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Lokalsport

11. Dezember 2016 | 09:13 Uhr

Fußballer im Ruhestand : „Zanfos“ neue Heimat heißt Samal

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

70-jähriger Ex-ISVer Vinicio Zanforlini lebt jetzt auf den Philippinen

Vom FC St. Pauli zum Itzehoer SV. Vinicio Zanforlini, den alle nur Zanfo nennen kam 1970 nach Itzehoe und absolvierte in zehn Jahren mehr als 300 Ligaspiele für den ISV. Zanforlini war seiner Zeit einer der bekanntesten Fußballer im Kreis. Inzwischen ist er ausgewandert und lebt mit neuer Familie auf den Philippinen. Im fernen Osten fühlt sich „Zanfo“ äußerst wohl, auch wenn dort etwas fehlt – der Fußball. Auch deshalb erinnert er sich gern an seine aktive Zeit in Deutschland und verfolgt das Geschehen in den Stadien via Satellit immer noch mit großem Interesse. Dass St. Pauli und der HSV derzeit am Tabellenende stehen, gefällt dem ehemaligen Vollblut-Fußballer ebenso wenig wie der Rückfall des ISV in die Kreisliga. Immerhin hat er jetzt etwas Abstand. Der Kontakt in die alte Heimat ist aber dank Internet größer den je. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt Zanforlini zurück und gewährt einen Einblick in sein jetziges Leben.

Zwischen 1967 und 1974 spielte der heute 70-Jährige Vinicio Zanforlini für den FC St. Pauli und den Itzehoer SV insgesamt in 131 Begegnungen in der damaligen zweitklassigen Regionalliga Nord und erzielte 13 Tore. Der gebürtige Hamburger, der am 12. Juni 1945 zur Welt kam und am Rande von St. Pauli als reiner Straßenfußballer aufwuchs, spielte in der Jugend bei verschiedenen Hamburger Vereinen, wobei sein Talent früh entdeckt wurde und er in jungen Jahren bereits in die Hamburger Auswahl berufen wurde. Schnell wurde der FC St. Pauli auf ihn aufmerksam. Zanforlini erzählt: „Die Amateure des Kiez-Klubs wurden zunächst meine fußballerische Heimat. Da ich dort pro Saison über 25 Tore in der höchsten Amateurklasse erzielte, durfte ich ab der Saison 1966/67 bei der Liga-Mannschaft mittrainieren“. Paulis damalige Spielerpersönlichkeiten hießen seinerzeit Ingo Porges, Horst Hecks, Rolf Bergeest und Uwe Stotfang. Zu den größten Erfolgen der damaligen Zeit zählte für den jungen Zanforlini die deutsche Vizemeisterschaft der Amateure. Das Endspiel ging gegen Bayern, die mit einigen Profis angetreten waren, allerdings mit 0:5 verloren.

Zanforlini erinnert sich an rund zwölf Spiele, die er für die Hamburger Auswahl bestritten hat, ehe ihm in der Saison 1967/68 der Durchbruch im Liga-Team des FC St. Pauli gelang. Heinz Hempel und später später Jockel Krause waren seine Trainer und Förderer. Als seine erfolgreichste Saison bezeichnet „Zanfo“, wie er nur genannt wurde, die Saison 1968/69 unter Trainer Erwin „Ata“ Türk. „In 18 Begegnungen gelangen mir 12 Tore“, blickt er voller Stolz zurück. In der darauffolgenden Spielzeit sollte sich für Zanforlini Grundlegendes ändern. Vom Stürmer wurde er zum Verteidiger „umgeschult“. Nach der Saison 1968/69 und einem undankbaren dritten Platz hinter dem VfL Osnabrück und dem VfB Lübeck wechselte der damals 25-Jährige zum Itzehoer SV. Kontakt hatte Zanforlini schon früher zu Eberhard Herbst, der von Hannover 96 nach Itzehoe gekommen war. „Jo“ Herbst überredete ihn ebenfalls nach Itzehoe zu kommen. „Diesen Schritt habe ich nie bereut“, sagt er heute.

Großen Anteil an seiner Verpflichtung hatte aber auch der damalige ISV-Präsident Jochen Kinne. Von der Saison 1970/71 an wurden es für „Zanfo“ insgesamt zehn Jahre am Itzehoer Lehmwohld. Bis zum Ende der Amateuroberliga bestritt Zanforlini in dieser Zeit mehr als 300 Ligaspiele (109 in der Regionalliga Nord) für den ISV. Er bildete damals als klassischer Libero zusammen mit Vorstopper Hans-Jürgen Karzimirow die Innenverteidigung im Team. „Ich kann sagen, dass ich in dieser Zeit nie abgestiegen bin und immer in der höchsten Amateur-Klasse dabei war“, schaut er zurück. Zum Ausklang seiner Itzehoer Zeit war er auch noch Co-Trainer und kurzfristig Fußballobmann.

