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Lokalsport

06. Dezember 2016 | 11:11 Uhr

Der Dichter am Ball : Aufwärmen wie Anke

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Neulich hab ich mich mit Anke zum Essen getroffen und wir schnackten so über dies und über das, über Wichtiges, Nichtiges, über alles und nichts. Und natürlich redeten wir auch über Sport. Sie nimmt ernsthaft an richtigen Wettkämpfen teil und stand bei Meisterschaften sogar schon auf dem Treppchen, ich spiele zum reinsten Vergnügen mehr schlecht als recht so etwas wie Fußball und saß bei Spielen schon oft auf der Bank.

Wir erzählten gegenseitig von unserem Sport. Sie besitzt so etwas wie Ehrgeiz, ich nicht. Anstrengungen führen bei ihr zum Erfolg, bei mir zur Resignation und ich muss mich hinsetzen. Sie hat einen Plan, ich weiß nur, dass ein Spiel so lange dauert, bis es zu Ende ist. Irgendwann fragte Anke mich, nachdem sie anscheinend den eindimensionalen Umfang des Ü-40-Fußballs durchblickt hatte, ob wir uns eigentlich richtig aufwärmen. Ich wusste gar nicht so recht, was ich drauf antworten sollte.

Erst ein paar Tage später kamen mir die richtigen Definitionen in den Sinn. Also, wenn Aufwärmen ein mindestens 20-minütiges Laufprogramm mit Intervallen, Tempovariationen, Wechselschritten und diversen Versionen von Hopserläufen und Sprüngen ist, dann nicht. Auch nicht, wenn Aufwärmen eine anspruchsvolle Kombination aus Yoga, Schattenboxen, Jiu Jitsu und bekannten Elementen von John Travoltas Tanzszenen aus Saturday Night Fever und Staying Alive ist. Und wenn Aufwärmen eine gründliche Gymnastik aller verfügbaren Muskelgruppen von der Kopfhaut bis zu den Zehen ist, von denen bis zu 90 Prozent überhaupt nichts mit Fußball zu tun haben, dann erst recht nicht.

Aber wenn Aufwärmen Umziehen, auf den Platz schleichen und mit in langen Trikotärmeln vergrabenen Händen rumstehen ist, dann ja. Auch ja, wenn Aufwärmen in den Herbst- und Wintermonaten ein mindestens viertelstündiges Lehnen an der Heizung ist, die in der Umkleidekabine auf volle fünf Umdrehungen vor sich hingluckst. Ebenfalls ja, wenn Aufwärmen das unkontrollierte Bolzen mit brachialer Urgewalt aufs Tor und zumindest ähnliche Richtungen ist. Und natürlich ja, wenn Aufwärmen das abwechselnde Belasten des Standbeines ist, um das Einschlafen der Gliedmaßen tunlichst zu vermeiden.

Wahrscheinlich wärmt Anke sich intensiver auf, als ich jemals in meinem engagiertesten Spiel gerannt bin. Wahrscheinlich hat das für sie auch einen begründeten Sinn, aber wenn man wie ich eh nur auf der Bank sitzt, dann reicht zum Aufwärmen auch eine Wolldecke vollkommen aus.

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