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Lokalsport

30. September 2016 | 12:03 Uhr

Handball : Wer schließt die Dauerbaustelle?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit 2008 findet die SG Flensburg-Handewitt keine nachhaltige Lösung für den linken Rückraum. Auch Lars Kaufmann geht im Sommer.

Sieben Jahre Rückraum links – das ist die Dauerbaustelle beim Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt und eine offenbar verfluchte Position. Die Lücke, die der Wechsel von Blazenko Lackovic nach Hamburg 2008 hinterlassen hat, konnte die SG nie nachhaltig besetzen. Zum größten Teil war dafür eine unglaubliche Verletzungsserie verantwortlich, aber auch personelle Fehleinschätzungen und der hohe Anspruch, den die SG als europäischer Spitzenverein stellen muss. Zwölf Spieler (siehe Infokasten) wurden dort seit 2008 ausprobiert. Rechnet man die zeitweise auf Halblinks eingesetzten Spielmacher Jim Gottfridsson und Thomas Mogensen hinzu, sind es sogar 14 Akteure, sporadisch auftretende Nachwuchskräfte außer Acht gelassen.

Für die SG und Lars Kaufmann endet nach dieser Saison eine Zusammenarbeit, die am 1. Juli 2011 verheißungsvoll begonnen hatte. Der Weltmeister von 2007 versprach Wurfkraft, sah wie die Lösung des halblinken Problems aus. Das war er auch – jedoch mit erheblichen Unterbrechungen.

Seine Leidensgeschichte begann nach einem Jahr in Flensburg mit der ersten von drei Meniskus-Operationen, die ihn schließlich mehr als 15 Monate seiner Handball-Karriere kosteten und die Sportinvalidität befürchten ließen. Kaufmann feierte in dieser Saison ein kaum noch erhofftes Comeback, lieferte gute Spiele ab, ohne aber wieder die Weltmeisterform zu erreichen.

Über die Entscheidung der SG-Führung, den im Sommer auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, ist Kaufmann enttäuscht: „Ich wäre gerne geblieben. Meine Familie und ich fühlen uns in Flensburg sehr wohl.“ Doch er ist im Februar 33 Jahre alt geworden. Den letzten langfristigen Vertrag über zwei oder drei Jahre konnte die SG Kaufmann nicht mehr bieten.

Geschäftsführer Dierk Schmäschke und Trainer Ljubomir Vranjes wollen die Baustelle dauerhaft schließen. „Wir suchen einen Spieler, der länger bleibt“, sagte Schmäschke. „Er soll internationale Erfahrung haben, im Angriff und Abwehr stark sein und in unser Spielsystem passen. Komplett fertig muss er nicht sein“, erläuterte der Manager das Profil des Kandidaten. Einen finanziellen Kraftakt zur Verpflichtung eines Topstars etwa vom Kaliber Mikkel Hansen schloss Schmäschke aus.

Vranjes und Schmäschke haben ein halbes Dutzend Kandidaten in die engere Wahl genommen. Sie werden sich Zeit lassen – etwa ein bis zwei Monate, so Schmäschke. Aber auch Sorgfalt schützt nicht von Fehlgriffen. „Man kann nie vorhersehen, wie sich ein Spieler entwickelt, egal auf welcher Position“, sagt Schmäschke, verweist aber auf eine insgesamt gelungene Personalpolitik der SG. „Es gab viele gute Entscheidungen wie die für Mattias Andersson, Tobias Karlsson, Holger Glandorf, Jim Gottfridsson. Auch die Außen waren alle gut oder am Kreis Anders Zachariassen, der die Erwartungen in seinem ersten Jahr weit übertrifft.“ Akut herrscht selbst auf Halblinks keine Not. Kaufmann hat eine Wadenverletzung auskuriert, Gottfridssons Rückkehr zeichnet sich ab, Drasko Nenadic zeigt ansteigende Form und Michael Nicolaisen hat Vranjes auch noch in der Hinterhand.

Nenadic hat noch einen Vertrag bis 2016. „Über Drasko machen wir uns im Moment keine Gedanken. Er ist mit 25 Jahren relativ jung, da ist Potenzial“, sagt Schmäschke. Man gebe die Hoffnung nicht auf, dass Nenadic endgültig wieder auf den Weg findet, den er im Herbst 2013 bis zur Verletzung im Februar 2014 so vielversprechend begonnen hatte. Nach sieben mehr oder minder mageren Jahren könnten für die SG nun vielleicht die sieben fetten folgen – wenigstens auf dieser mysteriösen Position.

SG-Halblinke seit 2008
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Zwölf Rückraumspieler hat die SG in den vergangenen sieben Jahren für die „Königsposition“ verpflichtet, zum Teil auch aufgrund einer ungewöhnlichen Serie von schweren Verletzungen:

Sebastian Schneider, Lasse Boesen, Alen Muratovic (kapitaler Schulterschaden), Erlend Mamelund (Bänderriss im Fuß), Petar Djordjic (Kreuzbandriss), Lars Kaufmann (drei Meniskusoperationen), Arnor Atlason (Achillessehnenriss), Olafur Gustafsson (Bänderrisse im Fuß), Maik Machulla, Drasko Nenadic (Meniskusriss), Goran Bogunovic, Kasper Kisum.

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erstellt am 11.Mär.2015 | 08:10 Uhr

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