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Lokalsport

05. Dezember 2016 | 03:25 Uhr

Paralympics in Rio de Janeiro : Kai Möller träumt vom großen Wurf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ellingstedter Behindertensportler steht im Kader der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft für die Paralympics in Rio de Janeiro . Am Freitag gehts los.

Langsam kommt Kai Möller auf das Parkett der Inselparkhalle in Hamburg-Wilhelmsburg gerollt. Der ehrgeizige Ellingstedter will in seinem Sport-Rollstuhl eine Sonderschicht schieben – für seinen großen Traum von einer Olympia-Medaille.

Möller ist einer von 155 Athleten, die Deutschland bei den Paralympics (7.-18. September) – den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderungen – in Rio de Janeiro (Brasilien) vertreten werden. Nicolai Zeltinger, Nationaltrainer der Deutschen Rollstuhlbasketballer, berief den gelernten Einzelhandelskaufmann in den Zwölfer-Kader. „Ich habe mich riesig gefreut. Es ist für mich eine große Ehre, bei den Paralympics im Kader zu stehen. Ich freue mich auf die Atmosphäre und auf die Duelle gegen die besten paralympischen Athleten der Welt“, strahlte der 25-Jährige über seine seine Nominierung. Nach der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Incheon (Südkorea) ist Möller erstmals wieder bei einem großen Turnier im Aufgebot der Nationalmannschaft vertreten.

Seit seiner Geburt sitzt Möller wegen einer spina bifida (Fehlbildung von Wirbelsäule und Rückenmark) im Rollstuhl. Am Sport treiben hindert das den ehrgeizigen Akteur nicht. Als Achtjähriger wird der Schleswig-Holsteiner über Freunde vom Rollstuhlbasketball inspiriert. Fast zwei Jahrzehnte später ist er nicht nur Profi-Rollstuhlbasketballer beim Bundesligaclub BG Baskets Hamburg, sondern auch italienischer Meister- und Pokalsieger, U  22-Europameister und U  23-Weltmeister.

Damit sich der Trophäenschrank weiterhin füllt, trainiert Möller akribisch, auch wenn er noch in einem Sanitätshaus in Hamburg arbeitet. In der freien Zeit schnappt er sich seinen eigens signierten Ball und wirft in der von den BG Baskets zur Verfügung gestellten Halle seine Körbe. Zwei bis drei Stunden sitzt er in seinem 6000 Euro teuren Spezial-Rollstuhl und übt individuell. Ergebnisse aus den Einheiten werden anhand einer Pulsuhr festgehalten und Bundestrainer Zeltinger zur Analyse übermittelt.

Im Vergleich zu den dreistündigen Trainingseinheiten ist das Programm bei der Nationalmannschaft wesentlich intensiver: „Mit dem Nationalteam trainieren wir bis zu sieben Stunden am Tag“, so Möller, der seine Stärken im Rebound und beim Erzielen der sicheren Punkte sieht.

Nach einem Trainingslager in Elxleben (Thüringen) reiste die Auswahl nach Amsterdam. Mit einem Kurz-Trainingslager und zwei Testspielen gegen die Niederlande, die beide deutlich gewonnen wurden, stand der letzte Feinschliff für Rio auf der Tagesordnung, ehe die Sportler heute die Reise nach Brasilien antreten. Bei den Paralympics 2012 in London zog die Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen den späteren Bronzemedaille-Gewinner USA knapp den Kürzeren und belegte in der Endabrechnung den sechsten Platz. Auch in Rio ist das Erreichen des Viertelfinales das Ziel für das „Team Germany“ um Trainer Zeltinger. Mit dem aktuellen Weltmeister USA, dem amtierenden Europameister Großbritannien, sowie Iran, Algerien und Gastgeber Brasilien warten in der Gruppenphase harte Brocken auf das als Mitfavorit gehandelte deutsche Team. Trotz der schwierigen Sechser-Gruppe, bei der die ersten Vier in das Viertelfinale einziehen, will Möller die Hoffnung auf den Triumph und den Traum vom großen Wurf nicht aufgeben: „Jedes Spiel gewinnen und am Ende die Goldmedaille am Hals tragen. Das wäre mein großer Traum“, sagt er mit funkelnden Augen.

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