FLENSBURGER TAGEBLATT
Die perfekte Spirale im Rhönrad
Flensburg. In seiner Paradedisziplin lief alles rund. Der Flensburger Christoph Clausen zeigte bei der Rhönrad-Weltmeisterschaft in Arnsberg/Sauerland eine perfekte Übung in der Spirale und holte sich überraschend den Titel. "Wir hatten gehofft, dass er Weltmeister wird, aber geglaubt haben wir es nicht", sagte ein rundum zufriedener Jo Russer. Der Abteilungsleiter und Trainer des TSB Flensburg stufte die Silbermedaille im Mehrkampf aber genauso hoch ein. "Es ist der härteste Wettkampf", so Russer. "Nach Platz drei bei der letzten WM hat sich Christoph weiter verbessert, damit hat niemand gerechnet." Sozusagen als Zugabe gab es für den Flensburger Studenten, der 2009 schon einmal Team-Weltmeister war, noch den zweiten WM-Sieg mit der deutschen Mannschaft.
"Ich werde versuchen, das nächste Mal noch etwas besser zu sein", hatte Clausen nach dem verpassten Gold im Sprung 2009 gesagt. Sein großer Aufwand vor den Titelkämpfen hat sich gelohnt. "Das Training war optimal abgestimmt", sagte Russer. Der Lohn: Als Doppel-Weltmeister ist der 24-jährige Turner des TSB aus dem Schatten des in den vergangenen Jahren dominierenden Robert Maaser getreten. Der Strausberger Ausnahmeturner hatte 2009 alle fünf möglichen WM-Titel geholt. Im Mehrkampf lag Maaser noch 2,5 Punkte vor Clausen, aber in der Spirale revanchierte sich der Flensburger und holte sich mit einer sauber geturnten Übung und hohem Schwierigkeitsgrad seine erste goldene WM-Einzelmedaille. "Es lief perfekt", so Russer, am Ende lag sein Schützling zwei Zehntelpunkte vor dem entthronten Weltmeister. Platz vier im Sprung rundete die starke Vorstellung des TSBers ab.
Der zweite Flensburger Starter blieb ohne Medaille. Tim Seidel erreichte im Mehrkampf Platz sieben, konnte sich jedoch für kein Einzelfinale qualifizieren, in dem immer nur die beiden besten Turner eines Landes starten dürfen. Seine Achillesferse ist der Sprung. Da komme er nie über 7,5 Punkte, während die Konkurrenz bis zu elf Zähler erhalte, meinte sein Trainer und lieferte den Grund mit: "Die Angst ist einfach zu groß." Mit normalen Salti kann man heute gegen Doppelschrauben nichts mehr ausrichten. "Da liegen Welten zwischen." Dennoch war Russer mit Tim Seidel nicht unzufrieden. "Er hat sein Bestes gegeben." Seine stärkste Leistung zeigte der Flensburger im Geradeturnen. Trotzdem reichte Platz vier nicht fürs Einzelfinale.
Dritter TSB-Teilnehmer bei der WM war Luisa Mathies. Da die Flensburgerin einen dänischen Pass hat, startete sie für das nördliche Nachbarland und belegte Platz 22 in der Damen-Konkurrenz. Das reichte für kein Finale. Trotzdem gab es viel Lob von den Dänen, "die froh sind, eine so gute Turnerin in ihren Reihen zu haben", erklärte Russer.
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