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Sportlerwahl : Weltmeisterschaft als Saisonhöhepunkt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Neuwittenbeks Floorballer Tjorven Dethlefsen (17) bereitet sich mit der U19-Nationalmannschaft auf die WM in Schweden vor.

Neuwittenbek | Als Ruth Schröder am 16. Januar ihre Eckernförder Zeitung aufschlug, traute sie ihren Augen nicht. Ihr Enkel Tjorven Dethlefsen war einer der fünf Kandidaten bei der gemeinsamen Leserwahl mit der Landeszeitung zum Talent des Jahres. Sie machte gleich ein Foto von der Seite und mailte es nach Neuwittenbek, wo auch die Familie ihrer Tochter Silke hocherfreut über diese Auszeichnung war. „Ich habe daraufhin meinen Freundeskreis darüber informiert und die entsprechenden Telefon- und SMS-Nummern weitergegeben“, sagt Tjorven Dethlefsen, der am 1. März seinen 17. Geburtstag feierte. „Offenbar haben ja auch eine Menge Leute für mich angerufen. Das freut mich sehr“, sagt der Gettorfer Gymnasiast, der nach Möglichkeit mit dem Fahrrad zur Schule fährt und aus einer reinen Floorball-Familie stammt. Mutter Silke und Vater Thomas spielen in der Ü30 auf dem Kleinfeld. Bruder Birger ist sein Teamkollege im Zweitliga-Team des TSV Neuwittenbek und spielt zudem in der U15- und U17 des TSV sowie in der U17-Nordauswahl. „Gerade als ich vom Zwischenergebnis erfuhr, habe ich noch einmal alle an die Wahl erinnert und mir da schon Hoffnungen gemacht, dass es klappen könnte – und das hat es ja auch tatsächlich. Das ist schon nicht schlecht!“

Tjorven Dethlefsens Floorball-Laufbahn begann im zarten Alter von sechs Jahren. „Mein Klassenkamerad Erik Jacobsen, der mittlerweile wieder aufgehört hat, fragte, ob ich nicht Lust dazu hätte. Damals war ich auch noch in der Leichtathletik aktiv, doch mit der Zeit hat mir Floorball einfach besser gefallen.“

Aber worin liegt der besondere Reiz dieser Sportart? „Es ist ein schneller Sport, in dem in kurzer Zeit eine Menge passieren kann. Es geht ständig hin und her“, erklärt Dethlefsen. „Je älter man wird, desto mehr spielt auch die richtige Taktik eine entscheidende Rolle. Diese dann auf dem Spielfeld entsprechend umzusetzen, ist schon sehr reizvoll. Es sind also nicht nur die Beine, sondern auch der Kopf gefordert.“

Das vergangene Jahr war sein bisher erfolgreichstes mit dem Stammplatz in der 2. Bundesliga Nord/West sowie seiner Nominierung in die U19-Nationalmannschaft. „Würde es ein Freundschaftsspiel zwischen dem TSV Neuwittenbek und der U19-Nationalmannschaft geben, würde das Nationalteam deutlich gewinnen“, ist sich Dethlefsen sicher. „In dieser Mannschaft gibt es einfach einen höheren Anspruch, während im Verein – neben allem Ehrgeiz – doch auch der Spaßfaktor groß geschrieben wird. Im Nationalteam haben wir ein Taktikbuch, nach dessen Vorgaben wir uns alle zu richten haben. Im Verein spielen wir jedoch anders.“

Auf Vereinsebene lautet das Ziel in dieser Saison der Klassenerhalt. „Auch in den kommenden Jahren wird wohl eine bessere Platzierung als Rang 3 nicht möglich sein“, mutmaßt Dethlefsen, der die gute Übersicht, gutes Passspiel und den Torabschluss zu seinen Stärken zählt. Verbessern muss er sich dagegen noch im physischen Bereich.

Überregional ist der Neuwittenbeker seit 2013 im Einsatz. „Dort war ich als 2000er-Jahrgang bei den 98/99ern klar der Jüngste. Dennoch bin ich froh, dass mich der Verein damals für den Sichtungslehrgang in Hamburg vorgeschlagen hat“, sagt Dethlefsen. Von 30 Teilnehmern blieben 18 Feldspieler und 2 Torleute über. Die Nordauswahl vereint Spieler aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. Sie trainiert an den IFF-Wochenenden, an denen keine Ligaspiele angesetzt sind. Das Nationalteam, in dem sich Dethlefsen noch nicht zu den Leistungsträgern, aber zu einer wichtigen Stütze zählt, kommt, neben einem Trainingslager im Sommer, vier Mal im Jahr zusammen. Dabei muss die Anreise privat finanziert werden. Vom 3. bis 7. Mai steht die alle zwei Jahre stattfindende Weltmeisterschaft im Mutterland des Floorballs, im schwedischen Vaxjö, mit 16 Nationen auf dem Programm. Dort will sich das deutsche Team aus der B- in die A-Division hochspielen, wofür der Gruppensieg nötig ist. Als Hauptkonkurrenten sieht Dethlefsen neben Norwegen noch Ungarn und Estland. Aus Schleswig-Holstein ist Dethlefsen der einzige Spieler, sieht man von Flemming Kühl aus Tetenbüll ab, der allerdings momentan in der Schweiz spielt.

Nach seinem Abitur plant auch Tjorven Dethlefsen, für ein Jahr in der Schweiz in einem Profi-Verein Floorball zu spielen. Sollte dies nicht klappen, wird er weiter das Neuwittenbeker Trikot überstreifen. Danach möchte er sich zum Ingenieur oder Architekten ausbilden lassen. Im Gegensatz zu Schweden und der Schweiz gibt es in Deutschland (noch) keine Floorball-Profiliga. Vielleicht ändert sich dies in einigen Jahren, wenn der Floorball-Boom weiter anhält. In Neuwittenbek ist die Halle beim U9- und U11-Training jedenfalls voll.

Dethlefsen, der gemeinsam mit Per Heintze noch die U15 der SG Kiel/Neuwittenbek („Baltic Bruins“) trainiert, ist froh und dankbar, dass ihn sein Heimatverein so tatkräftig unterstützt. „Die Mannschaft trainiert nach dem Saisonende extra für mich noch weiter, damit ich optimal vorbereitet zur WM fahren kann. Das ist keineswegs selbstverständlich und zeigt den großen Zusammenhalt innerhalb des Teams.“


Trainer-Einschätzung

„Tjorven ist für sein Alter extrem weit. Sowohl physisch als auch technisch hat er sich 2016 stark weiterentwickelt und steht seinen älteren Kollegen in der U19-Nationalmannschaft und unserem Zweitliga-Team in nichts nach“, sagt Neuwittenbeks Trainer Daniel Kunze. „Er war für uns als Stamm-Verteidiger in dieser Saison, trotz seiner jungen Jahre, sehr wichtig. Was ihn besonders ausmacht, ist seine Übersicht. Vor allem Drucksituationen kann er bereits sehr geschickt lösen. Allerdings ist er manchmal noch etwas stürmisch. Wenn er sich aber mit seinen Schwächen konsequent auseinander setzt, wird er eine starke WM spielen und so den ersten Schritt Richtung Herren-Nationalmannschaft machen.“


Preisverleihung

Die Preisverleihung findet am Sonnabend in der Pause des Basketball-Sparkassen-Charity-Games in der Rendsburger Herderhalle statt, das um 17 Uhr angepfiffen wird. Für jeden Punkt fließen 50 Euro in Förderprojekte für Kinder.

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erstellt am 07.Mär.2017 | 06:00 Uhr

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