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Lokalsport

08. Dezember 2016 | 13:01 Uhr

Fussball : Emotionen gehören zum Spiel dazu

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Kevin Rosin von der SV Lieth gibt einen Einblick in das Schiedsrichterwesen

Er gehört zu den Aufsteigern des Sommers, so wie sein Weg schon in den vergangenen Jahren nur eine Richtung kannte: nach oben. Kevin Rosin, mit 25 Jahren so langsam im besten Fußballalter, wirkt künftig in der Regionalliga – aber nicht als Torjäger oder Verteidiger, sondern als Schiedsrichter für die SV Lieth.

Die Vorbereitungsphase läuft für ihn seit Mitte Juli genau so wie bei den meisten Kickern. Die Kondition muss stimmen. Daher kennt Rosin die berühmt-berüchtigten Treppen im Liether Wald auch aus eigener Erfahrung nur zu gut. „Wenn man da zwei- oder dreimal hoch ist, bekommt man schwere Beine“, sagt er und schmunzelt leicht. Aber es hilft, und die Luft muss eben auch beim Unparteiischen am Ende für mindestens 90 Minuten reichen. „Man soll ja auch geistig frisch bleiben und nicht mental abbauen“, sagt Rosin. Freundschaftsspiele gehörten wie beim spielenden Personal ebenso dazu, um nach den spielfreien Wochenenden wieder in die Praxis hinein zu finden.

Der Geist war während der Sommerpause ohnehin gefordert. Die Zahl der Änderungen im Regelwerk war so groß wie schon lange nicht mehr, aber das muss sitzen. Lehrgänge beim Hamburger und beim Norddeutschen Fußballverband waren in den vergangenen Wochen unter anderem darauf abgestimmt.
Woche für Woche beobachtet Rosin auch kritische Szenen aus der Bundesliga im Video, um Anregungen zu erhalten. „Handspiel ist zum Beispiel seit Jahren in der Diskussion. Es ist schwer, alle Komponenten in Sekundenbruchteilen unter einen Hut zu bekommen“, sagt er. Absicht oder nicht? Natürliche oder unnatürliche Bewegung des Arms? Angeschossen oder aktives Handeln des Spielers? Über all das lässt sich oft trefflich streiten. Allzu oft ist der Schiedsrichter am Ende der Buhmann.

„Dessen muss man sich bewusst sein“, so Rosin. Emotionen gehören für ihn zum Fußball, auch mal eine Diskussion. „Ich bin nie jemandem böse, wenn ich im Spiel mal angemacht werde. Das, was auf dem Feld passiert, darf man nie persönlich nehmen“, betont der Referee, der vor acht Jahren, damals noch in Krögers Gasthof von Tornesch, seine Schiedsrichterprüfung abgelegt hat. Wichtig sei, sich nach Schlusspfiff wieder gerade in die Augen blicken zu können.

Fehlerfrei ist bekanntlich niemand – weder Spieler, noch Schiedsrichter. Kritik nehme er sich daher schon zu Herzen. „Ich habe immer gut reflektieren können. Aus meinen schlechtesten Spielen habe ich letztlich das meiste gewonnen“, sagt Rosin. Viel geholfen haben ihm dabei die Gespräche mit André Neumann. Der Elmshorner, Mitglied im Vorstand des Bezirksschiedsrichterausschusses (BSA) Pinneberg, ist seit Jahren sein Coach. Neumann hatte Rosin bereits früh unter seine Fittiche genommen und gefördert. Über die ersten Jugendspiele ging es schnell in den Erwachsenenbereich bis hin in die Verbandsliga. „Es ging kontinuierlich bergauf und hat immer Spaß gemacht“, sagt Rosin.

Spaß will er nun auch in der vierthöchsten deutschen Spielklasse haben. Einem Verein wird er dort aber nicht über den Weg laufen: dem FC St. Pauli. Bei der U23 des Kiez-Klubs spielt sein jüngerer Bruder Dennis. Daher ist St. Pauli als so genannter Sperrverein markiert, um von vornherein jeder Diskussion aus dem Wege zu gehen.
Einen Vorgeschmack auf die Regionalliga hat Rosin bereits in den vergangenen drei Jahren als Schiedsrichterassistent genossen. „Da bekommt man einen Eindruck, wie schnell das Spiel ist und wie die Spieler ticken“, sagt er. „Ansonsten ist es auch nur ein Fußballspiel.“

Angst vor einer großen Kulisse habe er so oder so nicht. Beim Oddsetpokal-Halbfinale zwischen Altona 93 und dem TSV Buchholz säumten im Mai rund 2500 Fans die Ränge der Adolf-Jäger-Kampfbahn an der Hamburger Griegstraße. Mitbekommen hat er davon wenig. „In der Spielleitung bin ich so im Fokus, dass mich nicht interessiert, was draußen passiert“, so Rosin – ganz im Stile eines Aufsteigers.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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