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Lokalsport

05. Dezember 2016 | 11:38 Uhr

Segeln : Wilster segelt der Konkurrenz davon

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„Just in Time“-Crew holt sich auf dem Wannsee in Berlin die Deutsche Meisterschaft in der J/70-Klasse.

Großer Erfolg für Steuermann Gordon Nickel und die Crew-Mitglieder Morten Nickel (Gennaker), Nils Fiege (Fock) und Sebastian Röske (Vorschiff): Auf dem Berliner Wannsee holte sich das Quartett von der Seglervereinigung Wilster (SVW) den nationalen Titel in der Bootsklasse J/70. Am Ende hatten sie mit 46 Punkten zwei Zähler weniger als der Vizemeister, das Grün-Sailing Team aus Berlin mit Jens Ahlgrimm am Steuer, auf dem Punktekonto stehen. Platz drei holte sich mit 72 Punkten der Flensburger Segelclub mit Jan Hauke Erichsen am Steuer.

Dabei waren die Erwartungen der Wilsteraner vor Beginn der nationalen Titelkämpfe eher zurückhaltend: „Wir wollten unter die besten Fünf“, sagte Nils Fiege im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass sie die Deutsche Meisterschaft nach Wilster holen könnten, das war für die Crew angesichts der Konkurrenz aus dem gesamten Bundesgebiet eher unwahrscheinlich. Deshalb: „Wenn man uns vorher den zweiten Platz angeboten hätte, hätten wir ihn genommen.“ Schon deshalb, weil das Starterfeld qualitativ gut besetzt und mit 36 Teams auch zahlenmäßig groß war. Nils Fiege: „Die J/70-Klasse ist die größte Einheitsklasse der Kielbote.“

Gegen die Wilsteraner sprach eigentlich auch, dass laut Nils Fiege, ihre „Just in Time“ personell „suboptimal besetzt“ war. „Der Wannsee ist ein Leichtwindrevier.“ Die besten Erwartungen könnten die Crews haben, die vom Gesamtkörpergewicht her leicht sind. Diesen Vorteil hatte die Sieger-Crew nicht. Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, hatten Gordon Nickel & Co. nicht. Nils Fiege: „Wir waren die Einzigen aus unserer J/70-Mannschaft, die bei der Deutschen Meisterschaft segeln konnten. Alle andern standen nicht zur Verfügung.“

Gesegelt wurden an vier Regattatagen insgesamt zwölf Rennen, wobei die zwei schlechtesten Resultate gestrichen wurden. Von Anfang an zeigte sich, dass der SVW und das Team Grün beste Chancen auf den Titel haben würden. Bereits am Abend des vorletzten Regattatages war klar, dass die Wilsteraner nicht mehr vom zweiten Platz verdrängt werden konnten. Zu groß war der Punkteabstand zum Drittplatzierten. Nils Fiege: „Zwischen Platz eins, auf dem wir uns zu diesem Zeitpunkt befanden, und dem zweiten – Grün Sailing Team – wurde es allerdings eng.“ Deshalb: „Mit nur einem Punkt Vorsprung vor Grün gingen wir deutlich angespannter am letzten Regattatag an den Start.“

Bei der letzten Wettfahrt ging es für beide Crews um alles. Nils Fiege: „Direkt am Start versuchten wir, den ‚Sack dicht’ zu machen und positionierten uns in einer guten Lage zu unserem Gegner.“ Doch leider „rutschte“ noch ein weiteres Boot zwischen beide Spitzenboote und die anfänglich gute Position war dahin.“ Die Wilsteraner befanden sich nun kurz hinter der Grün-Crew und in einer für sie unvorteilhaften Position vom Wind abgewandt (Lee). Doch davon ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie versuchten die Taktik, die sich vorher bewährt hatte, konsequent zu fahren.

Nils Fiege: „Wir suchten die Lücken, achteten auf Dreher und Windfelder und behielten weiterhin unseren Gegner von der Grün im Auge.“ Über zwei Up & Downs kämpften sie sich langsam wieder heran, um kurz vor dem letzen Luvfass wieder auf Schlagdistanz zu den Berlinern zu sein. Nils Fiege sieht die entscheidenden Momente der Meisterschaft so: „Wir entschieden uns, die Luvtonne von der rechten Seite anzufahren. Die Grün, die durch ein anderes Boot gehindert wurde, uns zu decken, musste über die linke Seite kommen. Die einsetzende Böe von rechts schob uns am Fass die entscheidenden Meter nach vorne, um kurz vor der Grün die Tonne zu runden.“ Somit befand sich die „Just in Time“-Crew in der Situation, die sie sich bereits direkt zum Start gewünscht hatte. Nils Fiege: „Wir verteidigten unsere Position, und die Grün musste angreifen, um noch eine Titelchance zu haben.“

Auf dem langen Downwind behaupteten die Wilsteraner ihre Position und machten dabei gegenüber der Konkurrenz sogar noch ein paar Meter gut.

Am Leefass wurde es aber dann doch noch mal einmal spannend. Niels Fiege: „Im Pulk mit einigen anderen Booten gingen wir um die Tonne, dicht gefolgt von der Grün. Behindert durch ein anderes Boot, konnten wir nicht an unserem Gegner bleiben und mussten die Deckung auf den letzten Metern vor dem Ziel öffnen. Die Meter, die wir bis dahin gutgemacht hatten, waren dahin.“ Und dennoch, der kleine Vorsprung reichte letztlich aus, um den Titel zu holen.

Mit Blick auf das kommende Jahr plant die „Just in Time“-Crew, auf jeden Fall zusammen zu bleiben. Vorgesehen sind unter anderem die Teilnahme an der Kieler Woche, ein Start bei der Weltmeisterschaft der J/70-Klasse vor Sardinien und bei den Deutschen Meisterschaften, die dann auf der Flensburger Förde ausgetragen werden.

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