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Handball

28. Mai 2016 | 09:59 Uhr

Sky statt Eurosport : Handball Champions League nur noch im Bezahlfernsehen

vom

Der TV-Sender Sky zeigt erstmals die Handball Champions League. Der Aufwand ist groß: mehr Experten, mehr Kameras, neue Perspektiven. Doch das Sporterlebnis ist teuer

Hamburg | Mit großem technischen Aufwand will Bezahlsender Sky die Handball-Champions-League präsentieren und auch verärgerte Fans für sich gewinnen. Der Sender aus Unterföhring hat die Rechte an dem wichtigsten Vereinswettbewerb in dieser Sportart erworben und zeigt die Spiele der deutschen Teams in den kommenden drei Jahren.

TV-Experten sind der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand und Ex-Nationalspieler Florian Kehrmann. Weitere sollen folgen. „Das wird eine tolle Sache. Ich bin überzeugt von der Präsentation“, sagte Brand am Mittwoch. Zuvor hatte der frei empfangbare Sender Eurosport sieben Jahre die Champions League übertragen. Ein Wechsel des Mehrheitseigners bei dem in 54 Ländern und in 20 Sprachen empfangbaren Spartenkanal sowie veränderte Präferenzen ließen das Interesse der Eurosport-Führung an Handball jedoch erkalten.

Wie viel Sky sich das Rechtepaket für TV, Internet, mobile Geräte und IPTV kosten lässt, wollte Dirk Grosse, Leiter Sportkommunikation bei Sky, nicht verraten. Sky wolle in erster Linie sein „Portfolio verbreitern“, betonte er. Wenn am Wochenende der Startschuss zu den Übertragungen mit den Partien Rhein-Neckar Löwen gegen Montpellier HB (Samstag, 21.00 Uhr), Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt bei KIF Kolding Kopenhagen (Sonntag, 16.50 Uhr) und THW Kiel bei HC Zagreb (Sonntag, 19.30 Uhr) fällt, wird die Zahl der Zuschauer vermutlich so gering wie niemals zuvor sein.

Schauten bei Eurosport wie beim Endrundenturnier Final Four bis zu 800.000 Fans zu, so wird es wohl bei Sky eine deutlich geringere Zahl sein. „Wir richten uns nicht nach Zuschauerzahlen. Für uns ist nicht die Quote wichtig. Wichtig ist, wie zufrieden der Zuschauer ist, der dafür bezahlt“, argumentierte Grosse.

Sky verfügt derzeit über 3,8 Millionen Abonnenten. Wie viele Neukunden durch Handball hinzukommen, ist laut Grosse keine planbare Größe. Wer zuschauen will, muss mindestens 24,90 Euro monatlich berappen. Bilder in HD-Auflösung kosten zehn Euro extra. Das Paket beinhaltet allerdings mehr: die Champions League und Premier League im Fußball, Tennis, Formel 1, Golf und anderen Sport. „Wir zeigen Sportarten, die andere nicht zeigen“, sagte Grosse.

Von den Handball-Fans hagelt es Kritik. „Das ist der Supergau für alle echten Fans und Handball-Interessierte, aber auch für den Handball-Sport in Deutschland“, beschwerte sich ein Anhänger bei der Fachzeitschrift „Handball-Woche“. Frank Henke, Vorsitzender von „Schwarz-Weiß“ in Kiel, bekannte in den „Kieler Nachrichten“ deprimiert: „Das ist ein weiterer Rückschritt, die Champions League wird für den Fan immer uninteressanter.“  Bei Twitter lmachen User ihrem Ärger Luft.

Was die Fans ärgert, stimmt die Clubs zufrieden. „Durch den Vertrag hat der Handball gute Chancen für die Zukunft“, sagte Geschäftsführer Dierk Schmäschke von der SG Flensburg-Handewitt. SG-Trainer Ljubomir Vranjes meinte gar: „Ich glaube im Moment nicht, dass eine Gefahr besteht, Zuschauer zu verlieren.“ Und Kiels Coach Alfred Gislason ist begeistert: „Ich gehe davon aus, dass es eine Supersache wird.“ 

Zu den sieben Standard-Kameras einer Fremdfirma bringt Sky bei Heimspielen vier weitere in Stellung und hat fünf Moderatoren, Kommentatoren und Experten im Einsatz. „Wir hatten nur zwei Wochen Vorlaufzeit, können noch nicht gleich 100 Prozent leisten“, sagte Redaktionsleiter Udo Ludwig. Er versprach neue Einblicke: „Wir dürfen mit einer Kamera in die Kabine.“ Die Trainer sollen zudem mit einer Pulsuhr ausgerüstet werden. „Viele haben kapiert, dass der Sport sich heute öffnen muss. So ist der Gang der Dinge“, meinte Brand.

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erstellt am 24.Sep.2014 | 15:56 Uhr

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