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FC St. Pauli
Die Kult-Kicker vom Kiez kommen
Eutin. Es ist nicht irgendein Club. Der Verein, der morgen auf dem Waldeck bei Eutin 08 für ein Freundschaftsspiel zu Gast ist (Anpfiff 18.30 Uhr; Karten gibt es im Reisebüro von LMK), gilt als der Kult-Club der Republik. Und, was die Freude der Eutiner Fußballfans auf das Spiel noch steigert: Der FC St. Pauli spielt wieder in der 1. Fußball-Bundesliga.
Damit ist das Fußball-Oberhaus um einen unkonventionellen und in Deutschland sehr beliebten Club reicher. Denn St. Pauli gilt als der andere Verein. Getragen von einer alternativen Fanszene und zuhause in einem der verrufensten Stadtteile der Welt, stand der FC St. Pauli als "Underdog" immer für Fußball mit Herz statt Kommerz.
Es war gerade der heruntergekommene Charme, der St. Pauli so liebenswürdig machte: Umkleidekabinen im Vereinsheim etwa, oder die manuelle Anzeigentafel. Und auch, wenn es inzwischen VIP-Logen am Millerntor gibt: Kein Maskottchen macht vor den Spielen eine Show am Spielfeldrand. Stattdessen hissen Punks und Studenten am Millerntor die Totenkopf-Flagge und jubeln ihren Spielern in den unkonventionellen braun-weißen Trikots zu. Die Piratenflagge zeigten Fans Mitte der 80er Jahre zum ersten Mal - seither ist der Totenkopf als Symbol der rebellischen Haltung des Vereins nicht mehr aus dem Stadion wegzudenken.
"Non established since 1910" heißt es auf der Internetseite des FC St. Pauli. Die nicht Etablierten feierten in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen: Am 15. Mai 1910 wurde der Verein gegründet; Sonntag beging er sein Jubiläum im "Schmidts Tivoli", dem Theater des ehemaligen Pauli-Präsidenten Corny Littmann.
Seine erste sportliche Blüte erlebte der Verein 1948, als sich die heute legendäre "Wunderelf" bis ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft spielte. 1977 gelang dem FC erstmals der Sprung in die 1. Liga, wobei er aber direkt wieder abstieg. Nach einigen Jahren in der damaligen Oberliga Nord gelang 1984 der Wiederaufstieg in den bezahlten Fußball.
Die kämpferische Einstellung wurde mit dem erneuten Aufstieg in die 1. Bundesliga 1988 zu einem Mythos, als denkwürdige Fußballschlachten gegen scheinbar übermächtige Gegner am Millerntor gespielt wurden.
Von 1991 bis 2001 spielten die Paulianer mit einer zweijährigen Unterbrechung in der 2. Bundesliga - bis in einem Herzschlag-Finale im Nürnberger Frankenstadion der Aufstieg ins Oberhaus gelang. Im folgenden Jahr gelang St. Pauli einer der größten Coups in seiner Geschichte: Am 6. Februar 2002 besiegte er den vermeintlich übermächtigen FC Bayern München in einer unfassbaren Atmosphäre am Millerntor mit 2:1 - fortan trugen tausende stolze Fans die Aufschrift "Weltpokalsiegerbesieger" auf T-Shirts herum.
Die folgende Talfahrt hielt es nicht auf: Am Ende der Saison stieg St. Pauli aus dem Fußball-Oberhaus ab und wurde direkt in die Regionalliga Nord durchgereicht. Sportlich und finanziell stand der Verein am Abgrund - und zog sich am eigenen Schopf wieder heraus. Die Fans organisierten sich bundesweit und unterstützten die sogenannte Retter-Kampagne. Es wurden Retter-Shirts gedruckt, auf der Reeperbahn galt das Motto "Saufen für St. Pauli" und Bayern München trug am Millerntor ein Freundschaftsspiel aus.
Vier Jahre spielte St. Pauli in der Regionalliga Nord - die Fans aber hielten weiter zu ihrem Verein: Mit durchschnittlich knapp 10 000 verkauften Saisonkarten war St. Pauli absoluter Spitzenreiter in der dritten Liga.
Für Aufsehen sorgten die Kiezkicker in der Saison 2005/2006, als sie nach Siegen gegen Hertha BSC Berlin und Werder Bremen im Halbfinale des DFB-Pokals standen - wo sie ausgerechnet gegen die Bayern unterlagen.
2007 brachte Trainer Holger Stanislawski mit André Trulsen und KaPe Nemet die Mannschaft zurück in den bezahlten Fußball, in der vergangenen Saison gelang der große Wurf: Mit einem 4:1 gegen Greuther Fürth wurden die Paulianer hinter Kaiserslautern Zweiter der 2. Bundesliga und waren damit aufgestiegen.
Eutin 08 tritt also morgen nicht nur gegen den Weltpokalsiegerbesieger an, sondern gegen einen Kultclub, der wieder im Konzert der Großen mitspielt - und dort wohl ausnahmsweise mal nichts dagegen hat, sich zu etablieren.
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