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Lokalsport

09. Dezember 2016 | 22:20 Uhr

Ironman Europe Frankfurt : André Beltz mit bärenstarker Leistung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Triathlet finisht in 9:14:12 Stunden / Qualifikation für Hawaii knapp verpasst

Bärenstarke Leistung, doch zur Krönung fehlten ein paar Minuten. André Beltz hat beim Mainova Ironman in Frankfurt einen überzeugenden Wettkampf abgeliefert. Nach 9:14:12 Stunden war der Triathlet des SC Itzehoe im Ziel angekommen. Eine Zeit, die im vergangenen Jahr locker für die Qualifikation zur Ironman-WM auf Hawaii gereicht hätte – diesmal allerdings nicht. Aus Beltz Altersklasse 35-39 wurden lediglich neun Startplätze für Hawaii vergeben. Um mit dabei zu sein, hätte er etwa sechs Minuten schneller sein müssen. Das war an diesem Tag nicht drin. „Ich bin trotzdem mit der gezeigten Leistung sehr zufrieden“, sagte Beltz hinterher. „Die von mir angestrebte Endzeit habe ich erreicht und die hätte ich mir vor einem halben Jahr noch nicht zugetraut.“

André Beltz längster Tag dieses Jahres beginnt mit dem Schwimmstart im Langener Waldsee frühmorgens. Dort geht es mit einem „Rolling Start“ ins Wasser. Alle fünf Sekunden werden 12 Athleten ins Rennen geschickt, damit es weniger „Prügeleien“ auf den ersten Metern im Wasser gibt. Beltz hat sich als starker Schwimmer vorn mit eingereiht und geht etwa als 20. auf die Strecke. Zu absolvieren sind zwei Runden. Zunächst 1,5 Kilometer, dann nach kurzem Landgang weitere 2,3. Beltz hat sich zunächst in der Spitzengruppe festgesetzt, die ihm aber nach dem Landgang entwischt. „Durch das Laufen war ich völlig aus dem Rhythmus und brauchte 300 Meter um diesen wiederzufinden“, erzählt er. Erste Zweifel kommen auf, ob es heute nicht sein Tag sei. Die bange Frage „Kann ich mich heute so quälen, wie es für einen Ironman nötig ist?“, beantwortet sich jedoch schnell. Beltz kommt wieder an die Gruppe heran und kann einzelne Athleten einsammeln. „Geht doch.“ Nach 49:34 Minuten hat Beltz die erste der drei Disziplinen hinter sich – in einer Super-Zeit.

Auf der Radstrecke findet er auf der abschüssigen Stadtautobahn vom See nach Frankfurt schnell seinen Rhythmus. „Es rollte sich gut und in Frankfurt brüllten mich die ersten bekannten Gesichter meiner Unterstützer nach vorn.“ Nach der zwölf Kilometer langen Anfahrt warten zwei Runden über jeweils jeweils 80 km. Insgesamt sind 1000 Höhenmeter bei fünf Anstiegen pro Runde zu bewältigen. Trotz der Anstiege hat sich Beltz bei einem Schnitt von 37 km/h eingependelt. Zu schnell, aber noch im Rahmen. Als er nach 35 Kilometern seine Luftpumpe bei einem Anstieg verliert, wird der Itzehoer etwas nervös, deutet dieses Missgeschick aber als gutes Omen: „Heute gibt es keinen Platten.“ Bis zur zweiten Runde läuft es gut für Beltz, dann wird es unrhythmisch, weil er in eine Gruppe gerät, die die vorgeschrieben Abstände nicht einhält. Kampfrichter auf Motorrädern greifen zwar immer wieder ein, jedoch nicht konsequent genug. Diese Gruppe löst sich zwar nach 160 km auf, doch nun folgten die typischen Ironman-Leiden. Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, schwere Beine und leichte Krampfansätze beim Fahren von Anstiegen. „Beim zweiten Anstieg nach Bad Vilbel ging es mit Krämpfen nach oben und ich verlor etwas an Zeit. Weil ich aber vorher flott unterwegs war, ist noch alles gut.“ Zum Ende dann dankbare acht Kilometer leicht bergab zur Wechselzone nach Frankfurt. Die Uhr stoppt bei 4:47:51 Stunden – Beltz hat sein zweites Zwischenziel erreicht. Alles ist im grünen Bereich.

