ELMSHORNER NACHRICHTEN
"Mücke" kann’s noch immer
Jörg Schefe lenkte den zehnjährigen Oil of Dubai im Volkspark über die Ziellinie. Sonntag spannt Schefe dort erneut an. Foto: Uwe Stelling
Brande-hörnerkirchen / Horst. Seine Erfolgspferde auf der Trabrennbahn am Köhnholz waren Tinett, Cembalo, On the Fire und natürlich Kara Fatma. Mit letzterer Stute gelang Jörg Schefe in Elmshorn der 1000. Sieg seiner Karriere. "Ich habe Elmshorn viel zu verdanken", sagt der heute 51-jährige Trainer und Berufsfahrer. "Für mich war die 800-Meter-Bahn das Sprungbrett zur Selbstständigkeit. Ich habe dort regelmäßig trainiert, kannte jedes Sandkorn und war erfolgreich." Heute immer noch als "Elmshorner" bezeichnet zu werden, obwohl er in Hamburg geboren wurde und in Brande-Hörnerkirchen wohnt, empfindet Schefe dann auch als Anerkennung für seinen Einsatz bei den Verhandlungen mit der Stadt und dem Holsteiner Verband über eine Fortführung des Rennbetriebs am Köhnholz nach der Insolvenz des Trabrennclubs Elmshorn im Sommer 2006.
Fünfeinhalb Jahre nach dem endgültigen Aus in Elmshorn ist die Lage im deutschen Trabrennsport immer noch angespannt: Besucherzahlen und Wettumsätze sind weiterhin unbefriedigend. In Hamburg haben sich zumindest die Verhältnisse für Pferde und Zuschauer erheblich verbessert. Die Investitionen von Günter Herz (Tchibo) in die Neugestaltung des Geläufs nach schwedischem Vorbild und in die Renovierung der Tribüne haben die Grundlage für eine bessere Zukunft des Trabrennsports gelegt.
Aus dieser positiven Entwicklung zog Jörg Schefe, der sich im Jahre 2000 schon einmal in Belgien versuchte und danach im Stall von Marion Jauß in Neritz arbeitete, neue Motivation. Nach ganzen sechs Siegen in 2010 gelangen "Mücke" im vergangenen Jahr 21 Erfolge in Hamburg-Bahrenfeld. Das brachte ihn in der Saisonbilanz der Berufsfahrer auf Platz fünf - vor den ehemals dominierenden Heiner Christiansen (Ostenfeld), Henning Rathjen (Aukrug) und Peter Heitmann (Bargteheide). Nur das West-Quartett Heinz Wewering (62 Siege), Roland Hülskath (44) und Thomas Panschow (28) sowie Amateur-Champion Hans-Jürgen von Holdt (22) schnitten besser ab. "Uns fehlen aber die jungen Nachwuchsfahrer, die die Generation Rathjen/Heitmann einmal ablösen könnte", beklagt Schefe das Dilemma. "Aber der Dachverband muss den jungen Leuten auch positive Perspektiven aufzeigen."
Für Jörg Schefe dagegen läuft es gut. Die sportlichen Glanzlichter in seinem Stall auf dem Gestüt Corner setzte die fünfjährige Graceland, mit der Schefe die Stutenfinals in Hamburg und Gelsenkichen gewann und die für Besitzer Klaus Gührs bei sieben Erfolgen fast 18 000 Euro verdiente. Seine Fähigkeit, sich auf die Eigenheiten der Pferde einzustellen, bewies Schefe mit dem zehnjährigen Trail of dust, der erst jüngst in der höchsten Klasse seinen Rekord auf 1:13,3 Minuten/1640 Meter verbesserte. Der Wallach läuft übrigen auch am Sonntag in Hamburg-Bahrenfeld (Rennbeginn 14 Uhr). "Der braucht dieses Rennen", sagt der Trainer. "Den jüngeren Pferden fehlt aber derzeit die nötige Arbeit." Die Trainingsbahn in Sparrieshoop ist durch den strengen Frost knüppelhart und lässt nur langsames Joggen zu.
In dieser Haltung bestärken ihn seine Besitzer, die ihn mit 21 Pferden nahezu auslasten. "Wenn ich noch mehr Pferde trainieren würde, müsste ich zusätzliches Personal einstellen, und das rechnet sich nicht", erklärt Jörg Schefe, der den Betrieb mit Lebenspartnerin Sandra Weinert managt. Sie sei ein wesentlicher Baustein seines Erfolgs. "In Sandras Obhut fühlen sich Pferde wohl und sind deshalb immer leistungsbereit", lobt der Profi, der schon mehr als 9500 Rennen bestritt und dabei 1326 Mal siegte. Für sein Fernziel 1500 Siege will Schefe künftig aber nicht von Bahn zu Bahn reisen. "Aufwand und Ertrag müssen sich schon die Waage halten. Ich habe erst kürzlich einen neuen Transporter zugelegt und nehme 120 Euro pro Pferd", rechnet Schefe vor. "Diese Kosten müssen im Rennen erwirtschaftet werden."
Insofern wird Schefe vornehmlich am Hamburger Volkspark zu sehen sein, schließt aber Abstecher nach Gelsenkirchen und Berlin nicht aus. Anfang August würde er nur zu gern am Traberderby teilnehmen. "Ich habe einige veranlagte junge Pferde im Stall, die noch nicht qualifiziert sind. Darunter ist mit New Generation ein viel versprechender dreijähriger Vollbruder zu Celebration XL", schwärmt Schefe von der Hoffnung des Hamburger Unternehmers Gerhard Hölter, der 2001 das Derby mit Oscar Schindler SL gewann. Aber auch im Alltagssport ist mit dem "Elmshorner" zu rechnen.
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