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Sport

07. Dezember 2016 | 19:29 Uhr

Box-Legende : Muhammad Ali ist tot - die Welt trauert

vom

Der größte Boxer der Geschichte wurde 74 Jahre alt. Er war wegen Atemproblemen ins Krankenhaus gebracht worden.

Phoenix | Der berühmteste Boxer der Sport-Geschichte, Muhammad Ali, hat seinen wichtigsten Kampf im Alter von 74 Jahren verloren. Ali starb am Freitag (Ortszeit) in einem Krankenhaus bei Phoenix, wie mehrere US-Medien, darunter der Sender NBC News, unter Berufung auf einen Sprecher der Familie berichteten. Auf der offiziellen Twitter-Seite und Website der als „The Greatest“ bekannten Sportikone wurden Fotos von Ali mit dem Zusatz „1942 - 2016“ veröffentlicht.

Der dreimalige Schwergewichtsweltmeister war am Donnerstag wegen Atemproblemen in das Krankenhaus eingeliefert worden. Sein Sprecher sagte daraufhin, er werde von einem Ärzteteam betreut und befinde sich in guter Verfassung. Es sei mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt zu rechnen.

Muhammad Ali: Seine größten Kämpfe

Cassius Clay alias Muhammad Ali gilt als der beste Boxer aller Zeiten. Seine Kämpfe vor allem gegen Joe Frazier und George Foreman sind in die Box-Geschichte eingegangen. Der Olympiasieger und dreimalige Profi-Weltmeister boxte auch gegen die Deutschen Karl Mildenberger und Jürgen Blin.5.

September 1960, Rom: Cassius Clay wird mit einem Punktsieg über Zbigniew Pietrzykowski (Polen) Olympiasieger im Halbschwergewicht. Es ist sein letzter von 108 Amateurkämpfen, von denen er nur acht verlor.

25. Februar 1964, Miami Beach: Cassius Clay gewinnt mit einem K.o.-Sieg in der achten Runde über Sonny Liston (USA) erstmals den WM-Titel. „Ich bin der Größte. Ich bin der Schönste“, tönt er und tritt wenig später zum Islam über.

9. Oktober 1966, Waldstadion Frankfurt: Vor 35 000 Zuschauern verteidigt Ali gegen Europameister Karl Mildenberger seinen WM-Gürtel. Anschließend gesteht er, dass sei sein schwerster Kampf seit dem Titelgewinn gegen Sonny Liston gewesen.

8. März 1971, Madison Square Garden New York: Ali kassiert gegen Joe Frazier im Kampf um die WM-Gürtel von WBA und WBC die erste Niederlage in seiner Profikarriere. Im „Kampf des Jahrhunderts“ schlägt Frazier seinen Widerpart in der 15. und letzten Runde mit einem linken Haken zu Boden. Die beiden Boxer bekommen Rekordbörsen von jeweils 2,5 Millionen Dollar.

26. Dezember 1971, Hallenstadion Zürich: Muhammad Ali schlägt den Hamburger Jürgen Blin in der siebten Runde K.o. „Sportlich war der Kampf nicht viel wert. Ich wusste genau, dass ich keine Chance habe“, sagt Blin später.

30. Oktober 1974, Kinshasa: Im legendären „Rumble in the Jungle“ erkämpft sich Ali gegen George Foreman in Kinshasa durch K.o. in der 8. Runde die WM-Titel der WBA und WBC zurück - mit völlig neuer, defensiver Taktik. Er durchbricht als zweiter Profi nach Floyd Patterson das eherne Gesetz „They never come back“.

1. Oktober 1975, Manila: Muhammad Ali bezwingt Joe Frazier im „Thrilla in Manila“ durch Aufgabe nach der 14. Runde. 28 000 Zuschauer im prall gefüllten Araneta Coliseum werden Zeugen der wohl größten Schlacht im Ring der Boxgeschichte.

Die wichtigsten Stationen seines Lebens

Die wichtigsten Stationen seines Lebens:

17. Januar 1942: Geburt von Cassius Marcellus Clay in Louisville (US-Bundesstaat Kentucky) als ältester von zwei Söhnen; Mutter Odessa Lee Grady, Putzfrau und Köchin, Vater Cassius Marcellus Clay, Schildermaler

1954: Debüt als Amateur-Boxer in Louisville 5. September

1960: Olympiasieg in Rom im Halbschwergewicht gegen Zbigniew Pietrzykowski (Polen) nach Punkten 29. Oktober 1960: Profidebüt in Louisville für 2000 Dollar Börse

25. Februar 1964: Gewinn des WM-Titels in Miami Beach gegen Sonny Liston durch K.o. in der 8. Runde

26. Februar 1964: Übertritt zum Islam, Namensänderung in Muhammad Ali

4. August 1964: Heirat mit Fotomodel Sonji Roi

10. Januar 1966: Scheidung von Sonji Roi

28. April 1967: Entzug der Boxlizenz und der WM-Titel (WBA, WBC) wegen Kriegsdienstverweigerung

25. Juni 1967: Verurteilung zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe und einer Geldbuße von 10 000 Dollar. Gegen eine Kaution von 5000 Dollar bleibt er auf freiem Fuß.

