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Fussball

03. Dezember 2016 | 03:32 Uhr

Nach Rücktritt als Bayern-Vorstand : Spekulationen über Löw-Nachfolge: Was wird aus Matthias Sammer?

vom
Aus der Onlineredaktion

Wieder genesen und auf neuen Wegen: Die Medien spekulieren, warum Matthias Sammer die Bayern verlässt.

München/Frankfurt | Nach der überraschenden Trennung von Sportvorstand Matthias Sammer und dem FC Bayern München gehen die Spekulationen los, ob nicht mehr als gesundheitliche Gründe hinter dem „eigenen Wunsch“ stecken, mit dem die Vertragsauflösung begründet wird. Der Frontmann von der Säbener Straße hatte im April einen Schlaganfall erlitten und war seitdem kaum noch in Erscheinung getreten.

Mit Pep Guardiola und Matthias Sammer verlassen zwei große Köpfe den FC Bayern München. Es steht ein gewaltiger Umbruch bevor, der möglicherweise auch mit der Nationalmannschaft zu tun hat.

Die Erkrankung der gebürtigen Dresdners sei nun folgenlos ausgeheilt, heißt es. Aber die behandelte Durchblutungsstörung im Gehirn scheint den Europameister von 1996 zu einer Zäsur bewogen zu haben. „Sportvorstand beim FC Bayern zu sein bedeutet: sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag mit aller Energie dem Club, der Mannschaft und auch der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stehen. Diesen Aufgaben möchte ich im Moment nicht nachkommen“, sagte der 48-Jährige. Vielleicht, so die Vermutung in einigen Medienberichten, schwebt dem Strategen schon in Bälde ein Job mit weniger Stress vor. Ein weiteres Engagement im Tagesgeschäft Bundesliga scheint ausgeschlossen.

Was wäre nun, wenn Bundestrainer Joachim Löw nach dem Halbfinale-Aus bei der Europameisterschaft als Bundestrainer zurückträte? „Ich denke mal“ – mehr hatte Löw nicht auf die Frage zur Antwort gegeben, ob er beim nächsten Testspiel der Nationalmannschaft im August gegen Finnland auf der Bank sitzen werde. In Berlin denkt er zur Zeit laut Informationen der „Welt“ darüber nach, ob er beim DFB weitermachen will. Sammer käme bei einem Trainerwechsel wohl automatisch als Hauptkandidat ins Gespräch. Dem Vereinsleben als Trainer hat der frühere Dortmunder Meistercoach lange abgeschworen, eine erfolgshungrige Nationalmannschaft würde da gut passen.

Sammer hat ordentlich DFB-Stallgeruch und genießt einen hervorragenden Ruf. Vor seinem Wechsel zu den Bayern, mit denen er gleich im ersten Jahr 2013 die Champions League gewann, war er DFB-Sportdirektor und ordnete als Nachwuchskoordinator den Ausbau der Talentförderung neu – auch durch sein strategisches Wirken ist die deutsche Jugendarbeit heute wieder Weltspitze.

Laut Bericht der „Welt“ liegen Sammers Entscheidung, die Bayern zu verlassen, auch noch andere Überlegungen und Umstände zugrunde. Dabei geht es nur am Rande um den Abschied des von ihm verehrten Pep Guardiola. 2012 hatte der Club ihn sofort mit einem Vortands-Posten bedacht, um seine herausragende Rolle bei der strategischen Neuausrichtung zu manifestieren. Der der Stellung wurde immer schmaler. Im Sommer 2014 wurde wohl auch aufgrund von Sammers insgesamt durchwachsenen Transferleistungen Michael Reschke von Bayer Leverkusen verpflichtet. Reschke gilt als ausgekochtes Transfer-Genie mit riesigem Netzwerk. Auch in München bewies er bisher ein glücklicheres Händchen, zum Beispiel mit der Verpflichtung von Douglas Costa. Der Heimlichtuer Reschke übernahm die Kaderplanung und luchste dem Ex-Nationalspieler damit Teile seines strategischen Arbeitsfeldes ab. Letzterer fand sich fortan weiter in die Rolle des Lautsprechers gedrängt, jene Aufgabe, die er ehedem von Uli Hoeneß geerbt hatte. Seit dem Schlaganfall war Sammer kaum noch öffentlich aufgetreten.

Hoeneß' Einfluss im Verein ist auch nach seiner Gefängnisstrafe unbestritten – öffentliche Äußerungen zeigen, dass er bereits mit den Hufen scharrt. Welche Rolle der frühere Manager in Zukunft einnehmen wird, bleibt weiter offen. Möglich bleibt, dass er als Präsident an die Säbener Straße zurückkehrt – das wäre die Wiederkehr der „Abteilung Attacke“. Ein solcher Schritt würde das Alphatier Sammer weiter in Richtung der Stehplatzränge drängen – da fühlt er sich nicht wohl. Schon seit Sammers Ankunft in München wurde über die Notwendigkeit seines Postens diskutiert. Er scheint auch ohne einen „Vorstand für Lizenzspielerangelegenheiten“ zu gehen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge formulierte es bei der Abschieds-Pressekonferenz so: „Wir werden seine Aufgabenbereiche wie schon seit April innerhalb der bestehenden Strukturen des FC Bayern aufteilen. Somit kann über eine Wiederbesetzung mit der dafür nötigen Ruhe entschieden werden.“

Ausgeschlossen hat Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge am Montag, dass Reschke offiziell in die Fußstapfen Sammers treten wird. „Der FC Bayern braucht Michael Reschke in der Rolle, die er perfekt beherrscht, und das ist das Scouting. Dementsprechend wären wir nicht gut beraten, wenn wir da eine Rotation machen würden. Dann würden wir zwar eine Baustelle schließen, aber uns eine andere schaffen“, so Rummenigge. Sammers Aufgaben würden wie in den vergangenen Monaten schon auf mehrere Schultern innerhalb des Vorstandes verteilt.

Sammer hatte mit seiner Akribie und seinem Elan wesentlich dazu beigetragen, dass nach dem tragisch verlorenen „Finale dahoam“ in der Champions League Saison 2012 die Mannschaft nicht zerbrach, sondern gestärkt zurückkehrte. Ins erste Jahr seiner Amtszeit fiel 2013 das historische Triple unter Trainer Jupp Heynckes. Erstmals in der Vereinsgeschichte holten die Münchner in der abgelaufenen Saison den vierten Meistertitel in Folge. Insgesamt holte der Club zehn Titel seit seinem Amtsantritt.

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erstellt am 11.Jul.2016 | 15:08 Uhr

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