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Lokalsport

30. September 2016 | 20:33 Uhr

Kitesurfen : Auf dem Sprung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Erst seit dem Jahr 2010 lebt Paul Sälzer in Eckernförde und damit direkt am Wasser. Seine große Leidenschaft ist aber schon in jungen Jahren das Kiten. Mittlerweile ist Paul 14 und hat in seiner Sportart bereits mehrfach auf sich aufmerksam gemacht.

Eckernförde | Manchmal muss man einfach das Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Paul Sälzer erlebte einen solchen Moment. Beim Kite-World Cup in St. Peter Ording herrscht im Sommer 2013 nahezu Windstille. Die Profis sind zum Warten verdammt und auch die vielen Tausend Zuschauer hoffen zumindest auf etwas Spektakel – also: Vorhang auf für den damals elfjährigen Paul. Er lieh sich bei den vielen Ständen der verschiedenen Material-Anbieter einen 18 qm großen Kite-Drachen aus und surfte danach als Einziger am gesamten Strand über die Wellen. „Für mich war das ein super Erlebnis. Selbst Mario Rodwald und andere Cracks haben mir zugesehen – das war natürlich aufregend“, sagt Paul. Mittlerweile gehörte der 14-Jährige selber schon dreimal zum Teilnehmerfeld beim Kitesurf-Masters und schielt auf eine Zukunft im Spitzensport.

Die Entwicklung, die Paul in seinem Lieblingssport genommen hat, ist rasant gewesen. Erst 2010 zieht die Familie Sälzer bestehend aus Vater Klaus, Mutter Sabine, Sohn Paul und der kleinen Tochter Emma aus Hessen nach Eckernförde an die Ostseeküste. Doch schon vorher, bei den Urlauben auf Sylt, wird Paul vom Kite-Virus infiziert. Sein größtes Problem war lange Zeit sich die beim Kitesurfen wichtige Marke von 40 Kilo anzufuttern. 2011 war es dann endlich soweit und mit einem ersten Kurs in Schwedeneck beginnt Paul sein Hobby durch die Hilfe geschulter Kite-Lehrer noch besser zu beherrschen. Das Wissen, dass sein Sport durchaus auch Gefahren mit sich bringt, hat Paul früh verinnerlicht. Er sagt: „Man muss Respekt davor haben, wie die Naturgewalten Wind und Wasser im Zusammenspiel wirken können. Ich hatte auch Situationen, wo ich kurz den Respekt verloren habe, da wurde es sofort grenzwertig.“ Worte, die man aus dem Mund eines gerade erst 14 Jahre alt gewordenen Teenagers nicht unbedingt erwarten kann. Es ist genau diese Vernunft und das überlegte Handeln, was auch Pauls Vater dazu bringt, seinen Sohn bereits in jungen Jahren mit viel Eigenverantwortung auszustatten. „Ich muss ihm ja vertrauen, wenn er da über das Wasser jagt. Denn selbst wenn ich am Strand stehe, kann ich ihm ja nicht wirklich helfen, sollte etwas passieren. Aber das schöne ist, ich weiß, dass Paul zwar mutig ist, seine Grenzen aber mittlerweile kennt.“

Dass der junge Nachwuchs-Kiter ein gutes Gespür für seinen Sport hat, über das nötige Fachwissen verfügt, und sich auch eine Menge traut, bemerken auch die Lehrer in Schwedeneck schnell. Nach drei Wochen Einzelkursus kann Paul sicher fahren, doch damit gibt er sich nicht zufrieden. Er bleibt wissbegierig und engagiert und übernimmt während eines Praktikums in der Kiteschule sogar die Leitung eines Schnupperkurses für vier Erwachsene. „Die haben anfangs schon skeptisch geguckt, aber dann schnell gesehen, dass ich es kann“, berichtet Paul.

