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Olympia 2016 in Rio - Nachrichten, Ergebnisse und Medaillenspiegel

02. Dezember 2016 | 19:18 Uhr

Olympische Spiele in Rio : Boxer Michael Conlan wittert Betrug - Verband zieht Kampfrichter ab

vom

Michael Conlan verlor seinen Kampf. Dann begann er einen neuen gegen die Kampf- und Punktrichter. Der Verband reagierte.

Rio de Janeiro | Nach seinem verlorenen Boxkampf gegen den Russen Wladimir Nikitin bei den Olympischen Spielen in Rio streckte der Ire Michael Conlan den Punktrichtern hasserfüllt beide Mittelfinger entgegen, dann stieg er völlig aufgebracht aus dem Ring und ließ seinem Ärger in einem Live-Interview freien Lauf. Was Conlan zu sagen hatte, erschütterte die Boxwelt und sorgte dafür, dass mittlerweile sogar Ring- und Kampfrichter von den Spielen abgezogen wurden.

Diverse Urteile bei den Sommerspielen in Rio hatten für Unmut bei den Boxern und Zuschauern gesorgt. Michael Conlan wütete nach seiner Viertelfinal-Niederlage im Bantamgewicht gegen den Russen Wladimir Nikitin. Der Weltverband AIBA sei von Korruption durchzogen, rief er in ein Mikrofon am Ring. „Sie sind verdammte Betrüger. Sie sind bekannt dafür, Betrüger zu sein. Amateurboxen stinkt von Kopf bis Fuß.“

Er wolle unter diesen Umständen nie wieder abseits des Profilagers boxen. „Wenn Menschen Olympia schauen und diese Entscheidungen sehen...ich denke, Boxen ist tot.“ Nach Meinung zahlreicher Beobachter war auch der Kasache Wassili Lewit im Schwergewichts-Finale gegen den Russen Jewgeni Tischtschenko deutlich überlegen, verlor jedoch einstimmig nach Punkten. Kommentatoren sprachen nach dem Votum der drei Punktrichter aus Algerien, Irland und Kolumbien von einem skandalösen Urteil.

Der Box-Weltverband AIBA reagierte und zog eine ungenannte Zahl an Ring- und Kampfrichtern von den Spielen in Rio de Janeiro ab. „Weniger als eine Handvoll an Entscheidungen“ sei nicht auf dem erwarteten Niveau getroffen worden, teilte die AIBA mit. Der Verband hatte die 239 Kämpfe überprüft, die bis Mittwochmorgen stattgefunden hatten. Die Ergebnisse der beanstandeten Duelle blieben jedoch gemäß der AIBA-Regeln bestehen.

„Ich schiebe das alles weg, ich belaste mich nicht damit, weil es weh tut“

Das Internationale Olympische Komitee verwies in einer Stellungnahme auf die AIBA. Es sei zum derzeitigen Zeitpunkt keine Angelegenheit für das IOC, einzelne Kämpfe zu kommentieren, sagte ein Sprecher.

„Ich schiebe das alles weg, ich belaste mich nicht damit, weil es weh tut“, sagte der deutsche Trainer Michael Timm, der in Rio unter anderen Artem Harutyunyan betreut. „Wir haben hier keinen Kampfrichter dabei, und wenn ich jetzt noch hingehe und sage: Oh mein Gott! Nein, das geht nicht. Deshalb: rein, aus allen Lagen feuern, um die Punktrichter zu überzeugen.“

Olympisches Boxen blickt auf eine lange Historie von Skandalen zurück. „Es sind die schlimmsten Spiele seit 1988, als Roy Jones im Finale beraubt wurde“, sagte US-Trainer Billy Walsh der englischen Zeitung „Guardian“ in Rio. Der Amerikaner Jones, der später Profiweltmeister wurde und klassenübergreifend als bester Berufsboxer galt, verlor in Seoul trotz absoluter Überlegenheit gegen den Südkoreaner Park Si-hun. In Akten des Staatssicherheitsdienstes fanden sich nach der Wiedervereinigung Berichte, dass drei Kampfrichter bestochen worden seien. Das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees konnte jedoch keine Beweise für eine Manipulation des Kampfes feststellen.

Michael Conlan, der ankündigte nie wieder unter AIBA-Regie boxen zu wollen und davon sprach, dass sein Traum zerstört sei, konnte sich nach seinem Wutausbruch wieder beruhigen. Er twitterte ein Bild von seiner Familie und schrieb dazu: „Wenn der Staub sich legt, ist alles, was zählt, die Familie.“

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erstellt am 18.Aug.2016 | 16:52 Uhr

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