ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Gettorfer SC hadert mit dem Aderlass

05. Januar 2011 | Von Jorck Tietjens

Mackeprang

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Gettorf. Die Fieberkurven der Verbandsliga-Fußballer des Gettorfer SC bewegten sich in den vergangenen zwei Spielzeiten - noch unter der Leitung von Coach Ralf Bröckler - im mittleren Bereich, von Platz 16 nach der Auftaktklatsche in Bordesholm 2009 einmal abgesehen. Die dabei stets latent vorhandene Abstiegsgefahr rührte allein aus der jeweiligen Tabellensituation in der nächsthöheren Schleswig-Holstein-Liga her. Doch in der laufenden Saison, nachdem Jens-Uwe Lorenzen das Traineramt der Rot-Weißen übernommen hatte, wurde es hitzig: Einem lauen Beginn folgte eine kurze Phase der Euphorie, die den GSC in eine bis dahin nie gekannte Tabellenregion katapultierte, um schließlich mit einer ebenfalls beispiellosen Pleitenserie für Eiseskälte am Ringweg zu sorgen.

"Erster Punkt gegen den Abstieg" titelte die Eckernförder Zeitung am 16. August nach dem torlosen Auftakt gegen Aufsteiger Wiker SV. Beiden Teams durfte nach diesem Auftritt eine schwere Saison vorausgesagt werden, wobei auf Gettorfer Seite der Aderlass im Mittelfeld deutlich wurde. Mit Spielmacher Tobias Gravert und Daniel Burtzik hatten zwei tragende Säulen den Kader im Sommer verlassen. Die Neuzugänge brauchten jedoch nur kurze Zeit, um die Lücken zu schließen. Der unermüdlich arbeitende Henning Kurtz, der vielseitige Yannick Funk (mit Torgefahr) und Claudio Hluscik auf der 10er-Position sowie Youngster Boy Bröckler kamen, kämpferisch allesamt stark, schon gegen den Osterrönfelder TSV bestens zur Geltung, wobei dennoch eine schmerzliche Niederlage eingefahren wurde. Einem Kampf-Sieg im Gewitter bei Inter Türkspor folgte ein Arbeitssieg über Aufsteiger SG Felde/ Stampe und schließlich der überragende Auswärtssieg beim zwischenzeitlichen Tabellenführer Concordia Schönkirchen.

Der Hype am Ringweg nahm analog der hochsommerlichen Temperaturen seinen Lauf: eine Tabelle wurde im Vereinsheim aufgestellt und der Heimniederlage gegen den Osterrönfelder TSV nachgetrauert. Bei einem Sieg wäre der GSC zu diesem Zeitpunkt an die Tabellenspitze geklettert. Doch die Euphorie im rot-weißen Lager sollte nicht lange währen. Einer leistungsgerechten Auswärtsniederlage beim jetzigen Tabellenführer TSV Altenholz folgten fünf weitere Spiele ohne Punkterfolg, wobei sich die Schlagzeilen ähnelten. Der GSC fand nie über 90 Minuten konstant statt, beim 0:2 unter Flutlicht im eiskalten Eiderstadion in Büdelsdorf sogar überhaupt nicht. Die Angst schlich sich immer wieder in die Beine der Akteure, die darüber hinaus vom heimischen Publikum mit Schmähungen bedacht wurden. Der Vorstand ließ in Folge dessen Zettel im Stadion verteilen, die ein sportlich faires Verhalten der Zuschauer anmahnten. Der Kader muss mittlerweile auf Boy Bröckler verzichten, der sich für ein Jahr nach Australien verabschiedet hatte.

Doch es sollte noch frostiger werden: aufgrund der folgenden Spielausfälle bekamen die Schützlinge von Jens-Uwe Lorenzen und Co-Trainer Frank Wolf vor der letztlich verordneten Winterpause nicht mehr die Gelegenheit, sich zu rehabilitieren. Nachdem ein weiterer Aderlass im Kader bekannt wurde (Tim Rogge, David Lehwald und Torben Dahsel verließen den Verein zum Jahreswechsel), entschied man sich beim GSC für einen Neuanfang mit Trainerwechsel (EZ berichtete).

Stefan Mackeprang wird die Rot-Weißen nun ins neue Fußballjahr führen. Die Gettorfer fiebern ihrem ersten Auftritt bei den Hallenmeisterschaften in Büdelsdorf entgegen. Sollte sich hierbei die temperaturabhängige Variable im Gettorfer Spiel bewahrheiten, stünde einem Aufschwung auf frostfreien Außenplätzen nichts mehr im Weg. Denn allen Abgängen zum Trotz: Mit Stammkeeper Lennart Weidner, der kompletten Abwehr um Kapitän Jan Zimmer und Christian Schössler in der Vorwärtsabteilung stehen Spieler zur Verfügung, die mit zum Besten gehören, was die Liga zu bieten hat. Die Stimmung auf der Weihnachtsfeier war immerhin auch schon wieder harmonisch-zuversichtlich.


 


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