FLENSBURGER TAGEBLATT
TSB und Flensburg 08
Flensburger Vereine wollen fusionieren
Duelle TSB - 08, hier mit Daniel Serkowski (li.) und Mathis Dücker (r.), gab es in jüngster Zeit lediglich in der Verbandsliga, wo die 08-Reserve spielt. Jetzt wollen die Clubs gemeinsam eine schlagkräfitge Fußballabteilung aufbauen. Foto: Staudt
Flensburg. Der TSB Flensburg von 1865 e.V. und die Flensburger Sportvereinigung von 1908 e.V. wollen fusionieren und unter dem Namen Flensburger Sportverein (FSV Flensburg) in eine gemeinsame Zukunft gehen. Dies wurde dem sh:z aus zuverlässigen Quellen bekannt. Während es in einer kurzen Pressemitteilung heißt, dass beide Vereine ihre Kräfte für den Fußball bündeln wollen, ist nach unbestätigten Informationen sogar eine Fusion der beiden Gesamtvereine angedacht. Der TSB ist mit 4600 Mitgliedern einer der fünf größten Sportvereine im Lande, der ausschließlich auf Fußball ausgerichtete Traditionsverein 08 hat rund 600 Mitglieder. Der neue Verein FSV Flensburg soll zu Beginn der Saison 2013/14 im August dieses Jahres den Spielbetrieb aufnehmen. Sollte es zu einer Zusammenlegung beider Gesamtvereine kommen, ist dem Vernehmen nach an eine Auslagerung der Fußballabteilung gedacht.
Gespielt wird mit der Ligamannschaft dann in der Schleswig-Holstein-Liga, der Klasse von Flensburg 08 also. Als Spielstätte ist das Stadion in Mürwik vorgesehen. Da die zweite Mannschaft von 08 und der TSB der Verbandsliga angehören, wird eine gemeinsame zweite Vertretung des FSV für diese Spielklasse nominiert. Der Vorstand von Flensburg 08 informierte gestern Abend Trainer und Spieler über die Fusionspläne. Wie es in der Pressemitteilung weiter heißt, sei das gemeinsame Ziel, "durch eine Optimierung der Strukturen eine nachhaltige, perspektivische Grundlage zur Stärkung des leistungsorientierten Fußballs im Senioren- und Jugendbereich zu schaffen". Beide Vorstände, Frerich Eilts (TSB) und Egon Hansen (08), wollten gestern keine weiteren Stellungnahmen zu Detailfragen abgeben. Letztlich entscheiden werden außerordentliche Mitgliederversammlungen beider Vereine. "Kurzfristig", wie es heißt.
"Der Plan ist für beide Vereine notwendig"
Bereits Mitte der 80er Jahre hatte es erste Anläufe zur Bildung eines Flensburger Fußballvereins mit dem Namen FC Flensburg gegeben. Es blieb bei Gesprächen, zu ernsthaften Verhandlungen wie jetzt kam es nicht. Spekuliert wurde auch über eine Beteiligung des ETSV Weiche zu einer Dreier-Fusion. Eine solche große Lösung ist jedoch vom Tisch. Harald Uhr, Manager und Mäzen des erfolgreichen Regionalliga-Aufsteigers, erteilte einer solchen Verschmelzung auch gestern wieder eine Absage. "Wir kommen mit 60.000 Euro - das ist der Jahres-Gesamtetat von Flensburg 08 - nicht einmal zwei Monate über die Runden."
Außerdem habe 08 große Probleme mit der Stadion-Betriebsgesellschaft. Da sei man in Weiche bereits viel weiter. Das Weicher Stadion sei mit hohem Investitionsaufwand Regionalliga tauglich gemacht worden. Jetzt plane man den Bau einer Tribüne auf der noch offenen Seite. "Die weihen wir vielleicht schon bei unserem Testspiel am 3. Juli gegen den Bundesligisten Hannover 96 ein", hat sich Uhr als Ziel gesetzt. Dennoch bezeichnet der Weicher Manager die Flensburger Fußballpläne als vernünftig. "Flensburg 08 geht es finanziell nicht gut, der TSB steht vor dem Abstieg aus der Verbandsliga und würde dann in der Versenkung verschwinden, da macht dieser Plan nicht nur Sinn, er ist für beide Vereine notwendig."
Von Seiten des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) soll es für den neuen FSV Flensburg bereits grünes Licht gegeben haben.
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Ich möchte gerne zu diesem Thema etwas zitieren aus dem Buch von Hardy Grüne – Legendäre Fußballvereine Norddeutschland:
Dort wird der TSB Flensburg völlig zurecht als unbeachteter Großverein, einem durchgestylten Dienstleistungsunternehmer mit perfekter Sport-Infrastruktur, beschrieben. Nachdem auf den sportlichen Misserfolg eingegangen wurde, heißt es: „Dabei hatte alles mal so hoffnungsvoll angefangen. Als 1973 der aus dem Arbeiterlager stammende TSV Vorwärts und der bürgerliche Flensburger Turnerbund 1865 die Kräfte zum TSB bündelten, schrieb man sich zwei Ziele ins Stammbuch ... und die Fußballer in die Regionalliga bzw. 2. Bundesliga zu bringen. ... Zielsetzung, die ... im Fußball jedoch nie auch nur ansatzweise erreicht wurde“
Im Grußwort zum 100-jährigen Jubiläum von Flensburg 08 hebt man hervor: 08 – ein Stück Flensburger Identität.
Damit ist doch eigentlich alles gesagt. Mit einer Fusion beerdigt man einen Traditionsverein und wichtiges Kapitel Flensburger Fußballgeschichte (Flensburg 08) sowie eine unattraktive graue Maus (TSB Flensburg) und erhält stattdessen einen FSV Flensburg, wiederum eine graue Maus, die in einigen Jahren hoffentlich das gleiche Schicksal ereilt wie dem TSB Flensburg.
Warum machen immer wieder Jochen Hebbeln und nun Jürgen Muhl (beides Redakteure der oben erwähnten Sonderveröffentlichung des SHZ zum Jubiläum von Flensburg 08) sowie etwaige Sponsoren solche Stimmung für eine Fusion? Erfolg ist nicht alles im Leben. Wenn Flensburg nicht die Grundlagen für einen drittklassigen Verein hat, dann kann man das doch akzeptieren. Ich schaue mir lieber ein Lokalderby in der SH-Liga oder Verbandsliga an als ein künstliches Produkt wie den FSV in der Regionalliga gegen BSV Rehden.
Ich hoffe darauf, dass die Mitglieder von Flensburg 08 einer Fusion eine Abfuhr erteilen. Im Handball mag so etwas funktionieren, im Fußball oft genug nicht.