zur Navigation springen

Olympia 2016 in Rio - Nachrichten, Ergebnisse und Medaillenspiegel

10. Dezember 2016 | 17:44 Uhr

Kerber und das Klassenfahrt-Gefühl

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tennisstar aus Kiel peilt Medaille an und freut sich auf die besondere Atmosphäre der Olympischen Spiele / „So etwas vergisst man nie“

83  673 dienstliche Flugkilometer hat Angelique Kerber in der laufenden Saison bereits abgespult, 26 Städte in zehn Monaten. Die Hatz zwischen den Welten, Kontinenten und Zeitzonen gehört zum schnelllebigen Dasein als Tennisprofi. Zur Entspannung setzt die Kielerin unter anderem auf Filme – und im Repertoire der Australian-Open-Siegerin befindet sich seit vier Jahren auch ihr ganz persönlicher Olympia-Moment. „Als ich mit der ganzen Mannschaft bei meinen ersten Sommerspielen 2012 in London ins Stadion eingelaufen bin, das war Gänsehaut pur. Ich habe damals auf der Stadionrunde mitgefilmt, und die Sequenzen schaue ich mir auch heute noch immer mal wieder an“, sagt Kerber und fügt hinzu: „Es war das absolut beste Gefühl – so etwas vergisst man nie mehr.“

In Rio de Janeiro gehört die Weltranglistenzweite zu den großen deutschen Hoffnungsträgern. Ziel ist eine Medaille, „Gold wäre ein absoluter Traum“, sagt die Wimbledonfinalistin. Wie schwer es sein wird, die Balance zwischen sportlichem Ehrgeiz und dem Genuss des olympischen Klassenfahrt-Gefühls zu finden, weiß die 28-Jährige noch nicht. „Es wird interessant sein, das herauszufinden. Der Wettkampf hat natürlich Priorität. Aber ich hoffe, das olympische Flair in Rio auch genießen zu können“, verrät Kerber, die im Doppel mit ihrer Zimmernachbarin Andrea Petkovic (Darmstadt) antritt. In London 2012 war nicht so viel „Neuland wie diesmal“, weil die Tennisprofis damals im vertrauten Wimbledon spielten.

„Angie“ setzt am Zuckerhut auf den besonderen Teamspirit. „Ich spüre auch bei meinen Einsätzen im Fed Cup immer, dass mir das eine besondere Kraft verleiht“, betont sie. Ein bisschen spekuliert die Schleswig-Holsteinerin zudem auf Abstecher zum Schwimmen, Handball oder Hockey.

Ihre Finalniederlage in Wimbledon vor zweieinhalb Wochen gegen Serena Williams (USA) hat sie gut verdaut. Die anschließende Reise zur Hochzeit von Ana Ivanovic und Bastian Schweinsteiger nach Venedig sei „genau die richtige Ablenkung“ gewesen. Seit dem verlorenen Wimbledon-Endspiel habe sie die Gewissheit, „dass ich endgültig angekommen bin. Ich weiß, dass ich noch weitere Finals spielen kann – auch mit einem anderen Ausgang.“

Wimbledon 2016 hat noch einmal etwas verändert und Kerber weiter bestärkt. „Ich habe gemerkt, dass die Fans irgendwann im Match mehr auf meiner Seite waren“, berichtet die Kielerin: „Ich spüre jetzt die Anerkennung. Es hat ein bisschen gedauert, aber die Leute zeigen jetzt auch, dass sie meine Leistung respektieren und schätzen.“

Auch die kleine Wimbledon-Schale für die Finalistin ist bereits in ihrem Besitz. „Sie steht bei mir zu Hause genau neben der Melbourne-Trophäe. Mein Name wurde gleich nach dem Match eingraviert. Also alles gut“, sagt Kerber schmunzelnd. Ihr zehn Kilogramm schwerer Australian-Open-Pokal war nach einer Reise-Odyssee und Zoll-Problemen erst mit fünfwöchiger Verspätung eingetroffen. Mit einer Rio-Medaille gäbe es solche Probleme sicher nicht, die passt ins Handgepäck.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Aug.2016 | 08:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen