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Olympia 2016 in Rio - Nachrichten, Ergebnisse und Medaillenspiegel

08. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Olympische Spiele in Rio de Janeiro : Buhende Brasilianer: Was die deutsche Elf im Maracanã-Stadion erwartet

vom

Die brasilianischen Fans haben bei Olympia viele ausländische Sportler ausgepfiffen. Im Fußballfinale könnte es die Deutschen treffen.

Rio de Janeiro | Die Schmach ist nicht vergessen. Mit 1:7 verlor Brasilien im WM-Halbfinale 2014 gegen den späteren Weltmeister Deutschland. Besonders bitter für die Brasilianer: Die Niederlage setzte es bei der Heim-WM, das Land versank in einem Tal der Tränen. Am Sonnabend können sich die Brasilianer im Olympia-Finale revanchieren. Von den heimischen Fans im Maracanã-Stadion in Rio darf das deutsche Team um Trainer Horst Hrubesch keine Liebe erwarten. Und keine große Fairness. Zahlreiche Brasilianer entpuppten sich während der Olympischen Spielen in Rio als besonders begabte Buhrufer.

Der französische Stabhochspringer Renaud Lavillenie kann ein Lied von ihnen singen. Erst wurde er im Wettkampf gegen den Brasilianer Thiago Braz gnadenlos ausgebuht, der Favorit gewann Silber und sein Kontrahent Gold, trotzdem prasselte über Lavillenie bei der Siegerehrung erneut ein Regen an gellenden Pfiffen nieder. Lavillenie trieb es die Tränen in die Augen.

Renaud Lavillenie weinte bei der Siegerehrung.
Renaud Lavillenie weinte bei der Siegerehrung. Foto: Bernd Thissen

Danach ging er sogar so weit und verglich die feindselige Stimmung gegen ihn mit der 1936 in Berlin gegen US-Sprinter Jesse Owens. Die Aussage bedauerte Lavileine später und nahm sie zurück. Doch zeigte er, wie sehr die Pfiffe, Misstöne und die Niederlage ihn geschmerzt haben müssen.

IOC-Präsident Thomas Bach verurteilte das Gebuhe bei Twitter: „Schockierendes Verhalten der Zuschauer, Renaud Lavillenie auf dem Medaillenpodest auszubuhen. Inakzeptabel bei Olympia.“

Auch die frühere britische Marathonläuferin Paula Radcliffe äußerte ihr Unverständnis bei Twitter: „Das ist einfach nur falsch. Beschämt über das Leichtathletik-Publikum heute. Feuert eure eigenen so laut an wie ihr mögt, aber verachtet niemals die anderen.“

 

Nicht nur Lavillenie bekam die Buhrufe ab. Auch andere ausländische Sportler mussten sich einiges anhören. Auch während Wettkämpfen, bei denen es sonst nicht üblich ist, zu pfeifen, gab es Verunglimpfungen.

Mal geht es gegen den Rivalen Argentinien, mal gegen Deutschland, nicht mal unbedingt wegen des 1:7 bei der Fußball-WM. Man bewundert die Deutschen, auch für ihre damalige Fairness. Ein klares Muster für die Buhrufe ist nicht auszumachen, vieles entsteht spontan.

Außer die „Zika, Olé, ole, ole“-Rufe gegen die US-Torhüterin Hope Solo. Sie wiederholten sich kontinuierlich, weil Hope aus Sicht der Brasilianer unnötig Panik vor Zika geschürt habe.

Oft richten sie die Buhrufe gegen starke Gegner oder Favoriten. Beim Beachvolleyball-Match der Frauen zwischen Brasilien und Tschechien ging es dem Stadionsprecher zu weit mit dem Gebuhe. Mehrmals machte er Durchsagen, die brasilianischen Fans sollten die Rufe unterlassen.

Zwischenrufe mit bösen Folgen für Tennisspieler Rafael Nadal gab es am Ende des dritten Satzes im Halbfinale gegen den Argentinier Juan Martín del Potro. Als Nadal zum Aufschlag ausholte, rief eine Zuschauerin „Fora Temer“, raus mit Temer. Nadal verlor die Konzentration, wenige Minuten später das Halbfinale.

Die Zuschauerin hatte das Tennisstadion als Bühne für ihren Protest gegen den brasilianischen Interimspräsident Michel Temer genutzt, der nach Meinung der Anhänger der suspendierten linken Präsidentin Dilma Rousseff ihren Sturz orchestriert hat.

Auch Dustin Brown, deutscher Tennisspieler, erzählte nach seiner verletzungsbedingten Aufgabe gegen den Brasilianer Thomaz Bellucci, so eine negative Stimmung nur selten erlebt zu haben.

Beobachter der Olympischen Spielen meinen, die Stimmungen, die sonst in Fußballstadien vorherrschen, übertragen sich auf die Olympia-Arenen und damit auf Sportarten, denen die Feindseligkeiten von Fans bisher fremd waren.

Am Sonnabend werden die Buhrufe im Maracanã die Elf von Horst Hrubesch treffen. Und sollten die Brasilianer gewinnen, bliebe ein fahler Beigeschmack, anders als 2014, als deutsche Fans die traurigen Brasilianer trösteten. 

(mit dpa)

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erstellt am 19.Aug.2016 | 18:19 Uhr

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