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Lokalsport

28. März 2017 | 00:33 Uhr

Fechten : Karotten für Landesmeister

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Trainerin Nataliya Kentesh bereitet EMTV-Fechter auf ihr Heimturnier an diesem Wochenende vor.

Etwa 80 Kilometer Anfahrt nimmt Nataliya Kentesh zweimal die Woche auf sich, um zu ihrer Arbeit nach Elmshorn zu fahren. Während die Diplom-Fechtmeisterin dienstags mit ihrem Mann Serhiy mit dem Auto fährt, kommt sie donnerstags mit der Bahn von Winsen an der Luhe in die Krückaustadt. In der Sporthalle der Elsa-Brändström-Schule leitet sie gemeinsam mit ihrem Mann das Training der EMTV-Fechtabteilung: Erst betreut sie 20 bis 25 Kinder, danach trainiert sie die Jugendlichen und Erwachsenen.

„Wir brauchen keine Werbung zu machen und haben immer eine volle Halle beim Kindertraining“, berichtet die Ukrainerin. „Die Kinder, die hier bei uns das Fechten lernen, bringen von selbst immer wieder Freunde und Geschwister mit. Jüngst sind auch drei Kinder und zwei Erwachsene dazugekommen, die zuvor Mitglieder des 1. Elmshorner Fechtvereins (FVE) waren.“

Kentesh war früher selbst aktive Fechterin, nach eigener Einschätzung auf mittlerem ukrainischen Niveau. Sie musste auf politischen Druck mit Anfang 20 den Leistungssport beenden, da sie kein Mitglied der sowjetischen Nationalmannschaft war und somit keine Turniere mehr bestreiten durfte. Stattdessen besuchte sie die Sporthochschule in Lwiw (früher Lemberg) und legte ihr Diplom mit Auszeichnung ab. „Neben den drei Waffengattungen Degen, Säbel und Florett, die wir bei anerkannten Fechtmeistern trainierten, waren Sportmedizin und Massage, Krankengymnastik und Schulsport Unterrichtsinhalte“, erinnert sich Kentesh an ihre Ausbildung.

Am vergangenen Wochenende waren die Landesmeisterschaften der Schüler bis A-Jugend. Während des Turniers musste Kentesh wahre Spagate vollbringen, da sie die Sportler bei Turnieren betreut. „Wenn es größere Wettkämpfe sind, wo wir nur wenige Teilnehmer haben, kann ich mich mehr um den Einzelnen kümmern und mit ihm die Taktik im Gefecht absprechen oder Hinweise geben, was er besser machen kann. In Itzehoe hatten wir aber elf Fechter am Start und so musste ich immer wieder von Planche zu Planche eilen.“ Dabei kamen fünf Titel für ihre Schützlinge heraus.

Das belohnte Kentesh beim nächsten Trainingstag auf ihre eigene, persönliche Weise: Während die jungen Fechter auf der Bank saßen und die nächsten Aufgaben warteten, rief die Ukrainerin jeden Landesmeister einzeln zu sich und ehrte ihn mit einer frisch geschälten Mohrrübe. Dafür hatte sie einen großen Bund Karotten zuhause vorbereitet, so dass letztlich jedes Kind den gesunden Snack erhielt. Sie ist stolz auf ihre Schützlinge – und das sollen sie auch wissen. Danach geht es zurück ans Fechten, denn beim 2. cpd-Cup an diesem Wochenende haben einige von ihnen noch die Chance sich für die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren.

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