17. August 1968: Heirat mit Belinda Boyda

11. September 1970: Aufhebung der Box-Sperre

26. Oktober 1970: Comeback nach 42-monatiger Zwangspause mit K.o.-Sieg gegen Jerry Quarry

8. März 1971: Erste Profi-Niederlage. Gegen Weltmeister Joe Frazier verliert er den „Kampf des Jahrhunderts“.

28. Januar 1974: Punktsieg gegen Joe Frazier in New York

30. Oktober 1974: K.o.-Sieg in der 8. Runde gegen George Foreman im „Rumble in the Jungle“. Zum zweiten Mal Weltmeister (WBA und WBC).

1975: Erste Buchpräsentation von „The Greatest - my own story“ 1. Oktober 1975: „Thrilla in Manila“: Ali gewinnt den dritten Kampf gegen Frazier durch technischen K.o. in der 14. Runde.

Januar 1977: Scheidung von Belinda Boyd

19. Juni 1977: Heirat mit Veronica Porsche

15. Februar 1978: Verlust der WM-Titel nach Punkt-Niederlage gegen Leon Spinks

15. September 1978: Zum dritten Mal Weltmeister (WBA) nach Punktsieg gegen Spinks 27. Juni 1979: Rückgabe des WBA-Titels und Rücktritt vom Boxsport

2. Oktober 1980: Trotz ärztlicher Warnung Comeback gegen Weltmeister Larry Holmes, der nach 11 Runden aufgab. Mit acht Millionen Dollar kassierte er seine höchste Börse.

11. Dezember 1981: Mit einer Punkt-Niederlage nach 10 Runden gegen Trevor Berbick verabschiedet er sich vom Boxen.

1984: Parkinson-Syndrom diagnostiziert

11. April 1986: Scheidung von Veronica Porsche

19. November 1986: Heirat mit Lonnie Williams

22. Juli 1996: Entzünden des olympischen Feuers in Atlanta

September 1998: Ernennung zum UNO-Friedensbotschafter

2000: Auszeichnung als Sportler des Jahrhunderts

11. Januar 2002: Stern auf dem „Walk of Fame“ in Hollywood

2005: Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold und der Freiheitsmedaille der USA

15. November 2011: Muhammad Ali gibt in Philadelphia Joe Frazier das letzte Geleit. Der ehemalige Boxer war am 7. November im Alter von 67 Jahren gestorben.

14.9.2012 Auszeichnung mit der Freiheitsmedaille für sein soziales Engagement.

Internationale Medien berichteten aber bereits zu diesem Zeitpunkt, dass sein Zustand ernster sei. Alis einstiger Rivale Sugar Ray Leonard schrieb auf Twitter: „Gebete und Segen für mein Idol, meinen Freund & ohne Frage, den Größten aller Zeiten.“ Der an Parkinson leidende Ali, dreifacher Weltmeister im Schwergewicht und Olympiasieger im Halbschwergewicht, hatte seine Karriere im Jahr 1981 beendet. In den vergangenen Jahren war er wegen gesundheitlicher Beschwerden mehrfach im Krankenhaus behandelt worden, darunter zweimal im Jahr 2014 und einmal im vergangenen Jahr.

Ende 2014 wurde zunächst eine leichte Lungenentzündung diagnostiziert, nach ein paar Tagen stellten die Medizinier jedoch eine schwere Harnwegsinfektion fest. Kurz nach seiner Entlassung hatte sich Ali zur Nachsorge erneut ins Krankenhaus begeben müssen.

Nach einer Nacht war er wieder entlassen worden. Er litt seit Langem an der Parkinson-Krankheit. Der Verdacht auf die Schüttellähmung war 1984 bestätigt worden. Ali gewann 1960 Olympisches Gold. Damals hieß er noch Cassius Clay. Erst fünf Jahre später, als er zum Islam übertrat, nahm er den Namen Muhammad Ali an.

