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Fussball

08. Dezember 2016 | 19:22 Uhr

Vergabe der Fußball-WM 2006 : Schweiz ermittelt gegen Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger

vom

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht eine Millionenüberweisung nach Katar. Es geht unter anderem um Betrug und Geldwäsche.

Bern | Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 gegen Franz Beckenbauer. Zudem teilte die Behörde am Donnerstag mit, dass bereits am 6. November 2015 auch Strafverfahren gegen die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie den ehemaligen DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt eröffnet wurden. Alle vier saßen im Organisationskomitee der WM 2006.

Für die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland flossen möglicherweise Schmiergelder. Franz Beckenbauer könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen. Zuletzt wurde in diesem Zusammenhang gegen den zurückgetretenen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach von der Fifa-Ethikkommission eine Ein-Jahres-Sperre für alle Fußballaktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene verhängt.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft wird das Strafverfahren „insbesondere wegen des Verdachts des Betrugs (Art. 146 StGB), der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB), der Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) sowie der Veruntreuung (Art. 138 StGB) geführt“.

In enger Koordination und Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden Österreichs sowie Deutschlands hätten am Donnerstag an insgesamt acht Orten zeitgleich Hausdurchsuchungen stattgefunden, hieß es weiter. „Zudem wurden verschiedene Beschuldigte durch die Bundesanwaltschaft, oder im Auftrag der Bundesanwaltschaft einvernommen.“

Deshalb wird gegen die vier Männer ermittelt:

Franz Beckenbauer (70)

Der Kaiser fungierte zur fraglichen Zeit als Präsident des WM-Organisationskomitees. An die meisten Vorgänge kann sich der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach eigenem Bekunden nicht erinnern - viele Schriftstücke habe er blanko unterschrieben, sagte er der „SZ“. Doch die Kanzlei Freshfields dokumentiert Millionenüberweisungen vom und auf das Konto eines Schweizer Advokatenbüros, von dem auch Millionen Richtung Katar flossen. Möglicherweise streckte Beckenbauer dem WM-Komitee Geld vor.

Wolfgang Niersbach (65)

Der ehemalige DFB-Präsident war damals Vizepräsident des WM-Organisationskomitees. Ende Juli sperrte die FIFA-Ethikkommission ihn im Zuge der WM-Affäre für alle Fußball-Aktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene - Niersbach hielt das für „überzogen“ und legte Berufung ein. Die Kernfrage, wann Niersbach von den verdächtigen Zahlungen wusste, ist noch unbeantwortet. Seine Ämter im FIFA-Council und der UEFA-Exekutive darf Niersbach derzeit nicht ausüben.

Theo Zwanziger (71)

Auch Zwanziger war Vizepräsident des WM-Organisationskomitees. