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Lokalsport

03. Dezember 2016 | 20:53 Uhr

Leichtathletik : Ein Leben für den Leistungssport

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ingrid Holzknecht betreibt seit 60 Jahren Leichtathletik bei Landes-, Europa- und Weltmeisterschaften

Es gibt nur wenige Stadien im Norden, die die Senioren-Leichtathletin der LG Elmshorn, Ingrid Holzknecht nicht von innen gesehen, kaum eine Laufbahn, auf der sie nicht neue Rekorde aufgestellt hätte. Die Ausnahmesportlerin hat viel erreicht, den Keller voller Medaillen, Urkunden und Pokale. Ihre schwierigste Aufgabe steht ihr aber noch bevor.

Nach ihrem schweren Unfall in den österreichischen Bergen nahe des Großglockners, bei dem sie in eine Schlucht fiel und erst vier Stunden später mit etlichen Knochenbrüchen und einer Gehirnerschütterung gerettet wurde, muss sich die 76-Jährige zurück in die Normalität kämpfen. Dass sie diesen Unfall überlebt hat, verdanke sie dabei „nur ihrer einmaligen körperlichen Fitness“, sagten die Bergretter damals. Nach vielen Operationen und einigen Wochen Klinik-Aufenthalt in Salzburg und im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg-Wandsbek, ist sie seit vergangener Woche wieder zuhause in Rellingen. „Sie leidet noch sehr, hat immer noch Schmerzen beim Atmen, weil eine Rippe in die Lunge eingedrungen war. Aber sie versucht sich schon wieder heranzukämpfen“, sagt ihr Mann Hans Holzknecht, dem immer noch anzumerken ist, wie sehr ihn der Unfall seiner Frau mitgenommen hat. Erste Übungen konnte sich die 76-Jährige schon im Krankenhaus nicht verkneifen. „Ich musste ihr kleine Trainingsbälle mitbringen, mit denen sie schon die Finger der rechten Hand, die gerade mal eben aus ihrem Gips herausschauen, trainiert hat“, sagt Hans Holzknecht, mit einem Lächeln über seine disziplinierte Ehefrau.

Seit nunmehr 60 Jahren steht Ingrid Holzknecht wie kaum eine andere Sportlerin für Ehrgeiz, Trainingsfleiß und Engagement. Ihren ersten Landesmeistertitel holte die sympathische Rellingerin 1956 bei den Titelkämpfen in Hamburg. Damals war sie gerade vom Rellinger TV zum Hamburger SV gewechselt. Auf der Liste ihrer Erfolge häufen sich Titel von nationalen und europäischen Wettkämpfen sowie Weltmeisterschaften. Ab 1963 startete die damals 23-Jährige für den MTV Hörnerkirchen, ehe sie sich 1977 der Leichtathletikabteilung des Elmshorner MTV anschloss, die 1979 in die LG Elmshorn überging.

„Ihr wichtigster Erfolg war der Europameistertitel 1988 über 400 Meter in Verona in der Altersklasse W  45. Mit 62,48 Sekunden war das damals Europarekord“, erinnert sich ihr Mann, der immer an ihrer Seite ist – egal ob in Australien bei den Senioren-Weltmeisterschaften oder in Zella-Mehlis beim Wurffünfkampf. Ihr erfolgreichstes Jahr war 2015, als sie mit dem Speer, dem Diskus, beim Gewichtswurf, mit dem Hammer, und mit der 4-x-200-Meter-Staffel eine Medaille nach der anderen bei den Europameisterschaften im polnischen Torun gewann. Außerdem wurde sie zehn Mal Deutsche Meisterin und stellte in der Altersklasse W  75 vier neue deutsche Rekorde auf. Sie ist eben ein echtes Allround-Talent. „Titel hat sie in mehr als 15 Disziplinen gesammelt. Das ist einmalig in Deutschland“, so Hans Holzknecht stolz.

Gemeinsam haben die beiden schon die ganze Welt bereist. Als Trainer, Betreuer und Trainingspartner ist Hans Holzknecht stets dabei und hat maßgeblichen Anteil am Erfolg seiner Frau. Ein Grund, warum sie mit dem Medaillensammeln nicht aufhören können, ist die angenehme Stimmung, die die Rellinger immer wieder zu den Wettkämpfen zieht. „Die Werfer sind eine große Familie. Wir haben mittlerweile Freunde auf der ganzen Welt“, sagt Hans Holzknecht. So kamen Genesungswünsche von überall her. „Alle wünschen sich, dass meine Frau so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommt.“

Dass sie das schaffen wird, daran besteht kein Zweifel, denn bisher hat sich die „werfende Sprinterin“, wie sie ihr Mann liebevoll nennt, noch immer wieder herangekämpft. Ihr Trainer, Betreuer und Trainingspartner Hans Holzknecht wird sie dabei, wie immer, tatkräftig unterstützen.

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erstellt am 22.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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