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Handball-Champions-League : Nach der Gruppenphase: So schlagen sich THW und SG Flensburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die SG Flensburg-Handewitt und der THW Kiel bereiten sich aufs Achtelfinale vor – eine Zwischenbilanz.

Zeit zum kurzen Durchatmen: In der Champions League der Handballer ist die Gruppenphase für die beiden schleswig-holsteinischen Topclubs THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt abgeschlossen, in der kommenden Woche geht es dann mit den Achtelfinal-Hinspielen weiter. Ein guter Zeitpunkt, Zwischenbilanz zu ziehen.

Wie lief es sportlich für die SG und den THW?

Die Flensburger können mit den 15:13 Punkten und Platz vier gut leben – immer vor dem Hintergrund, dass ein Bundesligist eine wesentlich höhere Belastung zu verkraften hat und auch die Prioritäten zeitweise anders setzen muss als die Teams aus den anderen europäischen Ligen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem sportlichen Abschneiden“, sagt SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Das war eine Hammergruppe – und die Qualität extrem hoch. Unsere Zuschauer, die uns toll unterstützt haben, haben fast in jedem Spiel Handball auf Weltklasse-Niveau erlebt.“ Die Heimspiele gegen Barcelona (27:28), Paris (33:34), Veszprem (24:24) und Kiel (25:26) waren bis zur letzten Minute spannend und hätten auch anders enden können.

Für die Kieler war die Gruppenphase dagegen mit Ausnahme der beiden Highlights – ein 28:27 gegen Paris und ein 27:27 gegen Barcelona – eine Enttäuschung. Sieben Niederlagen stehen fünf Siege und zwei Unentschieden gegenüber – eine noch nie dagewesene Negativbilanz in der Historie des Clubs. „Viel zu viele Pleiten“, monierte Rückraumspieler Marko Vujin. Besonders die 24:42-Demütigung in Paris hinterlässt tiefe Wunden und kostete Prestige. „Die Punkte sind egal, aber die Art und Weise ist ein herber Rückschlag“, sagte Trainer Alfred Gislason danach.

Wie war die Zuschauerresonanz?

Sehr gut. Im Gegensatz zur Punktetabelle liegt in der Zuschauertabelle der THW ganz vorne – und zwar mit großem Abstand. Durchschnittlich 10.128 Fans sahen die sieben Heimspiele in der Kieler Arena. Hinter RK Zagreb (7979), das mit 11.500 Zuschauern gegen Celje den Bestwert für ein einzelnes Spiel aufstellte, rangierte Flensburg mit einem Durchschnitt von 5680 Zuschauern auf dem dritten Platz. Übrigens: Die beiden Topclubs FC Barcelona (3954) und Paris St. Germain (2671) sind in dieser Kategorie mit den Rängen neun und 17 nur Mittelmaß und die Rhein-Neckar Löwen (2451) – bedingt durch den viermaligen Umzug in die Frankfurter Fraport Arena – gar nur auf Rang 18 zu finden.

Laut Europäischer Handballföderation EHF ist die Gesamt-Zuschauerzahl im Vergleich zum Vorjahr fast konstant geblieben. 657.736 Zuschauer verfolgten die Partien und bescherten mit 3737 Besuchern pro Begegnung einen leichten Rückgang. In der Vorsaison hatten die Spiele der Gruppenphase 671.597 Besucher und durchschnittlich 3815 Zuschauer besucht.

Hat sich der Modus bewährt?

Laut Veranstalter EHF ja. Der Spielmodus mit den zwei Achter- und zwei Sechsergruppen, der 2015 eingeführt wurde, sorgt laut Pressemitteilung des Verbandes für „Hochspannung sowie enge Spiele“. Die Hälfte aller bisherigen Spiele wurde mit einer Differenz von drei oder weniger Toren entschieden. Vor dem letzten Spieltag hatten noch 15 der 16 Mannschaften aus den Gruppen A und B die Chance, sich fürs Achtelfinale zu qualifizieren. Die EHF freut sich über steigende TV-Quoten und -Zeiten in den weltweit 60 Ländern, in denen die Champions League übertragen wird.

Allerdings mehren sich auch die kritischen Stimmen. Über den völlig aufgeblähten Modus mit 178 Gruppenspielen. Über die zweifelhafte und willkürliche Einteilung in Mannschaften erster und zweiter Klasse (Gruppe A und B sowie C und D). Über fehlende sportliche Anreize, weil fast jeder das Achtelfinale erreicht. Über die Tatsache, dass beispielsweise Paris als Zweiter der Gruppe A es nun gleich mit dem starken Sieger der Gruppe D, HBC Nantes, zu tun bekommt, während sich etwa der Drittplatzierte Veszprem mit dem (schwächeren) Sechsten der B-Gruppe, RK Zagreb, duelliert.

„Das Programm ist schon hart“, sagt Dierk Schmäschke. „Wir hätten lieber weniger Spiele – und einen Modus mit Sechsergruppen.“ Aber: Die Konkurrenz, etwa aus Spanien, Ungarn oder Kroatien, hätte gerne sogar noch mehr Spiele, weil sie in der heimische Liga unterfordert ist und deren Zuschauer nur zu Champions-League-Knallern in Scharen kommen.

Wie stehen die Chancen der SG und des THW auf das Erreichen des Final4?

Die SG trifft im Achtelfinale mit HC Meschkow Brest auf einen Gegner der Marke „aufstrebend und unangenehm“. Die Reise nach Weißrussland (26. März) ist zudem nicht gerade ein komfortabler Kurztrip. Doch auch aufgrund des Heimvorteils im Rückspiel (2. April) haben die Flensburger die Favoritenrolle inne. Im Viertelfinale würde voraussichtlich der Sieger der Gruppe B, Vardar Skopje, warten. Diesmal würde allerdings das Rückspiel in Mazedonien steigen.

Noch steiniger ist der Weg, den die Kieler nach Köln gehen müssten. Im Achtelfinale gibt es das von allen nicht gewünschte Bundesligaduell mit den Rhein-Neckar Löwen. „Wir müssen uns gegen diese starke Mannschaft alle zusammenreißen, es geht um alles“, sagte Trainer Alfred Gislason mit Blick auf das Duell gegen den Meister. Das Hinspiel in Kiel wird am 22. März ausgetragen, die Entscheidung fällt acht Tage später in Mannheim. Sollten die „Zebras“ die Löwen erlegen, würde dann der FC Barcelona als letzte Hürde vor Köln warten.

Wer sind die großen Titelfavoriten?

Gemessen an den Ergebnissen der Gruppenspiele und der personellen Zusammensetzung des Kaders haben Paris und Barcelona gute Aussichten auf eine Krönung. Doch in den vergangenen Jahren hat es für die vermeintlichen Topfavoriten häufig schmerzhafte Bauchlandungen gegeben. Noch nie war das Niveau der Clubs so hoch wie momentan. „Jeder, der es nach Köln schafft, ist Favorit“, sagt Schmäschke. „Champions League bedeutet, auf den Punkt bei 100 Prozent zu sein.“ Das bedeutet auch eine große Chance für die SG und den THW.

 
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erstellt am 16.Mär.2017 | 13:25 Uhr

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