HOLSTEINISCHER COURIER
Mutter sagt ab, der Sohn springt ein
Schwerin / Neumünster. Für Petra Wilm ist es "das Schlimmste überhaupt", dass die Pferde gesund im Stall stehen und sie nicht beim Reitturnier in Neumünster starten kann. Die Landesmeisterin Dressur von Schleswig-Holstein und Hamburg muss auf der Zuschauertribüne Platz nehmen. Aus gesundheitlichen Gründen muss die Dressurreiterin am kommenden Wochenende auf das internationale Turnier in den Holstenhallen verzichten. Aufregung bergen die VR Classics trotzdem für Petra Wilm, denn ihr 14-jähriger Sohn Philip Koch startet im Jugend-Team-Cup in Neumünster. "Meine Herzfrequenz wird dann ziemlich hoch sein", räumt die stolze Mutter des talentierten Nachwuchs-Springreiters schmunzelnd ein.
Sie wird sich in bester Gesellschaft befinden, denn in der Mannschaftsspringprüfung starten ausschließlich Junioren und Junge Reiter - und deren Eltern erkennt der geübte Holstenhallen-Besucher regelmäßig an unnatürlicher Blässe, Sorgenfalten oder unruhigem "Hin-und-Her-Tigern". Zugucken, wenn die Sprösslinge in einer Prüfung starten, ist selbst für reitende Eltern mit einem gerüttelt Maß an Routine schwerer, als selbst in einen Parcours oder ins Dressurviereck zu müssen.
Petra Wilm macht da keine Ausnahme. Mit seinen 14 Jahren zählt Philip Koch zu den jüngsten Teilnehmern. Die Vorbereitung des "Jungprofis" lässt sich sehen. Noch gestern startete er mit dem elf Jahre alten Holsteiner Hengst Cracker Jack in einer Springprüfung Kl. S* beim nationalen Hallenturnier in Schwerin - zu Trainingszwecke. Schließlich gilt es am kommenden Wochenende, für die Mannschaft ein gutes Ergebnis zu schaffen. Am Donnerstag, 16. Februar, wird ab 12.50 Uhr zunächst eine Einlaufprüfung geritten, ab 20.20 Uhr steigt dann das Mannschaftsspringen. Philip ist Teil des Teams BioCina mit Christin Glindemann-Sievers, Ann-Kathrin Kock, Alexandra Konopka, Lea Löwem und Emelie Lüders - er ist also praktisch der Hahn im Korb. Die reiterliche Premiere im vergangenen Jahr in der Holstenhalle hat Philip nicht in bester Erinnerung. Damals hatten sich die Wege von Pferd und Reiter in der Einlaufprüfung unfreiwillig getrennt.
Seine Mutter wäre eigentlich eine der Favoritinnen auf das Championat der Pferdestadt Neumünster in der Dressur. Stattdessen wird die Dressurreiterin und Unternehmerin zuschauen und viele Bekannte und Freunde treffen. "Das Turnier in den Holstenhallen ist für uns Lokalmatadore der Höhepunkt - schon immer gewesen", betont Wilm: "Darauf arbeitet man hin." Die Reiterin kennt die Holstenhallen, das Turnierpublikum, die Atmosphäre seit etlichen Jahren, und es gibt immer wieder Erlebnisse, die unvergesslich bleiben und manchmal auch verdeutlichen, dass Pferde merken, wenn es "ihrem Menschen" im Sattel nicht so gut geht wie sonst. Petra Wilm: "Mein Vater hat immer in Höhe der Mittellinie auf der Tribüne gesessen und seinen Kaffee im Ehrengastbereich getrunken. Im ersten Jahr, in dem er nicht mehr dabei war, wollte ich mit Attention auf die Mittellinie reiten zum Prüfungsbeginn. Ging nicht. Ich bekam die Stute dort nicht hin. Draußen haben sie mir gleich gesagt: ,Die hat gemerkt, dass mit Dir was nicht stimmt…' "
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