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Sportlerwahl : Lieber Kampfsport als Tanzsport

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die 17-jährige Goosefelderin Sophie Schumacher hat den Wado-World-Cup 2021 in Japan fest im Blick.

Eckernförde | Weil die beiden großen Brüder zusammen mit dem Papa mehrmals die Woche zum Karatetraining fuhren, fand es Sophie Schumacher zu Hause langweilig. „Ich wollte dann immer mit“, erklärt die 17-Jährige, die zusammen mit ihren zwei Brüdern Bennet und Kilian sowie Vater Karsten und Mutter Ulli in Goosefeld lebt. Ein Glück war es zu Hause so langweilig, denn so konnte eine Erfolgsgeschichte entstehen, die mittlerweile dazu geführt hat, dass Sophie Schumacher mit dem Bundesadler auf der Brust bei internationalen Karateturnieren antritt. Die Leser und Leserinnen der Eckernförder Zeitung und Landeszeitung hat diese Erfolgsgeschichte überzeugt und sie haben die Schülerin der Peter-Ustinov-Schule zur Sportlerin des Jahres 2016 gewählt.

Angefangen hat auch Sophie mit den eher klassischen „Mädchen-Sportarten“ – und dazu zählt natürlich auch Ballett. Zu den ganz großen Rollen – also der Primaballerina – reichte es für Sophie nicht, sodass sie irgendwann ein wenig die Lust verlor. Der Weg war frei für eine andere Sportart, die sie mit sieben Jahren durch ihre Brüder im Karate findet. „Dass ich Ballett gemacht habe, hilft mir jetzt auch beim Karate“, erklärt Sophie. Anfangs machte sie noch beide Sportarten parallel, doch schnell setzte sich der Kampfsport gegenüber dem Tanzsport durch. „Vor allem die Wettkämpfe haben mir immer gut gefallen“, erklärt Sophie. „Zudem mag ich den sportlichen Wettbewerb gegen andere anzutreten.“

Während ihre Brüder Bennet und Kilian im Kumite – der Kampf zweier Gegner ohne vorherige Absprache der Techniken – unterwegs sind, wählte Sophie mit dem Kata eine kontaktlose Wettkampfform des Karatesports. Hier geht es darum, einen genau festgelegten Ablauf an Bewegungen und Kampftechniken gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner durchzuführen. Kampfrichter bewerten dann die Durchführung. „Mir haben die vorgeschriebenen Abläufe im Kata mehr Spaß gemacht“, sagt Sophie, die anfangs auch Kumite – also den direkten Kampf gegen einen Gegner – ausprobiert hat. „Außerdem bekommst du dann nichts auf dein hübsches Gesicht“, wirft Vater Karsten ein, der im gemeinsamen Verein, dem Fuji Yama Eckernförde, mittlerweile sehr aktiv ist als Kampfrichter, Turnier-Organisator und Pressewart. „Stimmt, das spielt auch eine Rolle“, gibt Sophie lachend zu. Papa Schumacher kennt seine Tochter nach nun schon zehn gemeinsamen Sportlerjahren als Karateka eben sehr gut.

In den ersten Jahren kam Sophie bei Turnieren nicht über solide bis gute Platzierungen hinaus. „Eigentlich ist es erst so vor drei, vier Jahren losgegangen mit den Erfolgen“, erinnert sich die Schülerin, die damals selber entschied, sportlich noch einmal anzugreifen. Als Motivationsspritze diente eine Einladung zum Training im Wado-Team Deutschland in Berlin. Trainer Kay Schröder, der das Wado-Kata-Team betreut, sah in Schumacher noch viel nicht ausgereiztes Potenzial. „Die Einladung hat mir noch einmal einen Schub gegeben“, erinnert sich Sophie, die danach auch verstärkt mit dem Muskelaufbau und wöchentlichem Fitnesstraining begann. „Wir haben dann auch angefangen Katas mit einem höheren Schwierigkeitsgrad einzustudieren. Denn nur so, kann man auf Turnieren auch weiter vorne landen“, erklärt Karsten Schumacher. Mittlerweile geht Sophie dreimal pro Woche, zusätzlich zu den normalen Trainingseinheiten, ins „California“. Das Eckernförder Fitnessstudio unterstützt die Fuji-Yama-Athletin, wie auch ein paar andere Freunde des Vereins und der Familie.

Nach der Einladung zum Training im Wado-Team Deutschland ging es für Sophie dann unerwartet steil nach oben. Sie startete auf dem wichtigen internationalen Deutschen Wado-Cup und Trainer Kay Schröder und stellte ihr in Aussicht: „Wenn du mich da überzeugst, nehme ich dich auch mit zum Europacup.“ Gesagt – getan. „Das war für mich ein sehr großer Ansporn“, erinnert sich Sophie, die eigentlich dennoch nicht damit gerechnet hatte, zum Europacup mitgenommen zu werden. „Ich dachte, dass ich noch nicht so weit bin“, sagt sie. Trainer Kay Schröder sah es anders und besorgte sich Sophies Anzuggröße. Schröder erinnert sich: „Ich habe in ihr eine talentierte und aufstrebende Nachwuchsathletin mit viel Potenzial gesehen.“ Er sollte sich nicht irren. „Mit dem Adler auf der Brust zu starten ist noch mal ein ganz anderes Gefühl. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch mehr Druck“, beschreibt die Goosefelderin ihre Einsätze als Athletin im Wado-Team Deutschland.

In Zukunft wird es für Sophie wieder schwieriger, regelmäßig Podestplätze für sich beanspruchen zu können. Das liegt daran, dass sie die U18-Altersklasse verlässt und dann nur noch bei den Erwachsenen in der sogenannten Leistungsklasse starten wird. „Es gibt dann viel mehr Konkurrenz. Auch von der Athletik her wird Sophie noch weiter aufholen müssen“, weiß Vater Karsten.

Ihren 18. Geburtstag im November wird Schleswig-Holsteins Karatehoffnung vielleicht in Paris verbringen. Aber nicht etwa im berühmten französischen Nachtleben, sondern rechtzeitig im Hotelbett, da einen Tag nach dem Erreichen der Volljährigkeit der Europacup ansteht. Noch etwas weiter in der Zukunft liegt der Wado-World-Cup in Japan. 2021 findet dieses Großereignis in Nagoya statt. „Das ist mein großes Ziel, dort dabei sein“, blickt Sophie ehrgeizig nach vorne. „Das wäre ein Traum!“

Und diesen Traum traut ihr Wado-Team-Trainer Kay Schröder durchaus zu: „Sie kann auch bei den Erwachsenen erfolgreich werden, denn sie ist sehr engagiert im Training und macht immer ihre Hausaufgaben. Wenn sie weiter viele Wettkämpfe besucht, wird sich auch noch die Nervosität ablegen, die sie ab und an zeigt.“

Die Preisverleihung findet am Sonnabend in der Pause des Basketball-Sparkassen-Charity-Games in der Rendsburger Herderhalle statt, das um 17 Uhr angepfiffen wird. Für jeden Punkt fließen 50 Euro in Förderprojekte für Kinder.

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erstellt am 09.Mär.2017 | 06:00 Uhr

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