Den notwendigen Respekt vor seinem Sport hat ihm unter anderem auch Kite-Trainer Steven Buchholz beigebracht. Er verlieh 2013 den großen Kite in St. Peter Ording an Paul und erinnert sich noch gut: „Das war natürlich keine normale Situation, als da plötzlich ein Elfjähriger nach einem großen Kite gefragt hat. Aber nachdem sein Vater mir sein Okay gegeben hatte und Paul mit dem Sicherheitssystem vertraut war, konnte es losgehen. Ich habe auch gedacht: Das kann doch nicht angehen, dass hier jetzt ein Elfjähriger der Einzige auf dem Wasser ist. Das war am gesamten Strand natürlich Gesprächsthema Nummer eins.“ Damit selbst der schwache Wind Paul nicht direkt in die Luft beförderte, trug Buchholz das Leichtgewicht aus Eckernförde an einem Sicherheitsgriff an Pauls Ausrüstung bis ins Wasser – dann konnte es losgehen. Am selben Tag lernte Paul dann auch noch Kite-Profi Mario Rodwald persönlich kennen, der als Rendsburger ja nicht weit entfernt von Paul lebt und ihm ein Autogramm auf sein Kiteboard gab.

Mittlerweile plant die Familie Pauls Zukunft mit etwas mehr Weitsicht, was einfach notwendig geworden ist. Die schnelle und positive Entwicklung, dazu der große Ehrgeiz lassen zumindest eine erfolgreiche sportliche Zukunft für Paul erahnen. Kite-Lehrer Buchholz sagt: „Er hat Potenzial und obwohl er noch jung ist schon eine gewisse Erfahrung. Dazu kommt ein gutes Fingerspitzengefühl für die Situation.“ Ob diese Voraussetzungen am Ende tatsächlich reichen, dass Paul eine Rolle in der nationalen Spitze einnehmen kann, weiß Buchholz natürlich nicht. Er rät: „Wichtig ist, dass Paul nicht abhebt. Viele Kinder wollen nur damit angeben, dass sie einen Sponsor haben. Kitesurfen ist sehr schnelllebig, da kann es sein, dass man an einem Tag noch zum Himmel gelobt wird, und am nächsten ist man weg vom Fenster.“

Erste Angebote für einen in diesem Sport so wichtigen Ausrüstervertrag gab es bereits. Nur war es eben nicht Pauls Lieblingsmarke „North“ und mit dem Vertrag wäre er auf eine Marke festgelegt. „Das wollte ich nicht“, erklärt Paul, der sich in Fachmagazinen über neueste Produkte stets informiert. „Finanziell ist man natürlich irgendwann an einem Punkt angekommen, wo es schwierig wird“, sagt Pauls Vater Klaus. Er weiß, dass die modernste Ausrüstung Paul in den Ranglisten wahrscheinlich noch einmal deutlich nach vorne spülen würde. Daher wird jetzt – ganz vorsichtig und ohne Druck – die Sponsorensuche angeschoben. Erste positive Signale gab es sogar schon. Das macht Mut.

Jetzt ist die Saison für Paul erst einmal beendet, aber die Planungen für 2016 stehen. Auch da wird er wieder bei den Tourstops in Schleswig-Holstein am Start sein. Mittelfristig, will er aber ganz woanders hin: „Ich habe schon das Ziel mal bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein und vielleicht auch unter die Top-5 zukommen. Aber mir ist klar, dass man selbst als Profi-Kiter davon schwer leben kann.“ Hoffnung darf ihm machen, dass er bei seinem ersten Rennen nach seinem Umstieg von der Disziplin „Freestyle“ zum „Race“ auf Norderney als jüngster Teilnehmer von 26 Teilnehmern auf Platz 23 gelandet ist. Und das mit der ältesten Ausrüstung, was ihm nach dem Rennen die Anerkennung der anderen Fahrer einbrachte. „Das hat mich unglaublich motiviert“, sagt Paul und freut sich schon jetzt auf die nächsten sportlichen Vergleiche im kommenden Jahr.

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erstellt am 23.Dez.2015 | 14:06 Uhr

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