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Lokalsport

04. Dezember 2016 | 07:11 Uhr

RUDERN : Reicht es für Olympia in Rio?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf dem Rotsee in Luzern geht es am Wochenende für den Friedrichstädter Ruderer Lars Hartig um das Olympia-Ticket für Rio de Janeiro. Im Doppelzweier mit Tim-Ole Naske aus Hamburg kommt es zum Entscheidungsrennen mit Marcel Hacker und Stephan Krüger.

Der auch „Göttersee“ genannte Rotsee in Luzern gilt als eine der schönsten und traditionsreichsten Regattastrecken der Ruderwelt. In den vergangenen Jahrzehnten war die Strecke unterhalb des Pilatus immer wieder Schauplatz großer, denkwürdiger Rennen bei World-Cups oder Weltmeisterschaften. Auch für Lars Hartig von der Friedrichstädter Rudergesellschaft findet beim vorolympischen World-Cup am Wochenende (27.-29. Mai) ein solches Rennen statt. Im Doppelzweier fordert er gemeinsam mit dem Hamburger Tim-Ole Naske die WM-Vierten des Vorjahres, Marcel Hacker aus Magdeburg und Stephan Krüger aus Rostock, heraus. Das schnellere der beiden deutschen Boote soll bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro die deutschen Farben im Zweier vertreten.

Nach dem starken dritten Rang und der Bronzemedaille bei den Deutschen Kleinboot-Meisterschaften war die Ernüchterung bei Lars Hartig und seinem Trainer Lars Koltermann zunächst groß. Denn Cheftrainer Marcus Schwarzrock wollte im Doppelzweier und im Doppelvierer ausschließlich den Teams vertrauen, die bei den letztjährigen Weltmeisterschaften Gold gewonnen und den vierten Rang belegt hatten. Die Ergebnisse der Kleinboot-Meisterschaften wären also überhaupt nicht berücksichtigt worden. „Damit haben wir uns nicht zufrieden gegeben“, so Hartigs Trainer Lars Koltermann. „Nach wirklich zähen Verhandlungen wurde dann vereinbart, dass Lars und Tim Ole in Luzern gegen Marcel und Stephan fahren. Unsere Argumente lagen auf der Hand: Lars war Dritter bei den Kleinboot-Meisterschaften, und Tim Ole wäre im selben Bereich gelandet, musste aber verletzungsbedingt das Finale abmelden. Es wäre in keiner Weise nachvollziehbar gewesen, wenn die beiden überhaupt keine Berücksichtigung erfahren hätten.“ Da die sportliche Führung im Deutschen Ruderverband aber fest der Meinung ist, dass ein Doppelvierer nur mit vier physisch sehr starken Ruderern besetzt werden soll und nicht mit ehemaligen Leichtgewichten, die zwar einen guten Einer fahren, aber aufgrund der geringeren Masse schlechtere physische Werte vorweisen, kam also nur der Doppelzweier für Hartig und Naske in Frage.

In Luzern kommt es nun zu einem der spannendsten Rennen in der Geschichte der Friedrichstädter Rudergesellschaft – wenn auch mit klar verteilten Rollen. Schließlich belegten Hacker und Krüger im vergangenen Jahr den vierten Platz bei der WM. „Das ist schon eine Weltklasse-Duo“, weiß Lars Koltermann, „die muss man erstmal schlagen.“ Für die Renngemeinschaft Friedrichstadt/Hamburg sprechen die Rudertechnik und die Spurtstärke, trotz der physischen Unterlegenheit ist mit Hartig und Naske in jedem Endspurt zu rechnen. Und überhaupt: „Manchmal ist die Rolle des Jägers angenehmer als die des Gejagten“, so Lars Hartig. „Im Leichtgewichtsbereich wurde ich jahrelang gejagt, das ist nicht immer angenehm. Ohne Druck lässt es sich schon etwas einfacher rudern.“

Die Spannung steigt nun von Tag zu Tag: Gelingt der norddeutschen Mannschaft, die im Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein ein echtes Prestige-Projekt ist, der große Wurf? „Wir werden alles reinwerfen“, so Lars Hartig, der mit dem erst 20 Jahre alten Tim-Ole Naske schon eine echte Einheit bildet. „Wir werden alles tun, um die Chance zu nutzen, den Doppelzweier in Rio zu fahren. Wir hoffen, dass es reicht. Wenn Marcel und Stephan besser sind, werden wir ihnen viel Glück wünschen, die beiden sind einfach nett und faire Sportler.“

Mit Spannung wird auch erwartet, wie sich der deutsche Doppelvierer schlägt, der bei den Europameisterschaften nur Vierter wurde. Diese physisch sehr starke Mannschaft, deren Mitglieder aber im Einer teilweise nur zweistellige Plätze belegten, will in Luzern ein anderes Gesicht zeigen. Wenn nicht, wird Cheftrainer Schwarzrock sicher auch hier über einen Wechsel der Philosophie nachdenken müssen.

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erstellt am 24.Mai.2016 | 06:00 Uhr

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