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Lokalsport

06. Dezember 2016 | 21:49 Uhr

Trotz Sehbehinderung : Jamie Seekopp will 30-Minuten-Marke knacken

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zehnjähriger fiebert seinem Start auf der fünf-Kilometer-Strecke entgegen.

Jamie Seekopp ist kaum zu bremsen. Der Zehnjährige will beim 17. Störlauf auf der 5-Kilometer-Strecke die 30-Minuten-Marke knacken. Das wäre eine Super-Leistung für den Viertklässler der Grundschule Wellenkamp, denn Jamie ist stark sehbehindert. „Ich kann Konturen und Farben erkennen“, sagt er. Das reicht immerhin dazu, dass er ohne Führungsleine rennen kann. Allerdings nur auf Strecken ohne große Schwierigkeiten.

Beim Schul-Cross im Pünstorfer Gehölz, war dies zum Beispiel nicht möglich. Dort hatte seine Betreuerin Vera Lüthje ihn an die Leine nehmen müssen. „Er läuft aber lieber ohne und das funktioniert auch sehr gut“, sagt Lüthje. Sie läuft meist dicht hinter ihm und lotst Jamie um Hindernisse herum, die er nicht so schnell bemerken kann. Auf einer ebenen Strecke wie beim Störlauf sei das kein Problem, so Lüthje.

Die Hohenlockstedterin ist Jamies Schulbegleiterin seit der ersten Klasse. Sie hat viel Freude an dem aufgeweckten Jungen, der ab nächsten Schuljahr das Gymnasium besuchen wird. Die gelernte Erzieherin ist ebenso wie ihr Schützling sportbegeistert und engagiert sich beim TSV Lola als Trainerin im Handball und Turnen.

Der laufbegeisterte Jamie verlangt seiner Begleiterin einiges ab. „Ich muss aufpassen, dass er mich nicht abhängt“, erzählt sie. Und in der Tat, bei den Trainingsläufen seiner Schule in der Störmarsch hinter der Waldorfschule ist er einer der Schnellsten. „Ich laufe mit mit Paula und Enid immer vorneweg. Die beiden haben das gleiche Tempo wie ich“, erzählt Jamie. Zum Schluss müsse er aber abbremsen, weil es bei nachlassender Kondition und Konzentration gefährlich für ihn werden könne. Stürze wolle er auf jeden Fall vermeiden. Vera Lüthje muss bei dieser Aussage schmunzeln. „Kurz vor dem Ziel ist er meist nicht mehr zu halten“, lacht sie.

Jamie Seekopp ist schon seit Geburt schwer sehbehindert. Er lebt mit seiner ebenfalls sehbehinderten Schwester bei Pflegeeltern. Der schlagfertige Nachwuchsläufer trainiert nicht nur in der Schule für den Störlauf, sondern ist auch beim Kremperheider Lauftreff Stammgast. Beim Störlauf war er bereits im vergangenen Jahr am Start. Geplant war das allerdings nicht, denn eigentlich sollte seine Schwester mitlaufen. Da diese dann aber gesundheitliche Probleme hatte, sprang Jamie für sie ein. „Ich habe ihren Startplatz übernommen und bin 34,20 Minuten gelaufen“, weiß Jamie ganz genau. Diesmal will er schneller sein. „Mein Ziel ist unter 30 Minuten zu bleiben“, sagt er.

Neben dem Laufen spielt der Zehnjährige auch gern Fußball, was sich wegen seiner Seh-Behinderung aber als schwierig erweist. In einer Mannschaft kann er hier deshalb nicht mitkicken. Ausprobiert hat er es trotzdem, allerdings bei einem Blindenfußball-Seminar im Uwe-Seeler-Park, der Sportschule des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes in Malente. „Das hat unheimlich Spaß gemacht“, sagt Jamie. Jetzt konzentriert sich der Zehnjährige aber ganz auf den Störlauf. „Ich starte um 14 Uhr“, verrät er. Er freue sich schon riesig darauf.

Dass er auch danach fleißig weiter trainieren will, ist für ihn keine Frage, denn insgeheim träumt Jamie von noch größeren Events. Er könne sich durchaus vorstellen, einmal bei den Paralympics zu starten, meint er.

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erstellt am 12.Mai.2016 | 05:00 Uhr

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