Als besonders erfolgreich ist Vinicio Zanforlini beim ISV die Serie 1974/75, die erste Saison nach der Einführung der zweigleisigen 2. Bundesliga, in der drittklassigen Oberliga Nord, in Erinnerung geblieben. „Die ersten drei Spiele waren wir sogar Spitzenreiter, später schlossen wir die Spielzeit als Tabellenachter ab“. An ein kurioses Tor, dass er damals schoss, kann er sich noch sehr gut erinnern: „Es war eine Begegnung bei Holstein Kiel. Nach einem weiten Torwartabschlag des gegnerischen Keepers Thomas Thiel erwischte ich den Ball kurz hinter der Mittellinie und kanonierte die Kugel direkt aus dieser Entfernung ins Tor. Ein Tor des Monats würde ich sagen.“ Der ISV gewann das Spiel durch diesen Treffer und einem weiteren Tor von Claus Haack mit 2:1. Zanforlini: „Das war unser erster Sieg, den wir in Kiel errungen haben“.

In seiner Zeit in Itzehoe wurde er mit dem ISV auch Schleswig-Holsteinischer Pokalsieger und zog mit den 09ern in die erste Hauptrunde des DFB- Pokals ein. Nicht vergessen hat Zanforlini den Pokalschlager gegen den 1. FC Köln am 6. August 1976. „Wir hatten gegen die Profis zwar keine Chance, hielten aber mehr als eine halbe Stunde lang ein 0:0. Dann wurde der Druck der Kölner aber zu groß“, blickt er auf ein Spiel vor 7.200 Zuschauern zurück gegen einen Gegner mit Nationalspieler wie Wolfgang Overath, Heinz Flohe und Toni Schumacher sowie dem belgische Nationalspieler Roger van Gool. Am Ende lautete das Ergebnis standesgemäß 0:7.

In späteren Jahren trainierte Zanforlini noch die ISV-Zweite und danach die A- Jugend. Von 1990 an hörte er auch mit dem Trainer-Job auf. Vinicio Zanforlini entdeckte seine Reise-Leidenschaft und die Liebe für ferne Länder. So reiste er 1999 das erste Mal nach Asien. „Dabei haben mich die Philippinen, aber auch Thailand am meisten beeindruckt“, erzählt er. 2007 lernte er seine heutige Frau Alma (33) kennen und verlegte 2010 seinen Lebensmittelpunkt ganz auf die Philippinen – 11.000 Kilometer Luftlinie von seiner ehemaligen Heimat entfernt. Zanforlini: „2012 habe ich dann meine Alma geheiratet. Schon 2013 kam unser Sohn Luigi zur Welt. Jetzt bestimmt er mein und unser Leben. Auch wenn ich nun schon etwas in die Jahre gekommen bin, ist es ein großes Glück für mich all dies erleben zu dürfen.“

Zanforlini schwärmt: „Luigi ist jetzt drei Jahre jung und ich kann ihn überall mit hinnehmen. Er liebt wie ich das Meer und „spaddelt“ mit seinem Vater und wie ein Fisch im Wasser. Mich hält das tägliche Schwimmen fit. Mein größter Wunsch ist, dass ich gesund bleibe und noch lange dieses Leben mit meiner kleinen Familie genießen kann“, sagt er. „Seine Insel“ Samal ist bekannt für Schnorcheln und Tauchen. Es gibt Korallen-Bänke und Riffe an der Küste, beliebt bei Touristen und Einheimischen. Der 70-Jährige erzählt: „Wir besitzen hier ein kleines Haus mit etwas Land, zentral im Hauptort gelegen und doch ruhig. Ich habe hier alles was ich mir wünschen kann. Ein normales Rentnerdasein ist mir fremd. Lange Weile kenne ich nicht“. Eines vermisst Vinicio Zanforlini trotz aller Annehmlichkeiten, die ihm sein Leben praktisch am anderen Ende der Welt bietet allerdings doch – den Fußball, wie er ihn von Deutschland kennt. Den gibt es für ihn nur im Fernseher, denn einen Sportplatz kennt man auf der Insel nicht. „So wird mein Sohn wohl niemals ein Fußballer werden“, sagt „Zanfo“.  

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erstellt am 27.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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