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Lokalsport

04. Dezember 2016 | 23:28 Uhr

Handball-Oberliga Frauen : „Es geht aufwärts: Moin Moin 3. Liga“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Großer Jubel bei den Handball-Frauen der HSG Jörl-Viöl: Mit dem 28:25 (14:11) über den TSV Ellerbek machte das Team von Trainer Thomas Blasczyk die Meisterschaft in der Oberliga und den Aufstieg in die 3. Liga Nord perfekt.

„Das war das 28:25 durch  .  .  .“ Dann versagte Carsten Martensen die Stimme. Der Abteilungsleiter der HSG Jörl-Viöl, der auch als Hallensprecher fungiert, hatte einen Kloß im Hals, wurde von Emotionen überwältigt. Mit dem schwer erkämpften 28:25 (14:11) über den TSV Ellerbek hatte die 2012 gegründete Handball-Spielgemeinschaft bereits den ersten Matchball zur Meisterschaft in der Frauen-Oberliga verwandelt und damit den zum Saisonbeginn als Ziel ausgegebenen Aufstieg in die 3. Liga wahr werden lassen.

Schon eine Minute vor dem Schlusspfiff beim 27:25 hatten sich die rund 250 Zuschauer von ihren Plätzen, so sie denn einen Sitzplatz ergattert hatten, erhoben und dem neuen Titelträger stehend Beifall geklatscht. Auf der Auswechselbank standen die Ersatzspielerinnen und klatschten mit. Nach dem erlösenden 28:25 und dem Schlusspfiff zehn Sekunden später gab es kein Halten mehr. Die Spielerinnen fielen sich in die Arme, schrien ihre Anspannung heraus, tanzten im Kreis und zogen einige Minuten später die vorbereiteten Meister-Shirts über. „Es geht aufwärts: Moin Moin 3. Liga“, stand in großen Lettern auf der Rückseite. Dazwischen ein Pfeil mit den Namen der Meister-Spielerinnen.

Nur einer blieb auf der Bank sitzen und genoss still den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte: Trainer Thomas Blasczyk. „Mission complete“, sagte der 53-Jährige , der am 1. November des vergangenen Jahres bei der HSG angetreten war, um Titel und Aufstieg zu sichern. Das ist ihm und seiner Mannschaft in beeindruckender Manier gelungen. Vier Minuspunkte in der Hinserie, bislang nur zwei in der Rückrunde. Die HSG Jörl-Viöl hat sich die Meisterschaft redlich verdient. „Das ist aber nicht nur mein Erfolg“, schränkte Blasczyk ein. „Das ganze Trainer-Team, HSG-Leiter Carsten Martensen und das gesamte Umfeld haben dazu beigetragen. Ich freue mich für Jörl und Viöl. Hier kann abseits von Flensburg etwas heranwachsen.“

Vor der spontanen Meisterfeier mit Sekt und Freibier für die treuen Fans hatte die HSG jedoch Nerven aufreibende 60 Minuten zu überstehen. Der Tabellensiebte aus Ellerbek war nämlich nicht in die Erich-Wobser-Halle gekommen, um auf dem Weg zum Titel nur Spalier zu stehen. Die Gäste lieferten der HSG einen beherzten Fight und gaben sich zu keinem Zeitpunkt geschlagen.

„Das war heute nicht unser bestes Spiel“, musste Blasczyk einräumen. Und er wusste auch den Grund dafür: „Meine Spielerinnen waren vor dem ganz großen Wurf gehemmt. Uns hat diesmal die Lockerheit gefehlt.“

Dabei hatte das Spiel für die HSG so gut begonnen. Nach sechs Minuten führte der Oberliga-Primus 5:1, alles schien auf einen entspannten Nachmittag hinzudeuten. Doch es sollte anders kommen. Die Anfangseuphorie war schnell verpufft, weil sich die Fehler im Angriff zunehmend häuften. Das Tempospiel funktionierte, aber im Spiel Sechs gegen Sechs tat sich der Gastgeber gegen die aggressive Ellerbeker Abwehr schwer. „Uns hat heute die Durchschlagskraft aus dem Rückraum gefehlt“, analysierte der HSG-Coach treffend. Und in der Defensive hatten die Gastgeberinnen große Probleme mit Julia Steinberg und Melina Dahms.

Ohne Not holte Jörl-Viöl die Gäste ins Spiel zurück, lag beim 6:8 (16.) und 7:9 (18) sogar zwei Mal mit zwei Toren in Rückstand, bevor Lena Schulz das Spiel an sich riss und die Gastgeberinnen zur einem 14:11-Pausenvorsprung führte.

Auch nach dem Wechsel lieferte Ellerbek ein Spiel auf Augenhöhe, ließ sich einfach nicht abschütteln. Beim 23:22 (46.) für die HSG besaß Julia Steinberg sogar die Chance zum Ausgleich, hämmerte einen Strafwurf jedoch ans Lattenkreuz. Jörl-Viöl zog wieder auf 25:22 (54.) und 27:24 (59) davon, durfte sich aber immer noch nicht sicher fühlen. Erst als die Ellerbekerinnen zwei Angriffe in Folge vertändelten und Jana Behrendsen zum erlösenden 28:25 traf, waren Titel und Aufstieg perfekt.

Doch im Meistertaumel gab es auch zwei betrübliche Nachrichten. Ose Kahlund, die in zehn Oberliga-Jahren über 1000 Tore für den TSV Jörl und die HSG erzielte und in der aktuellen Saison wieder die interne Torschützenliste mit 127 Treffern anführt, bestritt gegen Ellerbek ihr vorerst letztes Spiel im HSG-Trikot. Die 28-Jährige will eine Handballpause einlegen und wurde zum Abschied von Carsten Martensen zur „HSGerin des Jahres“ gekürt und mit einem Wanderpokal geehrt. Ob Thomas Blasczyk auch in der 3. Liga auf der Bank sitzen wird, ist momentan auch nicht sicher. Der 53-Jährige, der bis zum Saisonende bei der HSG zugesagt hatte, ließ seine Zukunft offen: „Ich brauche jetzt ein bisschen Zeit, um mir Gedanken über die Zukunft zu machen. Erst danach werde ich mit der HSG sprechen.“

HSG Jörl-Viöl: Paulsen (7 Paraden), Jackstadt (ab 39. Minute/3 Paraden) – Riebow (4/3), Kahlund (4), Thomsen, K. Hansen (1), Knettler (1), Scholz (2), Schulz (5), M. Hansen, Behrendsen (3), Köster, Maier (8), Schibrath.

TSV Ellerbek: L. Skubich (18 Paraden) – Steinberg (8/2), Smeddink, Wrage (3), Falk, Seemann, Sicks (1), Brandt, Holst (6), Senf, Dahms (4), Fock, Ostermann (1), A. Skubich (2).

Schiedsrichter: Buldmann/Schulz (HSG Weddingstedt).

Zeitstrafen: 2:4. – Rote Karte: Steinberg (54.) grobes Foul.

Siebenmeter: 4:6. – Zuschauer: 250.

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erstellt am 18.Apr.2016 | 06:00 Uhr

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