Nach dem Wechsel geht es über Kopfsteinpflaster auf die Laufstrecke. „Auf den ersten Metern begannen meine Beine total zu verkrampfen. Vor allem die Oberschenkel haben mir Sorgen bereitet.“ Da er aber zu schnell losgelaufen ist, kann Beltz erst einmal Tempo rausnehmen, ohne die anvisierte Endzeit von 9:15 Stunden zu gefährden. Von 4:05 Minuten pro Kilometer drosselt er auf 4:20. Immer noch zu schnell, aber der richtige Weg. Um sein Tempo von 4:40 zu finden, benötigt Beltz acht Kilometer. „Die Krämpfe waren dann weg, aber so richtig gut ging es mir nicht. Immerhin stimmte das Tempo jetzt, doch es fiel mir schwerer Gels aufzunehmen um Energie zu tanken“, erzählt Beltz. Er trinkt deshalb mehr Iso und Cola. „Ich war einen Tick schneller als geplant gelaufen und nun voll im Ironman-Drama angekommen“. Der Schritt wird immer schwerer. Nach 29 Kilometern geht der Itzehoer deshalb nur noch durch die nächsten drei Verpflegungsstellen, um mehr Nahrung aufnehmen zu können. Das Tempo war nun allerdings über dem Schnitt, so dass er die letzten fünf Marathon-Kilometer wieder durchläuft. „Ich habe weiter gekämpft und noch einige Konkurrenten überholt, bevor ich endlich Richtung Ziel „Römer“ einbog. Nur noch 300 Meter ... du hast es gleich geschafft. Freue dich, lache, genieße die Stimmung ... zu anstrengend ... nur noch ins Ziel“, so die letzten Gedanken vor dem Ende des Wettkampfes. Die Zeit von 9:14:42 Stunden bedeutet jedoch nahezu eine Punktlandung. Im Ziel muss der erschöpfte Beltz erst einmal von Helfern gestützt werden. 50 Meter dahinter warten aber schon Familie und Freunde. Aufgestützt auf das Gitter werden die ersten Eindrücke gewechselt. Alles gut – der Wettkampf ist super gelaufen. Aber was ist mit der Qualifikation für Hawaii, wo Beltz in seiner letzten Saison zum Abschluss seiner Triathlon-Karriere so gern noch gestartet wäre? „Mein Gefühl sagte mir schon vorher, dass es nicht gereicht hat. Im Ziel dann die Gewissheit. Platz 19 in meiner Altersklasse war zu wenig.“ Am Montag bei der Vergabe sind zwar vier Absagen dabei, aber der 13. Platz in der Altersklasse 35-39 war der letzte für die WM. Lediglich sechs Minuten hatte Beltz zu viel auf der Uhr. „Dennoch war ich mit meiner Leistung sehr zufrieden“, bilanziert er. Es sei ihm wieder bewusst geworden, was es heißt, einen Ironman zu bewältigen. „Es gibt viele Situationen, wo es nicht so läuft, wie man es sich vorstellt und sofort Krisenbewältigung gefragt ist.“ Der Tag sei lang und man müsse bis zum Schluss konzentriert bleiben, sich verpflegen und die Atmosphäre aufsaugen.

Die Frage, ob sich die vielen Stunden der Vorbereitung gelohnt haben, beantwortet André Beltz mit „Auf jeden Fall. Einen Ironman zu finishen und dabei seine gesteckten Ziele zu erreichen, ist die Mühe allemal wert. Dazu die einzigartige Atmosphäre in Frankfurt. Wahnsinn!“

André Beltz war übrigens nicht der einzige Triathlet des SC Itzehoe, der in Frankfurt am Start war. Ina Stäcker belegte in 11:41:50 Std. Rang 12 der Altersklasse 25-29 der Frauen und landete mit diesem Ergebnis in der Wertung der Deutschen Meisterschaften als Siebte in der „Top Ten“. Außerdem „finishte“ Mario Ihfe als 247. der Alterklasse 40-44 in 11:05:34 Std. 

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erstellt am 07.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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