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Lokalsport

05. Dezember 2016 | 11:29 Uhr

Arzt bei SG Flensburg-Handewitt : Handball: Doktor Dünnweber drückt seit 30 Jahren Mannschaftsbank der SG

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dünnweber hat einige Spieler-Generationen durchlebt. Und meint, die Profis von heute seien deutlich anfälliger für Verletzungen als die Freizeithandballer früherer SG-Zeiten.

Flensburg | Dr. Ernst Dünnweber kann sich mit etwas rühmen, das nur wenige können: Der langjährige Mannschaftsarzt der SG Flensburg-Handewitt hat mit Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, dem wohl bekanntesten Sportmediziner der Republik, einen Handballtitel gewonnen. „Es ist lange her. Damals hieß Hansi nur Müller und wir wurden Uni-Meister in Innsbruck“, erinnert sich der 70-Jährige, der glatt für Mitte Fünfzig durchgehen könnte. Doch nach dem Studium trennten sich die Wege der beiden Mediziner. Eine vergleichbare Treue wie Müller-Wohlfahrt zum FC Bayern München lebt Ernst Dünnweber mit der SG Flensburg-Handewitt. Seit fast 30 Jahren kümmert sich der Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin, Chirotherapie und Akupunktur um die SG-Handballer. Über so einen Schatz an Erfahrungen und Erlebnissen mit gleich mehreren Spieler-Generationen verfügt kein anderer Mediziner.

Die SG Flensburg-Handewitt ist in drei Wettbewerben vertreten, zusätzlichen sind eine Reihe von Spielern auch Nationalspieler. Da kommen viele Spiele zusammen. Die Aufgabe von Dr. Dünnweber: Spieler fit halten und ihnen und dem Trainer sagen, wenn sie krankheits- oder verletzungsbedingt nicht auflaufen können.

Damals hieß die SG noch Weiche-Handewitt, spielte unter dem Trainer Peter Rickertsen in der Wikinghalle in Handewitt und in der zweiten Liga. „Einige Spieler waren meine Patienten. Daher habe ich mir mal ein Spiel angeschaut, so bin ich zu dieser Aufgabe gekommen“, erinnert sich Ernst Dünnweber. Seitdem hat er viel Freizeit in die SG investiert, war auch bei etlichen Auswärtsspielen mit dabei, auch den internationalen. „Durch die SG bin ich in den Norden Portugals, nach Moskau und mit Trainer Anders Dahl-Nielsen das erste Mal nach Barcelona gekommen“, erinnert sich der Arzt, dem die Spieler vertrauen. Bis heute ist er ehrenamtlich im Einsatz. „Ich wollte unabhängig sein, diese Aufgabe aus Begeisterung für diese Mannschaft erfüllen“, betont Dünnweber, der in der Gemeinschaftspraxis für Orthopädie und Rheumatologie am Südermarkt praktiziert.

Vieles hat sich über die Jahrzehnte grundlegend geändert. „Früher waren die Spieler Amateure, hatten einen Beruf, waren meist solo mit wechselnden Freundinnen und gingen in der Stadt auch gerne mal richtig feiern“, erinnert sich Ernst Dünnweber. Bei diesen Feiern – oft im Grogkeller gegenüber seiner Praxis – war der Teamarzt auch schon mal mit dabei. „Ich war im Schnitt ja nur zehn Jahre älter als die damaligen Spieler.“ Heute ist er eher eine Vater-Figur. „Heute sind es Profis, sehr gute, hochgezüchtete Rennpferde“, vergleicht der Vater von zwei erwachsenen Töchtern. Der Hochleistungssport bringe ein ganz anderes Bewusstsein für den eigenen Körper und auch eine größere Anfälligkeit mit sich. „Die Spieler müssen heute jeden Tag für den Handball leben, essen und schlafen. Und sobald, zum Beispiel durch einen Infekt, die Leistungsfähigkeit nur geringfügig eingeschränkt ist, haben sie auf dem Spielfeld nichts mehr zu suchen, müssen sich auskurieren“, sagt der Mediziner.

Wann wird ein Spieler zum Patienten? „Die Entscheidung liegt bei uns Ärzten. Keine leichte Situation, wenn man das einem so ehrgeizigen Trainer wie Ljubomir Vranjes sagen muss, falls sich ein Profi während des Spiels verletzt.“ Meistens liegt diese Aufgabe bei Dr. Torsten Ahnsel, der heute die medizinische Hauptverantwortung für das Team trägt. Neben Ernst Dünnweber zählt noch Dr. Thorsten Lange, Orthopäde, Unfallchirurg, Sport- und Notfallmediziner an der Flensburger Diako zum Ärzteteam der SG. „Dieser direkte Draht zur Klinik ist optimal“, sagt Dünnweber.

Auch die Art der Verletzungen habe sich geändert. Frühe hätte es viel mehr Handverletzungen gegeben. „Heute sind die Spieler technisch so gut, dass das kaum noch passiert. Knieverletzungen sind heute das größte Risiko“, sagt Dünnweber. Eines habe sich aber nicht verändert. „Es gibt viel bessere Technik für die Diagnostik, doch das Wichtigste bleibt, mit den Händen schnell erfühlen zu können, wo das Problem liegt.“

Den Erfahrungsschatz, den Ernst Dünnweber über Jahrzehnte gesammelt hat, möchte er weiter in den Dienst seiner Patienten stellen. „Deshalb denke ich auch mit 70 nicht ans Aufhören“, sagt der Mediziner, der sich mit Laufen, Radfahren und Golfspielen fit hält.

Bessere Patienten als die Handballprofis könne sich das Ärzteteam gar nicht wünschen. „Eine schwere Verletzung ist natürlich ein Schock, auch eine psychische Extremsituation. Doch diesem folgt eine bedingungslose Bereitschaft, alles zu tun, um wieder fit zu werden, auch wenn es täglich sechs Stunden harte Arbeit bedeutet – das ist bei meinen Patienten in der Praxis nur selten möglich“, sagt Ernst Dünnweber.

Alle Spiele in drei Wettbewerben durchspielen – so gut lässt sich auch ein junger Mensch nicht trainieren. „Dafür gibt es einfach zu viele Spiele, fast nur englische Wochen, nur wenige Wochen Pause im Sommer, falls man nicht Nationalspieler ist“, sagt Dünnweber. Der breite Kader der SG sei daher unverzichtbar, um Ermüdungs-Verletzungen zu vermeiden. Wie belastet sind die Spieler derzeit, da die Wochen der Entscheidungen anstehen? „Schon sehr belastet, doch da alle Pausen bekommen können, stehen die Chancen gut, das Saisonende ohne größere Verletzungen zu erreichen“, sagt Dünnweber.

Bleibt auf der Bank eigentlich Zeit zum Mitfiebern? „Auf jeden Fall. Doch sobald ein Spieler am Boden liegen bleibt, sind Spiel und Ergebnis für mich komplett ausgeblendet.“ 

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erstellt am 19.Apr.2016 | 16:32 Uhr

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