasilianer. Brasilien hat sich beworben und wurde gewählt. Mir ist ein anderer Punkt wichtig. Wenn man sich als Land nicht selbst um Olympische Spiele bewerben will, sollte man nicht diejenigen kritisieren, die sich beworben haben, sondern diese Länder unterstützen. Welche Rolle spielen Sicherheit und Terrorgefahr in Rio?

de Maizière: In Rio muss man zwischen allgemeiner Kriminalitätslage und Terrorgefahr unterscheiden. Die Belastung durch Straßenkriminalität, Gewalt und Drogen ist groß in Rio. Darüber sind sich die brasilianische Regierung und die Stadt aus meiner Sicht sehr im Klaren. Da werden deshalb viele Vorkehrungen und Maßnahmen getroffen. Was den Terror angeht, sind Olympische Spiele aufgrund der öffentlichen Aufmerksamkeit natürlich immer ein Anziehungspunkt für den internationalen Terrorismus. Ich kann allerdings sagen, dass uns in Deutschland bislang keine konkreten Hinweise auf eine ernstzunehmende Terrorbedrohung im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Rio vorliegen.

In der russischen Leichtathletik ist flächendeckendes Doping nachgewiesen worden, womöglich gib es dies auch in anderen Sportarten. Erschreckt, erschüttert oder überrascht Sie das? de Maizière: Ich bin nicht sehr überrascht. Manche Leistungssteigerungen von Athleten aus gewissen Staaten haben Experten, aber auch mich als Laien stutzig gemacht. So bedauerlich das auch ist: Wenn nun aufgeklärt wird, ist das auch eine gute Nachricht.

Ist der Olympia-Ausschluss von Russlands Leichtathleten die richtige Konsequenz?

de Maizière: Es ist eine Entscheidung des Sports. Allerdings kann ich die Entscheidung des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF nur begrüßen.

Es gibt Hinweise, dass in Russland auch in anderen Sportarten massiv gedopt wird. Außerdem gibt es den Vorwurf, im Kontrolllabor der Winterspiele von Sotschi seien Doping-Proben vertuscht worden. Ist ein kompletter Olympia-Ausschluss Russlands denkbar?

de Maizière: Zunächst gilt es den Untersuchungsbericht der Welt-Anti-Doping-Agentur am 18. Juli abzuwarten. Zudem geht es hier um die Sommerspiele. Klar ist aber auch: Nach einer fairen Aufklärung ist dann die Zeit für Härte und nicht für Nachgiebigkeit.

Wäre es ein Risiko für den Weltsport, Russland komplett von Olympia auszuschließen? Muss man Angst vor den Folgen haben?

de Maizière: Aus Angst sollte man notwendige Entscheidungen nie unterlassen, auch wenn Russland ein wichtiges Land ist. Dass man einen nationalen Verband einer der bedeutendsten olympischen Sportarten ausschließt, fällt nicht leicht und ist sicher auch der IAAF nicht leicht gefallen.

Die Einsicht der Russen, etwas falsch gemacht zu haben, scheint nicht ausgeprägt!

de Maizière: Ich erwarte von der russischen Regierung, dass sie bei der Aufklärung vollumfänglich mitwirkt. Beim Thema Doping hat jeder im Übrigen seine eigenen Hausaufgaben zu machen. In Deutschland machen wir das mit einem scharfen Anti-Doping-Gesetz und Dopingkontrollen. Seit Kurzem ist das zweite Doping-Opfer-Hilfegesetz in Kraft. Nur mit Fingern auf andere zeigen, damit werden wir die Probleme nicht lösen. Um faire internationale Wettbewerbsbedingungen zu erreichen, müssen alle an einem Strang ziehen.

Sollte die russische 800-Meter-Läuferin Julia Stepanowa, die den Doping-Skandal in ihrem Land aufdeckte, bei den Rio-Spielen starten dürfen?

de Maizière: Was schon für die Grundsatzfragen gilt, gilt umso mehr für Einzelfälle: Das muss der Sport entscheiden.

Was ist Julia Stepanowa für Sie? Eine mutige Frau und ein Vorbild für das, was andere auch tun sollten?

de Maizière: Ihr Verhalten verdient Respekt.

