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Fussball

04. Dezember 2016 | 11:20 Uhr

Bundesliga-Kolumne : Vom Schluss-Licht HSV und erfolgreichen Spar-Clubs: Das war der achte Spieltag

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was der HSV braucht, ist eine starke Persönlichkeit an der Spitze. Einer, der aufräumt, kommentiert Jürgen Muhl.

Ein Verein versagt: Am Sonntag war nichts zu hören aus dem Volkspark. Hanseatische Zurückhaltung? Nein. Vielmehr ist es Ratlosigkeit, die beim Hamburger SV die Kommunikation einschränkt. Man weiß nicht mehr weiter. Auf dem Platz nicht, auf der Trainerbank nicht, in der sportlichen Leitung nicht – und auf Vorstandsebene schon gar nicht. Der HSV zerfällt in seine Einzelteile.

Rund 40 Millionen Euro ins spielende Personal gesteckt, vom einstelligen Tabellenplatz war die Rede, Euphorie in der Stadt. Als es dann nicht lief, wurde der Trainer frühzeitig ausgetauscht. Der Neue, Martin Gisdol, spuckte große Töne. „Meine Mannschaften haben immer Tore geschossen. Das sollten wir hinkriegen.“ Oder: „Wir haben eine richtig gute Offensive.“ Bereits nach drei Spielen, in denen der HSV nicht ein Mal traf, ist der Süddeutsche an der Elbe mit seinen Weisheiten so gut wie gescheitert. Der Trainerwechsel ist verpufft. Aus. Schluss. Schlusslicht.

Die Hamburger René Adler, Lewis Holtby, Gotoku Sakai und Bobby Wood (v.l.n.r.) sind nach dem 0:3 schwer enttäuscht.
Die Hamburger René Adler, Lewis Holtby, Gotoku Sakai und Bobby Wood (v.l.n.r.) sind nach dem 0:3 schwer enttäuscht. Foto: Axel Heimken
 

Warum Gisdols Fähigkeiten höher eingeschätzt wurden als jene von Labbadia, weiß der liebe Gott. Dietmar Beiersdorfer weiß es eher nicht. Der Vorstandsboss und Sportchef in einer Person agiert seit Jahren äußerst unglücklich. Er war es, der den Brasilianer Douglas Santos nach Hamburg holte, ohne dies mit Labbadia abzustimmen. Santos entwickelt sich zum Fehleinkauf, so wie sein Landsmann Cleber. Auch Filip Kostic und Alen Halilovic erfüllen nicht die Erwartungen. Klaus-Michael Kühne hat die Herren bezahlt und vermisst die Rendite. Und doch scheint es so, als würde der Milliardär in der Winterpause frisches Geld zur Verfügung stellen. Was der HSV braucht, ist eine starke Persönlichkeit an der Spitze. Einer, der aufräumt.

Spannend und dramatisch: Abgesehen vom HSV macht die Bundesliga durchaus Spaß. Offensiv und torgefährlich: 31 Treffer füllen die Statistik dieses Wochenendes. Dramatisch ging es beim 3:3 zwischen Ingolstadt und Dortmund zu. Solche Spiele wollen die Fans sehen. Oder auch das 3:1 von Außenseiter Darmstadt gegen die Millionen-Elf aus Wolfsburg, deren Etat ungefähr zehn Mal so hoch ist wie der Haushalt der Südhessen.

Ingolstadts Almog Cohen (M) erzielt völlig frei stehend das 1:0 gegen Dortmund.
Ingolstadts Almog Cohen (M) erzielt völlig frei stehend das 1:0 gegen Dortmund. Foto: Andreas Gebert
 

In der VW-Stadt deutet derweil vieles auf eine namhafte Trainerverpflichtung hin. Die Volkswagen-Bosse wollen unbedingt einen Großen aus der internationalen Trainergilde. Übergangslösung Valerien Ismael – ein Vertrauter von Manager Klaus Allofs – dürfte kaum Chancen auf den überaus gut dotierten Job als Chefcoach haben. Das wird in der VW-Konzernzentrale entschieden. Im oberen Drittel hat Wolfsburg in dieser Saison nichts zu suchen. RB Leipzig, Hertha BSC, 1899 Hoffenheim und der 1. FC Köln mischen die Liga mit offensivem Fußball auf.

Der SV Darmstadt 98 feierte einen deutlichen Heimsieg.
Der SV Darmstadt 98 feierte einen deutlichen Heimsieg. Foto: Arne Dedert
 

Ordentlicher Haushalt: Nur so viel ausgeben, wie auch in der Kasse ist. Möglichst keine Schulden machen. Es gibt sie noch, Bundesliga-Vereine, die vernünftig wirtschaften. Das Gegenteil vom HSV, der mit rund 100 Millionen Euro verschuldet ist und mit fremdem Geld auf Einkaufstour geht. Zu den Sparclubs der Liga zählen Köln, Freiburg, Mainz, Augsburg, Bremen und Darmstadt. Hier wird mit Augenmaß gearbeitet. Und ohne große Mäzene im Hintergrund. Es geht also auch so.

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erstellt am 24.Okt.2016 | 07:50 Uhr

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