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Lokalsport

08. Dezember 2016 | 17:13 Uhr

Gewichtheben : Kraftvoll in jeder Hinsicht

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ladush Mayilyan aus Wedel gehört zu den besten Athleten in seiner Altersklasse.

Wie der Fußball in Deutschland, so das Gewichtheben in Armenien: äußerst populär und mit langer Tradition verbunden. Zahlreiche Kinder und Jugendliche zieht es im osteuropäischen Land eben nicht nur auf den Bolzplatz von nebenan, sondern insbesondere in den Kraftraum. Das war in der Familie Mayilyan zunächst nicht anders. Als der heute 16-jährige Ladush Mayilyan seinen jüngeren Bruder Taron (heute 13) 2009 mal zu dessen Krafttraining begleitete, schien es, als würde sich auch das Brüder-Duo dem Gewichtheben verschreiben.

Sieben Jahre später ist jedoch nur noch einer der beiden regelmäßig im Kraftraum anzutreffen. Während Taron mittlerweile Fußball spielt, hat sich Ladush zu einem der erfolgreichsten Gewichtheber in seiner Altersklasse entwickelt. Bis zu 123 Kilogramm stemmt der 16-Jährige beim sogenannten Reißen, neben dem Stoßen eine der beiden Disziplinen. Bei Letzterem liegt sein persönlicher Rekord gar bei 165 Kilogramm. Ein Blick auf die Wohnzimmerkomode in der Wohnung der Familie in Wedel lässt bereits erahnen, dass Ladush damit in seiner Altersklasse meist seinesgleichen sucht. Rund 15 Medaillen und Pokale liegen dort – fein säuberlich aufgereiht – zur Schau. Gewonnen in Dänemark sowie in Deutschland.

Jüngster Neuzugang: Ein goldenes Andenken an den Sieg bei den Norddeutschen Jugendmeisterschaften in der Gewichtsklasse (bis 85 Kg) Anfang Juli in Forst. Hinzu kommen etwa weitere zehn Medaillen nach Erfolgen in seiner armenischen Heimat.

Eine Heimat, die er 2013 mit seinen Eltern und zwei jüngeren Geschwistern aufgrund politischer Unruhen und wirtschaftlicher Krisen in Folge kriegerischer Auseinandersetzungen im Kaukasus-Gebiet verlassen musste. So führte der Weg der Familie zunächst ins dänische Svendborg nahe Odense, ehe es im Frühjahr dieses Jahres über die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Neumünster weiter nach Wedel ging. Der, so der Wunsch der Familie, Endstation.

Trotz dieser gravierenden Einschnitte verlor Ladush seine Leidenschaft für das Gewichtheben jedoch nie aus den Augen, trainierte beim Atletikklub Svendborg eisern weiter und hat mit dem Hamburger Club Scoop auch hier einen neuen Verein gefunden, bei dem er nach der Berufsschule bis zu fünfmal pro Woche trainiert. „Der Kampf Mensch gegen Gewicht reizt mich einfach“, erklärt der 16-Jährige so einfach wie bestimmt seine Affinität zu diesem Sport. Sein langfristiges Ziel seien die Olympischen Spiele 2020. Wer den selbstbewussten und zugleich bescheiden auftretenden jungen Mann kennenlernt, bekommt den Eindruck vermittelt, dass dieses Ziel keinesfalls zu hoch gesteckt ist. Bei allem sportlichen Ehrgeiz sei Mayilyan kurzfristig jedoch eines besonders wichtig: schnell die deutsche Sprache zu lernen, und mit seiner Familie in Wedel eine neue Heimat gefunden zu haben.

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