Die deutsche Mannschaft wird mit 425 Athleten nach Rio reisen. Vor fast genau einem Jahr haben Sie in einem Interview gefordert, der deutsche Sport sollte in der Lage sei, ein Drittel mehr Medaillen zu holen. Stehen Sie noch zu dieser Aussage?

de Maizière: Ich stehe zu dem erklärten Ziel, dass es das maßgebliche Ergebnis der Spitzensportreform sein muss, mehr Medaillen und mehr Spitzenplätze zu erreichen. Wir sind uns aber darüber im Klaren, dass die Reform Zeit braucht. Wenn man die Strukturen der Förderung verändert, werden sich die Folgen nicht über Nacht zeigen. Denn von einem Achtjährigen bis zum Olympiasieger ist es ein langer Weg. Was diese Spiele angeht, gibt es von mir keine Zielvorgaben. Der DOSB hat seine Medaillenerwartung geäußert, nicht die Politik.

Dann ist es Ihnen egal, ob die 44 Medaillen von London 2012 in Rio wieder erreicht, übertroffen oder verfehlt werden?

de Maizière: Sicher nicht. Ich werde mich über jede Topleistung unserer Athleten freuen. Die Zielsetzung des DOSB, etwa in der Größenordnung von Peking und London zu sein, finde ich angemessen.

Fünf deutsche Mannschaften sind wieder bei Olympia dabei...

de Maizière: ... und es geht zwar jeweils nur um eine Medaille! Wenn man aber erlebt hat, wie die Hockeyspieler unsere Nation begeistert und sich die Handball-Europameister in die Herzen der Menschen gespielt haben. Das ist schon großartig.

Die Leistungssportreform soll nach den Sommerspielen in Rio für neue Impulse und mehr Erfolg sorgen. Wird das ein großer Wurf?

de Maizière: Wir hatten vor Beginn der Sommerpause eine wichtige Sitzung, die Schlussberatung ist für Herbst angesetzt. Klar ist, dass eine Neustrukturierung der Spitzensportförderung nur erfolgreich sein kann, wenn sie zu Veränderungen führt. Und die Kraft, diese Veränderungen auf den Weg zu bringen, kann nur aus einer guten, vertrauensvollen und effizienten Zusammenarbeit von Sport und Politik resultieren. Die gemeinsame Zielsetzung ist unstreitig: Eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit unserer deutschen Spitzensportler durch eine Umstellung auf eine perspektivische Förderung nach künftigem Medaillenpotenzial. Der Blick soll in die Zukunft gerichtet sein, mit dem Fokus auf Athlet und Trainer, konzentriert auf Sportarten und Disziplinen mit hohen Medaillenchancen. Wir wollen die wissenschaftliche Beratung besser organisieren, Talente systematischer erkennen und fördern und so den Weg vom Jugendlichen hin zum Spitzenathleten intensiver begleiten als bisher. Ob es ein großer Wurf wird, wird sich zeigen. Ich bin da guten Mutes.

Gibt es denn das große Ringen zwischen Politik und Sport um mehr Macht bei der Steuerung der zukünftigen Spitzensportförderung?

de Maizière: Das wird immer so geschrieben. Die Beteiligten wissen: Letztendlich gehen die Dinge nur zusammen.

Müssen Verbände, deren Erfolgsbilanz nicht so gut ist, fürchten, durch das Sieb der Förderung zu fallen?

de Maizière: Wenn man diejenigen, die gut sind und großes Potenzial haben, mehr fördert als diejenigen, die weniger gut sind und weniger Potenzial haben, dann führt das zu Diskussionen. Ein solcher Konflikt ist im Rahmen der Spitzensportförderung unausweichlich.

Erst die Reform, dann über mehr Geld für den Spitzensport sprechen: Oder gibt es die Einsicht, ohne mehr Geld geht es nicht?

de Maizière: Erst müssen wir den Neustrukturierungsprozess abschließen, uns auf ein endgültiges Konzept verständigen und die organisatorischen Fragen klären, bevor wir das Thema Unterstützung angehen. Vorher nicht!

Wie soll das deutsche Team bei den Rio-Spielen auftreten?

de Maizière: Ich habe viele Spitzensportler gefragt, für wen sie die Medaille gewinnen: für sich oder für Deutschland. Die ehrliche Antwort der Sportler war: vor allem für mich. Das verstehe ich. Aber wenn die Nationalhymne gespielt und im Stadion mit der deutschen Fahne eine Ehrenrunde gedreht wird, entsteht doch mehr. Das freut und bewegt mich.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 11:09 Uhr

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