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Lokalsport

03. Dezember 2016 | 22:52 Uhr

Segeln : „Wir haben uns in Bewegung gesetzt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aufbruchstimmung beim Bundesliga-Team des Flensburger Segel-Clubs. Zwei Crews sollen den Wiederaufstieg in die 1. Liga schaffen. Mehr Fitness und Wintertraining im Süden

„Wir dürfen nicht nur denken, wir müssen auch loslaufen“, hatte Jörg Rothert nach dem Abstiegs-Debakel des Flensburger Segel-Clubs (FSC) aus der 1. Segel-Bundesliga als Konsequenz gefordert. Jetzt – 24 Tage nach dem unvorstellbar schlechten Finale mit anschließender, total vergeigter Relegation auf der Hamburger Außenalster – sind die ersten Analysen gemacht, und der Blick auf die nächste Saison gerichtet, die mit dem Wiederaufstieg beendet werden soll. Viele Dinge sind im Bereich Leistungssegeln und speziell beim Bundesliga-Teamtreffen besprochen worden. „Wir haben uns in Bewegung gesetzt“, sagt FSC-Trainer und Teammitglied Rothert jetzt und meint damit nicht nur die Auftritte auf dem Laufband des „Cybex“-Uni-Fitness. „Ein Baustein soll eine gesteigerte Fitness sein“, erzählt Rothert. „Und das gilt nicht nur mich als 46-Jährigen. So ein Bundesliga-Segeltag in der J/70 kann ganz schön an die körperliche Substanz gehen. Dafür müssen wir fit sein.“ Und deshalb soll es öfter ein gemeinsames Training im Fitness-Studio geben. Trainingspläne von Rothert, Trainings-Übungen von Jan Hauke Erichsen – „Fit for Aufstiegs-Fight“ also.

Weitere Veränderungen betreffen das Training auf dem Wasser und die Crewgestaltung. „Wir müssen mehr trainieren, um zu den besten Bundesliga-Vereinen Deutschlands zu gehören. Unterschiede zu den Topteams gibt es definitiv in der Saisonvorbereitung und den Zusammensetzungen der Crews“, lautete das Fazit von Jan Hauke Erichsen im Newsletter des FSC-Leistungssegelns. „Das müssen wir umsetzen. Wir wollen wieder in die 1. Bundesliga aufsteigen“, sagt Erichsen im Gespräch zwischen einem Nacra-Testsegeln und kurz vor dem Weg in Fitness-Studio.

Crewtechnisch wird der nördlichste Verein der 1. und 2. Bundesliga auf das angestammte Personal zurückgreifen. Beim Teamtreffen waren 20 Segler an Bord, zwölf haben sich für das Bundesliga-Team angemeldet. „Ich war positiv überrascht“, meinte FSC-Regatta-Obmann Claus-Otto Hansen, der weiterhin über die Finanzen des Bundesliga-Auftritts wacht und bei der Zielsetzung für die Saison 2017 auf gleichem Kurs ist: „Wir wollen wieder aufsteigen.“

Die neue Crew-Planung: Die fünf Zweitliga-Events sollen mit zwei festen Teams bestritten werden. Als Steuerleute werden Michael Ilgenstein, Jan Hauke Erichsen und Kai Bertallot zur Verfügung stehen. „Die Klippe, dass ein Team nur ein Event segelt, wollten wir umschiffen“, sagt Rothert. Und nur ein einziges Team für die gesamte Saison aufzustellen, sei nicht die Bundesliga-Idee und auch nicht die des FSC. „Dann würde es auf einen Mannschafts- und nicht auf einen Vereinswettbewerb hinauslaufen. Unser Konzept setzt auf Nachhaltigkeit und der Einbindung junger Segler“, erklärt der FSC-Coach. Welche Crew an zwei, oder an drei Spieltagen an den Start gehen wird, soll sich im Laufe der Saison entscheiden und hängt auch von der beruflichen Situation der Crew-Mitglieder ab. Erichsen, der ab kommenden Jahr auch das Management des Bundesliga-Teams übernimmt, wird erstmals als Steuermann in der Liga an den Start gehen. Dass der nur knapp an der Olympiateilnahme in Rio gescheiterte Segler auch große J/70-Affinität besitzt, hat der 26-Jährige als Dritter der German Open in der boomenden Einheitsklasse bewiesen. „Wenn sich allerdings im Laufe der Saison eine bessere Konstellation ergibt, bin ich bereit, zurückzustehen“, schiebt Erichsen nach.

In der Serie 2017 stehen aus beruflichen Gründen Steuermann Sven Koch und Taktiker Morten Massmann nicht für Liga-Einsätze zur Verfügung. „Beide sind in ihren Jobs ziemlich eingebunden und können den zeitlichen Aufwand nicht aufbringen“, berichtet Rothert. „Aber beide werden uns an anderer Stelle zur Verfügung stehen. Vielleicht beim Training oder als Begleitung im Speedboot. Die Außensicht auf ein Rennen ist immer wichtig. Wir haben uns über die Unterstützung gefreut.“

Was das Segel-Training selbst betrifft, will der FSC mit seinem Bundesliga-Team neue Wege gehen – und zwar in den Süden. Im Februar ist mit mehreren Vereinen ein Intensiv-Training in südlichen Gefilden vorgesehen. Gardasee oder Barcelona sind im Gespräch. Die bewährte Zusammenarbeit mit dem „Haus- und Hof-Partner“ NRV (Norddeutscher Regattaverein) wird fortgesetzt. Erstliga-Aufsteiger Hamburger Segel-Club (HSC) hat bereits den Kontakt gesucht und auch einige Südvereine sind als Sparringspartner im Gespräch. „Die Bundesliga hat eine rasante Entwicklung genommen. Einige Teams segeln ihre Winterserie vor Monaco. Wir müssen etwas tun, um mitzuhalten“, unterstreicht Erichsen, der beim FSC für zwei Jahre eine halbe Stelle als Trainer Leistungssegeln bekommen hat.

Ob nun Gardasee oder Barcelona, das hängt auch von den Vorstellungen der anderen vier bis sechs teilnehmenden Vereine ab. Für Rothert ist der Gardasee „logistisch ungünstig“, für „Sunnyboy“ Erichsen ist der Lago in der Provinz Trentino im Februar zu kalt und neblig – die Prioritäten sind also gesetzt.

Bei der Finanzierung hofft der FSC weiter auf die großzügige Unterstützung von Eberhard Wienholt, der selbst und seine Stiftung bereits am Erwerb der insgesamt vier J/70-Boote für den NRV und den FSC beteiligt war. Wienholt macht sich viele Gedanken um den NRV und den FSC und die Einheitsklasse J/70. Kurz nach dem Abstieg auf der Alster bekam der FSC-Regatta-Obmann einen Anruf von Wienholt und die Zusage für einen neuen Satz Segel. „Auf meine Frage, womit wir das verdient hätten, antwortete er – als Trost“, erzählt Hansen aus dem Gespräch. Wienholt feierte unlängst seinen 89. Geburtstag und wird sich freuen, dass sich das Bundesliga-Team des FSC in Bewegung gesetzt hat, um dann richtig loszulaufen – nicht nur auf dem Laufband.


FSC-Segler im Bundesliga-Einsatz 2016: Kai Bertallot; Thore Kiesbye; Tobias Konow; Cedric Menzel; Michael Ilgenstein, Jörg Rothert, Oliver Huber; Bernhard Outzen; Sven Koch; Jan-Hauke Erichsen; Alexander Erichsen; Hans-Henning Höft; Morten Massmann; Henrik Höft.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 11:05 Uhr

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