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Fussball

05. Dezember 2016 | 19:44 Uhr

Nachfolger von Dieter Hecking : VfL Wolfsburg und die Trainerfrage: Allofs denkt ans „Gladbach-Modell“

vom
Aus der Onlineredaktion

Seit anderthalb Jahren hat Klaus Allofs kein glückliches Händchen mehr bei Transfers. Der Trainer-Deal muss sitzen.

Wolfsburg | Bei der Trainersuche des VfL Wolfsburg ist auch Sportchef Klaus Allofs unter Druck und liebäugelt mit dem „Modell Gladbach“. Vorerst soll der bisherige Wolfsburger U23-Coach Valérien Ismaël die verunsicherten VfL-Profis wieder auf Erfolgskurs bringen. Eine dauerhafte Beförderung wie vor einem Jahr für André Schubert in Mönchengladbach oder gerade erst für Alexander Nouri bei Werder Bremen ist nicht ausgeschlossen. „Wenn die Resultate positiv sind, ist das denkbar“, bestätigte Allofs am Dienstag.

Die Verantwortlichen reagierten bei der Entlassung von Hecking auf die gefährdeten Saisonziele. Der VfL hat in fünf der sieben Spiele in der laufenden Saison kein eigenes Tor erziehlt. Die 1:5  Heimniederlage gegen Borussia Dortmund vor drei Wochen hatte die Talfahrt beschleunigt.

„Ich denke, dass er keine Notlösung ist. Mit ihm sind wir sehr gut aufgestellt. Ich traue ihm das zu“, sagte Allofs über Ismaël. Kurz darauf leitete der frühere Profi von Werder Bremen, Bayern München und Hannover 96 erstmals das Training der Profis als Nachfolger des am Montag beurlaubten Dieter Hecking. Die Trennung vom Trainer des Jahres 2015 nach knapp vier Jahren hat Allofs Lage verschärft. „Klar ist natürlich, dass ich für das Sportliche verantwortlich bin“, sagte er nach der ersten Trainer-Beurlaubung in seiner Managerkarriere.

Auch dem vermeintlich starken Mann in Wolfsburg ist klar: Die Nachfolgeregelung sollte passen, sonst dürfte auch er nach einer Reihe unglücklicher Transferentscheidungen in den vergangenen anderthalb Jahren in den Fokus rücken. „Ich sage nicht: Das ist die Schuld des Trainers. In unserer Konstellation haben wir das nicht mehr hinbekommen“, befand Allofs selbst angesichts der desaströsen Bilanz des Volkswagen-Clubs in diesem Jahr mit 25 Punkten aus 24 Spielen. Aktuell liegt der selbst ernannte Champions-League-Aspirant mit nur sechs Zählern aus sieben Spielen aus Tabellenplatz 14.

Sollten der VfL unter Ismaël nicht schon am Samstag in Darmstadt und wenige Tage später im Pokal beim Zweitligisten Heidenheim erfolgreich sein, ist Allofs wohl gezwungen, nach einem Coach zu fahnden, der auch die VW-Bosse zufrieden stellt. Schon am Dienstag betonte der VfL-Sportchef auffallend, dass er die Richtung vorgibt: „Die Entscheidungen werden von der Geschäftsführung getroffen.“ Zuvor war von verschiedenen Medien der Eindruck vermittelt worden, der von VW dominierte Aufsichtsrat habe auf eine Trennung von Hecking gedrungen. Dem widersprach Allofs vehement.

„Ich empfinde den Austausch mit dem Aufsichtsrat als sehr wohltuend“, sagte der 59-Jährige und schob vielsagend hinter: „Das ist sehr intensiv.“ Anfang September hatte sich Allofs etwas gefallen lassen müssen, was er als Störfeuer empfand. Er soll geflucht haben, dass VfL-Aufsichtsratschef und Volkswagen-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz in einer Presserunde aus dem Nähkästchen plauderte. Hintergrund waren Berater-Beschwerden über den VfL und Allofs' Verbindungen zum in der Schweiz ansässigen Unterhändler Giacomo Petralito. „Damit mussten wir uns auseinandersetzen“, hatte Garcia Sanz gesagt.

Berichtet worden war darüber kaum. Der Berater des aus Stuttgart zum HSV gewechselten Filip Kostic hatte sich vage beschwert, ohne den Namen Petralito zu nennen. Dennoch sprang Garcia Sanz bereitwillig an. „Ich kann versichern: Da bleibt nichts übrig“, sagte der Spanier.

Dennoch: Die Geschichte war endgültig in der Öffentlichkeit und Allofs in Rage. Äußern wollte er sich dazu seitdem nicht mehr. Ob dies von VW ein Wink mit dem Zaunpfahl war, wer beim VfL das Sagen hat, ist pure Spekulation. Fakt ist: Die Trennung von Hecking verkündete Allofs am Montag nach Diskussionen mit dem Aufsichtsrat.

In der Trainerfrage hält sich Allofs alles offen. Ismaël fungiert als Interimscoach und wird erst befördert, wenn er dauerhaft und anders als bei seinem missglückten Intermezzo 2014 in Nürnberg Erfolge nachweist. „Wir müssen auch in dieser Situation Alternativen prüfen“, sagte Allofs.

Vor einem Jahr war in Gladbach U23-Coach Schubert nach dem Rücktritt von Lucien Favre eingesprungen und hatte die Borussia nach fünf Auftaktpleiten noch in die Champions League geführt. Eine ähnliche Aufholjagd benötigt der VfL auch. Ganz abschreiben will Allofs das Saisonziel noch nicht, auch wenn er bereits einschränkte. „Ich sage nach wie vor: Unser Ziel ist das internationale Geschäft. Aber wenn wir das in dieser Saison nicht schaffen, dann bedeutet das kein Verfehlen unserer Ziele in diesem Jahr.“.

Hecking war seit Jahresbeginn 2013 Trainer der Wölfe und hatte ein damals zerrüttetes Team zwischenzeitlich zu einer Spitzenmannschaft geformt, inklusive Gewinn des DFB-Pokals. In seinem dritten Jahr gelangen die Vizemeisterschaft und der Einzug in die Champions League. Seit dem Abgang von Kevin de Bruyne im Sommer 2015 ging die Entwicklung allerdings abwärts. Für die früheren Coach des VfB Lübeck ist es die erste Entlassung seit dem Ende seines Trainer-Debüts beim SC Verl vor über 15 Jahren.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 17:09 Uhr

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