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Geständnis zweiter Klasse: Ullrich lässt viele Fragen offen

11. Februar 2012 | Von dapd

Berlin. Viel geschrieben, und doch nichts gesagt: Dopingsünder Jan Ullrich (Foto) ist mit einem Geständnis zweiter Klasse der Radsportwelt wieder einmal eine Erklärung über seine zweifelhafte Vergangenheit schuldig geblieben. Der Toursieger von 1997 hat das zugegeben, was ohnehin bekannt war. "Das ist kein Geständnis, das ist Pipifax. Da gab es ganz andere Geständnisse von Fahrern wie etwa Jörg Jaksche", sagte Chefankläger Werner Franke.

Zuvor hatte Ullrich in seiner Stellungnahme zwar Kontakte zum spanischen Skandalarzt Eufemiano Fuentes eingeräumt, Doping aber nur indirekt zugegeben. "Ich bestätige, dass ich Kontakt zu Fuentes hatte. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich aufrichtig bei allen entschuldigen - es tut mir sehr leid", teilte Ullrich mit und kündigte an, das Urteil nicht anfechten zu wollen.

Ullrich bezieht sich in seiner Erklärung ausschließlich auf jene Sünden, die ihm durch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ohnehin schon bewiesen worden und wofür er auch vom Internationalen Sportgerichtshof CAS am Donnerstag für zwei Jahre gesperrt worden war. Seine zweifelhafte Vergangenheit im Team Telekom bzw. T-Mobile vor 2005 - viele seiner früheren Mitstreiter von Rolf Aldag über Bjarne Riis bishin zu Erik Zabel hatten bereits 2007 ein Dopinggeständnis abgelegt - klammerte Ullrich komplett aus.

Damit kam Ullrich nicht dem Rat von DOSB-Präsident Thomas Bach nach, "zumindest jetzt einsichtig zu sein und sich entsprechend zu erklären". Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wollte die Causa Ullrich nicht weiter bewerten. "Man muss jedem die Freiheit lassen, wie weit er sich äußert", sagte Vizepräsident Udo Sprenger.

Diese Freiheit nahm sich Ullrich und ging in seiner Stellungnahme ausschließlich auf die Tour 2006 ein, die er nach dem Abtritt von Lance Armstrong unbedingt gewinnen wollte. "Nach meinem Toursieg 1997 und fünf zweiten Plätzen war der Druck der Öffentlichkeit, der Sponsoren und auch mein Eigendruck immens groß. Alle wollten einen zweiten Toursieg, besonders nach dem Rücktritt von Lance Armstrong", sagte Ullrich. Dazu war es aber gar nicht mehr gekommen. Kurz vor der Tour war seine Verwicklung in der Operacion Puerto bekannt geworden.

Gegen das Urteil will Ullrich nicht vorgehen. "Nicht, weil ich mit allen Punkten in der Urteilsbegründung übereinstimme, sondern, weil ich das Thema endgültig beenden will", so Ullrich. Dass er so lange geschwiegen habe, sei auf Anraten seiner Anwälte geschehen. "Letztendlich hat mich dieses Thema über Jahre so sehr belastet, dass ich krank wurde und irgendwann zusammengebrochen bin", berichtete der gebürtige Rostocker. Mit dem Urteil sei das Kapitel seiner aktiven Radsportkarriere abgeschlossen. Weitere Stellungnahmen und Interviews werde es nicht geben, ergänzte Ullrich, der dem Radsport im Jedermann-Bereich verbunden bleiben will. "Mit dieser Erklärung ist von meiner Seite alles gesagt." Alles gesagt, und doch nichts aufgeklärt.


 


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