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Sport

09. Dezember 2016 | 20:30 Uhr

Abstieg aus Fussball-Bundesliga : Hannover 96 ist zu spät aufgestanden

vom

Drei Spiele ungeschlagen - die Bilanz des neuen 96-Trainers Daniel Stendel ist makellos. Trotzdem reicht es nicht zum Verbleib in der Bundesliga.

Hannover | Der fünfte Bundesliga-Abstieg von Hannover 96 ist Realität. Trotz einer Serie von drei Spielen ohne Niederlage unter Interimstrainer Daniel Stendel stehen die Niedersachsen durch den 2:1-Sieg von Eintracht Frankfurt gegen Mainz 05 am Sonntag endgültig als erster Absteiger der Saison fest. Das eigene 2:2 am Samstag beim FC Ingolstadt war zu wenig. Trauer löste dies allerdings kaum aus, mit dem Gang in die Zweitklassigkeit hatte sich 96 längst abgefunden.

In der Saison 2001/2002 stieg Hannover 96 mit dem damaligen Trainer Ralf Rangnick in die erste Bundesliga auf. In der nächsten Saison kicken die Niedersachsen nun eine Etage tiefer und müssen dann mit weniger Einnahmen als bisher auskommen.

Stattdessen staunte Ron-Robert Zieler gar über den neuen Geist des Tabellenletzten. „Irgendwas ist passiert mit der Mannschaft. Wir treten als Einheit auf, spielen mutig, spielen leidenschaftlich. Das Gesamtbild ist ein anderes“, sagte der Fußball-Nationaltorhüter nach dem Punkt beim endgültig geretteten FC Ingolstadt. Dann machte Zieler aber noch einen wichtigen Zusatz: „Leider zu spät.“

Der fünfte Bundesliga-Abstieg nach 1974, 1976, 1986 und 1989 wurde schon längst nicht mehr infrage gestellt und war am Sonntagabend Fakt. „Wir müssen uns komplett von der Tabelle lösen“, empfahl der Nationalspieler mit Blick auf die noch ausstehenden Spiele. Auf Twitter schworen sich die 96-Anhänger die Treue, große Anteilnahme gab es überdies von anderen Vereinen.

Schon am Samstag schien 96 bis zum späten Ausgleichstor von Hiroshi Kiyotake in der 82. Minute bereits abgestiegen. Der Vollzug 26 Stunden später änderte nichts mehr daran, dass es bei den Niedersachsen längst um anderes geht, meinte Zieler: „Wir wollen den Verein Hannover 96 bis zum Ende würdig präsentieren.“

Ein Abstieg in Würde, dieses Ziel könnte unter Interimstrainer Daniel Stendel tatsächlich gelingen. Drei Spiele, fünf Punkte, ungeschlagen - der zum Chef auf Zeit beförderte Nachwuchscoach betreibt weiterhin gute Eigenwerbung. „Es ist nicht von Nachteil, wenn man so auftritt, wie wir auftreten“, meinte der 42-Jährige, der zunehmend Spaß an der höheren Aufgabe gewinnt. Fordernd tritt Stendel aber nicht auf. „Ich bin nullkommanull der Entscheidungsträger“, erklärte der Ex-Profi, der weiß, dass die Verantwortlichen um Präsident Martin Kind für den Neubeginn in der 2. Liga weiter eine namhaftere Lösung vorschwebt.

„Es funktioniert ordentlich“, sagte Zieler zur Zusammenarbeit mit Stendel, auch wenn es für ihn noch zu früh sei, „sich jetzt ein finales Bild zu bilden“. Im Ingolstädter Sportpark sah dieses nach den Kopfballtoren von Alfredo Morales (10. Minute) und Torjäger Moritz Hartmann (25.) zunächst bereits düster aus. Erst 70 Minuten in Überzahl nach der Roten Karte für Ingolstadts Innenverteidiger Romain Brégerie wegen einer Notbremse gegen Felix Klaus verhalfen Hannover zum Comeback durch Hiroki Sakai (58.) und Kiyotake. „In der Bundesliga musst du 90 Minuten auf dem Platz stehen“, rügte Stendel. Ihn, das steht fest, trifft die geringste Schuld am Abstieg.

Beim FC Ingolstadt wiederum gebührt der Löwenanteil am nun auch rechnerisch gesicherten Klassenverbleib dem Trainer. Aber Partylaune verbreitete Ralph Hasenhüttl nach dem Erreichen der 40-Punkte-Marke nicht. Der 48-Jährige forderte vielmehr Klarheit in eigener Sache. „Ich möchte das schon nächste Woche geklärt haben“, sagte der Österreicher deutlich nach dem Spiel. Ins Detail mochte Hasenhüttl nicht gehen. „Wir haben heute Grund zu feiern.“ RB Leipzig lockt ihn, das gute Einvernehmen mit den Verantwortlichen beim FCI zerbröselt.

Hasenhüttl will gehen, der Verein wollte ihn aber eigentlich nicht vor Ablauf seines Vertrages ziehen lassen. „Natürlich ist es legitim, dass sich Ralph Gedanken darüber macht, wie es nach 2017 für ihn weitergeht“, sagte Sportdirektor Thomas Linke im TV-Sender Sky.

Hasenhüttl sieht seine Mission als erfüllt an. „Was die Mannschaft in dieser Saison gezeigt hat, werte ich noch höher als den Aufstieg in der vergangenen Saison“, sagte er. Das klang wie: mehr geht nicht. Die Spieler warten unaufgeregt ab, bis der Verein eine Entscheidung verkündet. „Jeder darf sein Leben bestimmen. Er soll machen, was das Beste für ihn ist“, sagte Torschütze Morales. Klang wie: Reisende soll man nicht aufhalten. „Wir haben 40 Punkte, alles wunderbar.“

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erstellt am 25.Apr.2016 | 08:21 Uhr

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