Mit Kämpfen wie dem „Rumble in the Jungle gegen George Foreman oder dem „Thrilla in Manila“ gegen Joe Frazier verewigte er sich in den Analen der Sporthistorie. Nun ist Boxlegende Muhammad Ali gestorben.
Mit Kämpfen wie dem «Rumble in the Jungle» gegen George Foreman oder dem «Thrilla in Manila» gegen Joe Frazier verewigte er sich in den Analen der Sporthistorie. Nun ist Boxlegende Muhammad Ali, «der Größte» wie er sich selbst oft nannte, im Alter von 74 Jahren verstorben. Foto: Epa
 

Der begnadete Boxer wurde im Februar 1964 erstmals Schwergewichtsweltmeister. Er bezwang damals Sonny Liston und beschrieb seinen eleganten Boxstil mit den Worten: „Schweben wie ein Schmetterling, stechen wie eine Biene.“ Weitere zweimal krönte sich Ali danach zum Champion.

Er lieferte dabei in seiner Karriere unvergessliche Kämpfe wie  „Thrilla in Manila“. Trotz seiner Rücktrittsankündigung im Juni 1979 zog es Ali noch einmal in den Ring. Er hörte nicht auf die Warnungen von Ärzten und trat im Oktober 1980 gegen Larry Holmes an. Ali verlor nach Kampfabbruch. Seinen 61. und letzten Profi-Kampf (56 Siege) bestritt er ein gutes Jahr später. Wieder verlor Ali, Gegner am 11. Dezember 1981 in Nassau war damals Trevor Berbick.

Der am 17. Januar 1942 in Louisville als Sohn eines Plakatmalers geborene Ali machte aber auch weltweit Schlagzeilen durch seine Verweigerung des Militärdienstes während des Vietnam-Kriegs, für die er auch eine Sperre von drei Jahren in Kauf nahm.

Ali war Zeit seines Lebens eine Ikone. Als er 1996 schon gezeichnet von seiner Krankheit das Olympische Feuer entzündete, sorgten die Bilder weltweit für Ergriffenheit. In der Öffentlichkeit zeigte sich Ali in den vergangenen Jahren immer seltener. Auch für seine Zitate wurde Ali berühmt. Eine Auswahl seiner Sprüche gibt es hier.

Nun trauert die ganze Welt. „Gott segne dich, Daddy. Du bist die Liebe meines Lebens“, schrieb Tochter Hana Ali bei Twitter: „Unser Vater war ein bescheidener Riese! Und nun ist er heimgegangen zu Gott.“

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Politiker, Künstler, Sportler - die Trauer über den Verlust der Box-Ikone ging über Berufs- und Landesgrenzen hinaus. „Es war mir eine Ehre...mit einem Mann befreundet zu sein, der durch Triumph und Prüfungen sogar größer als seine eigene Legende wurde“, erklärte der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. „Er war ein Athlet, der die Herzen der Menschen rund um den Erdball berührt hat“, sagte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees: „Er war ein Athlet, der sich für Frieden und Toleranz eingesetzt hat - ein echter Olympionike.“

Ali trat für die Rechte der Schwarzen und Minderheiten weltweit ein. Ali geißelte den Vietnam-Krieg. Großbritanniens Premierminister David Cameron hob ihn nun als einen „Champion der Bürgerrechte und ein Vorbild für viele Menschen“ hervor.

„Heute senken wir unseren Kopf, wir haben einen Mann verloren, der soviel für Amerika getan hat. Morgen werden wir unsere Köpfe wieder heben, uns an seinen Mut, seine Freimütigkeit und an seine Opfer erinnern, die er für seine Gemeinschaft gebracht hat“, schrieb der ehemalige Basketball-Superstar Kareem Abdul-Jabbar. US-Pop-Ikone Madonna twitterte: „Dieser Mann. Dieser König. Dieser Held. Dieser Mensch. Worte können es nicht ausdrücken. Er hat die Welt wach gerüttelt.“ Ali und „Nelson Mandela waren für mich die größten Persönlichkeiten der Welt“, meinte Box-Manager Wilfried Sauerland.

„Möge Gott seine Familie segnen und ihr durch diese unglaublich schwere Zeit helfen“, schrieb Lewis Hamilton, der es als erster dunkelhäutiger Pilot in die Formel 1 schaffte und dort dreimal Weltmeister wurde.

Einer seiner Nachfolger, der ukrainische Ex-Weltmeister Wladimir Klitschko, betonte die Nachhaltigkeit von Alis Engagement: „Ein Mann von Charakter, Glauben, Würde und Professionalität. Du wirst uns weiterhin inspirieren, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.“ Ex-Weltmeister Floyd Mayweather schrieb: „Dein Charisma, dein Charme und vor allem deine Klasse werden mir und der ganzen Welt fehlen.“

Viele weitere Menschen machen ihrer Trauer um die Box-Legende Luft - auch bei Twitter:

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erstellt am 04.Jun.2016 | 13:13 Uhr

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