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Lokalsport

04. Dezember 2016 | 21:30 Uhr

„Sehe mich als Fußballromantiker“ : Nürnberg-Profi Hanno Behrens aus Elmshorn im Interview

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Elmshorner Hanno Behrens (26) kämpft mit dem 1. FC Nürnberg heute um den Aufstieg in die 1. Bundesliga.

Elmshorn/Nürnberg | Er ist der Dauerbrenner beim „Club“: Hanno Behrens kam in 33 von 34 Saisonspielen des Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg zum Einsatz. Nachdem der bei Rasensport/FC Elmshorn groß gewordene 26-Jährige in der vergangenen Spielzeit mit Darmstadt den Aufstieg in die Beletage geschafft hat, klopft der Elmshorner nun mit den Franken ans Tor zum Oberhaus. Im ersten Relegationsspiel hatte sich der Club mit 1:1 bei Eintracht Frankfurt eine gute Ausgangsposition gesichert. Vor dem Relegationsrückspiel (heute, 20.30 Uhr/live ARD) sprach Bengt-Jendrik Lüdke mit dem Mittelfeldakteur über die Relegation, Traditionsclubs und Fußballerträume.

Hanno Behrens, mit Darmstadt sind Sie von der 3. in die 1. Liga durchmarschiert, danach ins Unterhaus zum 1. FC Nürnberg gewechselt. Nur zum Verständnis: Was ist für einen Profi reizvoller als die 1. Bundesliga?
Eigentlich nichts. Aber es hängt eben auch immer etwas mehr daran, das kann man nicht so einfach erklären.

Versuchen Sie es!
Ich wollte gern in Darmstadt bleiben, aber wir haben nicht zueinander gefunden. Da muss man sich selbst treu bleiben: Ich war absoluter Leistungsträger und wollte entsprechend entlohnt werden. Ich hatte mehrere Angebote und bei Nürnberg ein richtig gutes Gefühl. Wenn man die beiden Vereine vergleicht, dann wird Nürnberg auf lange Sicht eher in der Bundesliga spielen.

Was gab den Ausschlag für den „Club“?
Nürnberg war für mich immer ein Erstligaverein. Wenn man das Stadion sieht, die Bedeutung des Fußballs in der Stadt – das ist ein anderes Ausmaß als in Darmstadt. Nürnberg war neun Mal Meister, hat eine riesige Tradition. Es hat mich gereizt, bei so einem Verein eine tragende Rolle zu übernehmen und ihn dahin zu führen, wo er früher war.

Wären Sie dann am Ziel?
Natürlich, den Aufstieg habe ich ja schon geschafft, aber ein Bundesliga-Spiel wäre die Erfüllung eines Traums.

Und wenn es nicht klappt?
Darüber nachzudenken, passt nicht zu mir. Aber ich fühle mich in Nürnberg richtig wohl und will auf jeden Fall hierbleiben.

Aufgestiegen sind Sie mit Darmstadt ja schon zwei Mal, jetzt sind Sie mit Nürnberg nah dran. Was macht Sie zum Aufstiegsexperten?
Gute Frage, keine Ahnung (lacht). Man muss Glück haben. In Darmstadt war ich zur richtigen Zeit im richtigen Verein. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, aber es ist ein Teamsport, da hängt der Erfolg an 20 Mann. Jetzt in Nürnberg wusste ich, dass der Verein um den Aufstieg mitspielen würde. Früher oder später wird das auch klappen. Man braucht Qualität, aber auch Teamgeist, dann spielt man sich in einen Rausch.

Was macht aus Fußballersicht den Reiz der Relegation aus?
Das ist schon ein Thema für sich, ich habe das mit Darmstadt ja vor zwei Jahren erlebt. Es sind besondere Partien, die gehen aber auch ans Herz – da stirbt man fünf Jahre früher, wenn man das mitgemacht hat (lacht).

HSV, Darmstadt, Nürnberg – Sie haben bislang nur für Traditionsvereine gespielt. Wie wichtig sind Ihnen Historie, Umfeld und Fans?
Das spielt eine große Rolle. Ich würde mich in gewissem Rahmen als Fußballromantiker sehen. Ich spiele gern vor vielen Zuschauern, das ist bei Traditionsvereinen etwas anderes als bei Clubs, von denen mir gerade entfallen ist, wie man sie nennt (lacht).

Wobei es wegen des emotionalen Umfelds auch unangenehm werden kann bei Traditionsclubs. Dortmunds Mats Hummels wurde geschmäht, als bekannt wurde, dass er zum FC Bayern wechseln will...
Das stimmt nachdenklich. Natürlich kann ich den Unmut der Fans verstehen. Aber wenn man sieht, was Hummels beim BVB geleistet hat, finde ich es unangebracht, ihn so zu verabschieden. Er kommt aus München, und Bayern ist einer der größten Clubs der Welt, da kann ich seine Entscheidung nachvollziehen. Ich bin bei unserem Gastspiel in Darmstadt in der Winterpause freundlich empfangen worden. Sicherlich auch, weil ich mit dem Verein offene Gespräche geführt habe. Ich habe damals ja trotzdem alles gegeben, das haben die Fans gesehen, und sie respektieren das.

Sie kommen aus dem Norden, dort gibt es auch einen großen Traditionsverein. Können Sie sich vorstellen irgendwann wieder in der Nähe Ihrer Heimat zu spielen?
Ja, klar. Ich denke, dass ich nach der Karriere wieder in die Heimat ziehen werde. Ich kann mir aber auch vorstellen, vorher wieder in Hamburg zu spielen. Früher war mein Traum, Profi beim HSV zu werden. Momentan will ich aus Nürnberg aber gar nicht weg.

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erstellt am 23.Mai.2016 | 16:00 Uhr

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