HOLSTEINISCHER COURIER

 

Ein Vulkan auf dem PSV-Platz

06. August 2010 | Von sas/grm

Tumulte an der Stettiner Straße: Der von PSV-Akteur Christoph Pfützenreuter (mit Haarband) gefoulte Finn Thomas liegt am Boden. VfR-Trainer Ervin Lamce stellt den Übeltäter zur Rede. Foto: sell

Neumünster. Er liebt und lebt den Fußball. Morgens, mittags, abends. Er hat sogar seinen kompletten Urlaub geopfert, um mit seinem Ligaobmann Jochen Schmahl am Kader für die neue Saison in der SH-Liga zu basteln. Doch er kann auch ein Vulkan sein. Und dieser Vulkan ist am Mittwochabend beim Kreispokalfinale auf dem PSV-Platz wieder ausgebrochen. Zweifelsohne stand VfR-Trainer Ervin Lamce beim denkwürdigen 4:3 seines Teams an der Stettiner Straße im Mittelpunkt.

Der 37-Jährige geriet mit PSV-Spieler Christoph Pfützenreuter aneinander - Letzterer ging dabei zu Boden -, wurde anschließend von Referee Georg Kessler auf die Tribüne geschickt und kommentierte von dort ("Meine Jungs brauchten mich.") lautstark jede fragwürdige Entscheidung des Unpartei ischen. "Ich habe Pfützenreuter nicht angefasst. Der ist ein Schauspieler. Nicht nur in der Szene vor der Halbzeit, sondern auch bei der Roten Karte für Thomas, als Pfützenreuter sich theatralisch am Boden rollt und sich behandeln lässt, bevor er grinsend an unseren Fans vorbeigeht", polterte Lamce. "Dazu zischte Pfützenreuter Thomas nach dem rüden Foul vor der Pause an, da war nichts und er solle aufstehen. Das ist eine Frechheit. Thomas hat Atemprobleme, schlecht geschlafen und eine blau angelaufene Rippe", berichtete der Coach. Im Kabinenbereich schnappte er sich Pfützenreuter noch einmal. "Der hat mich beleidigt. Wir haben uns ein Wortgefecht geliefert, nichts Weltbewegendes", wiegelte Lamce ab. Auch am Referee, der dem VfR-Trainer nach dem Abpfiff den Handschlag verweigerte, ließ er kein gutes Haar: "Kessler hat ständig gegen uns entschieden. Es kann doch auch nicht sein, dass der von jetzt vier Kreispokalfinals alleine drei gepfiffen hat. Der pfeift doch sonst kaum noch ein Spiel, da stimmt doch etwas nicht."

Der PSV wertete den Auftritt Kesslers anders, Obmann Volker Bernaschek sprach von einer "guten Schiedsrichterleistung". Der Funktionär hatte ein ganz anderes Problem, da der VfR angesichts fehlender Nummern auf den Eintrittskarten Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung der Zuschauereinnahmen witterte. Ein älterer Fan wollte sich gestern sogar bei Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras (!) darüber beschweren, doch der weilt im Urlaub. "Wir haben korrekt abgerechnet. Außerdem muss ich meine Tickets nicht nummerieren", verteidigte sich Bernaschek. PSV-Coach Norbert Heitmann verhielt sich derweil eher defensiv, kritisierte jedoch das Verhalten Lamces nach Pfützenreuters Attacke gegen Thomas: "Natürlich war das ein Foul und auch nicht in Ordnung. Doch als Trainer fordert man niemals eine Rote Karte."

Zweifelsohne, das war am Mittwochabend "Derby live". Und übrigens: In gut zwei Wochen sehen sich der VfR und der PSV in der SH-Liga wieder. Am 22. August um 15 Uhr an der Geerdtsstraße.


 


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