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Lokalsport

09. Dezember 2016 | 04:54 Uhr

Der Dichter am Ball : Zum ersten Mal als Pflichtverteidiger

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Dass ich das noch mal erleben… musste! Da spiele ich 25 Jahre Herrenfußball und muss mit 43 Jahren doch noch einmal wegen angeblichen Personalmangels als rechtslastiger Pflichtverteidiger ran. Von so etwas träumt man nicht. Nicht einmal, wenn man abends vorher schwer gegessen hat.

Diese Positionsentscheidung wurde mir nicht etwa ein paar Tage vor dem Spitzenspiel gegen den TuS Hemdingen-Bilsen mithilfe eines Psychologenteams schonend beigebracht, damit ich die schwere Last langsamst verarbeiten hätte können; nein, mir wurde 20 Minuten vor Anpfiff das Trikot mit der Nummer 2 zugeworfen. Die letzten Worte vom Coach, die ich wahrnahm, waren: „Du kannst das!“

Mein fußballerisches Leben zog noch einmal an mir vorbei, in Schwarz-Weiß. Mein erstes Spiel gegen kompromisslose Landsknechte (ihre Primärwaffe war die Pike) von Horst IV, die nickligen Kleinkriege gegen Itzehoer SV III, die epischen Schlachten gegen den VfB Glückstadt. Prügel in Heiligenstedtenerkamp, Knochenbruch in Lohbarbek und Scharmützel in Mehlbek.

Mit der ungewohnten Position als Deckhengst war es ja nicht getan. Ich durfte mich um den gegnerischen Topstürmer rundum und ausschließlich kümmern. Das war wie der Sprung ins kalte Wasser und dabei ist man doch passionierter Nichtschwimmer. Und noch zehn Minuten bis Buffalo. Ich entschied mich, die Position nach dem Vorbild eines Jürgen Kohler (nur ohne Pornobalken auf der Oberlippe) zu interpretieren – hart am Mann, aber fair in der Sache.
Die 70 Minuten Volldampf (beim Ü  40-Fußball schenkt man sich die letzten 20 Minuten ja bekanntlich) bei Minustemperaturen sahen dann so aus, dass ich die Rückennummer meines Gegenspielers auswendig lernte. Unter uns gesagt, war ich damit schon recht früh fertig.

War ich es über die Jahrzehnte gewohnt, dass irgendein vierschrötiger Grobmotoriker mit Hang zur körperlichen Gewalt mir die ganze Zeit hinterherknüppelt, war es nun an mir dem mittelalten Herrn mit der 9 auf dem engen Leibchen auf den Fersen zu bleiben. Was für ein Scheißjob! Ich blieb näher an ihm dran als eine Tapete an der Wand, aber drei-, viermal, als ich an etwas Schönes, zumindest aber an etwas Anderes dachte, da konnte er mir dann doch mal entwischen. Zum Glück ohne ergebnisverändernde Folgen.
Und auch das längste Spiel ist irgendwann mal zu Ende und keiner war über den Schlusspfiff an diesem Abend glücklicher als ich. Von mir aus darf es gerne wieder 25 Jahre dauern, bis ich das nächste Mal als Verteidiger spiele. Oder Torwart? Bloß nicht!

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