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American Football
Am Anfang war das Ei
Regelkunde auf dem Spielfeld: Zwei Schiedsrichter erläutern dem Lübecker Thomas Kappes ihre Entscheidung.
Lübeck. Von der Tribüne aus betrachtet sind Footballspieler Menschen wie du und ich. Kommt man ihnen aber näher, ändert sich der Eindruck nachhaltig. Füße, die in Schuhen der Größe 55 oder mehr stecken, darüber ein stattlicher 150 Kilogramm schwerer Körper von 2,04 Metern Höhe und breite Schultern, die unter dicken Polstern versteckt sind, die schützen sollen. Thomas Kappes ist ein Berg von einem Mann. Seine Hauptaufgabe: Er soll den Quarterback abschirmen. Bei den Lübeck Cougars ist Ole Wulf der Spieler, der die Ideen liefert. Am Sonnabend im Stadion Buniamshof vergeblich, denn die Gastgeber unterlagen den Magdeburg Virgin Guards mit 31:38 (16:19) Punkten.
Auf dem Rasen geht es vor 350 Zuschauern eher unaufgeregt zu. Sieben Schiedsrichter sind damit beschäftigt, alle Spieler und das Geschehen im Auge zu behalten. Der eiförmige Ball - kurz: das Ei - liegt vor dem einen Team, dem sich der Gegner in ebenso breiter Linie entgegenstellt. Ein Schiedsrichter gibt den Ball frei, sein rechter Arm saust wie ein Dreschflegel durch die Luft. Jetzt hat das Team mit Ballbesitz 25 Sekunden Zeit, um seinen Plan auszuführen. Mit der rechten Hand ergreift ein Spieler den Ball und gibt ihn rückwärts durch die eigenen Beine weiter - und schon kommt richtig Leben in die Sportler im prall gefüllten Dress. Der Zuschauer erkennt sofort, warum alle Athleten Helme tragen, denn binnen Zehntel sekunden prallen die Körpermassen aufeinander.
Doch: Wo ist der Ball? In der Antwort liegt eines der Geheimnisse des Football. "Die Täuschung gehört dazu", sagt Presseprecher Jan Wulf. Eine Finte, amerikanisch "Fake", soll die Gegner auf die falsche Fährte locken. Bis ins kleinste Detail sind die Spielzüge abgesprochen. Während die Cougars das Recht zum Angriff haben, hat Richard Bonds, der als Trainer für die Verteidigungsstrategie verantwortlich ist, seine Männer zusammengetrommelt. Kurz und knackig weist er auf die gefährlichsten Magdeburger hin. Vor allem die Nummer 1, Sean Cooper, bereitet den Lübeckern arge Probleme. Das kleine Wiesel saust wie ein Slalomläufer durch die Lübecker Reihen. Viermal schafft er es bis über die Auslinie - das macht vier Touchdowns, die den Cougars (=Berglöwen) an diesem grauen Tag sportlich das Genick brechen.
Mark Holtze verfolgt als Offense Coach (Trainer der Angriffsspieler) an der Seitenlinie das Geschehen. Seine rechte Hand reibt nachdenklich das Kinn - Zufriedenheit drückt sich anders aus.
In höchstem Tempo rennen die Spieler durcheinander, wattierte Schultern stoßen gegeneinander, Angreifer fliegen über Körper, die sich ihnen in den Weg stellen. Thomas Kappes steht wie ein Fels in der Offense Line. "Da stehen unsere schweren Jungs, die den Running Back und den Quarterback abschirmen", sagt Jan Wulf mit Blick auf die taktischen Grundbegriffe.
Nach drei, vier, fünf Sekunden ist die Action schon wieder vorbei. Wild fuchtelnd unterbrechen die Unparteiischen in ihren senkrecht gestreiften Hemden das Spiel. Sie stecken die Köpfe zusammen: Eine kurze Diskussion, dann ebenso knappe Erklärungen an einzelne Spieler. Und dann erklärt der Hauptschiedsrichter laut die Entscheidung, damit Sportler und Zuschauer, Trainer, Betreuer und Fotografen wissen, in welche Richtung es weitergeht, ob der Spielzug gilt oder ein Regelverstoß passiert ist. Das kam in der Partie gegen Magdeburg oft vor. "Die vielen Strafen auf beiden Seiten haben keinen echten Spielfluss zustande kommen lassen", sagt Cougars-Pressesprecher Jan Wulf. Denn beim Football gibt es strenge Regeln: So ist der Griff ins Gesichtgitter verboten, man darf den Gegner nicht treten und auch das Zupfen am Trikot zieht eine Strafe nach sich. Meistens eine Raumstrafe, das heißt: Die Mannschaft des Sünders muss zurück.
Die Lübeck Cougars treten in der zweiten Bundesliga mit einem Kader von 40 Spielern an, die meisten sind lupenreine Amateure. Teamtraining ist während der Saison zweimal pro Woche, in der Vorbereitung auch drei- bis viermal. Dazu kommen noch die individuellen Einheiten, bei denen die Athleten an ihrer Kraft und Schnelligkeit feilen. Am Sonnabend lagen die Gastgeber zwar dreimal vorn, doch letztlich gab es eine Niederlage. Unbequeme Begleiterscheinung: Die Cougars stehen im Niemandsland der Tabelle. Aber an diesem Sonnabend (21. August) können sie Boden gutmachen. Dann kommen die Falken aus Köln, die "Cologne Falcons", auf den Buniamshof. Spielbeginn ist um 17 Uhr.
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