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Lokalsport

05. Dezember 2016 | 21:50 Uhr

American Football : „Fußball wurde mir zu langweilig“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

interview Pirates-Linebacker Torben Stockfleth über seinen Wandel vom Fußballer zum American Footballer

Als so genannter Middle Linebacker organisiert Torben Stockfleth (27) die Verteidigung der Elmshorn Fighting Pirates. American Football sei das wahre Rasenschach, behauptet der angehende Groß- und Außenhandelskaufmann und frühere Junioren-Nationalspieler vor dem wohl letzten Regionalliga-Heimspiel der Saison heute gegen die Osnabrück Tigers im Elmshorner Krückaustadion (15 Uhr) im Interview mit unserer Zeitung.

Warum begeistern Sie sich für die amerikanische Ausgabe des Rasensports, obwohl der US-Import nicht gerade das ist, was wir in Deutschland unter echtem Fußball verstehen?

Torben Stockfleth: Fußball habe ich früher mal gespielt, als Schüler mit zehn, zwölf Jahren. Anfangs hat das Spaß gemacht, aber irgendwann merkte ich, das ist nicht wirklich mein Ding. Fußball wurde mir schlicht zu langweilig. Irgendwann besuchte ich das Training bei den Elmshorn Fighting Pirates und war sofort begeistert. Seitdem habe ich mich mit Leib und Seele diesem Sport verschrieben, weil dich American Football nicht bloß physisch fordert, sondern du gleichzeitig mit dem Kopf voll dabei sein musst.

Grips ist auch gefragt?! Für Außenstehende sieht das wie eine wüste Hauerei aus.
Ganz klar, wer als Laie ein Spiel besucht, bei dem entsteht der Eindruck, das sind lauter Verrückte, die sich die Köppe einhauen. Tatsächlich aber entwickelt sich ein Match aus einer Abfolge bestimmter Spielzüge, die Raum gewinnen sollen.

Sie kämpfen sich demnach methodisch und Schritt für Schritt vorwärts. Beschreiben Sie bitte den Nichteingeweihten einen typischen Spielzug.
Nehmen wir den „Dive“, das kommt vom englischen Verb „to dive“, kann auf deutsch „tauchen“ heißen, aber auch „hechten“. Und dieses „Hechten“ ist einer der klassischen Laufspielzüge: Der Quarterback – der Mann, der Angriffe steuert – übergibt den Ball an seinen Runningback. Und der Runningback versucht, die offensiven Ideen praktisch umzusetzen indem er Lücken ausnutzt, die ein paar andere kräftige Jungs in der gegnerischen Abwehr geöffnet haben.

Ahnungslose, die American Football als primitiv abtun, begreifen offenbar gar nicht, wie komplex das Spiel tatsächlich ist?

Wer behauptet, da steckt nichts hinter, der hat sich wohl kaum mit dem Thema beschäftigt. Neben intensivem körperlichen Training – bis zu dreimal in der Woche, hinzu kommen Übungen im Kraftraum und regelmäßiges Joggen – müssen wir obendrein das Playbook drauf haben.

Sie haben ein Lehrbuch zum Nachschlagen?
Im Playbook werden alle möglichen Spielzüge beschrieben.

Klingt verrückt, erinnert fast an Schach. Im bekannten Denksport bist du verloren, falls du vorher nicht die Schachtheorie gepaukt hast  .  .  .
.  .  . und im American Football sind Passrouten das zentrale Thema. Schließlich toben die Leute nicht blindlings über das Feld, sondern laufen definierte Punkte in einem virtuellen Koordinatensystem an.

Ist womöglich American Football das wahre Rasenschach?
Stimmt absolut. Ständig wird eine Partie unterbrochen, und du denkst konzentriert nach: Wo sind die Schwachstellen der Konkurrenz, oder „Hallo, die starten einen Angriff, was können die am besten?!“.

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erstellt am 27.Aug.2016 | 16:00 Uhr

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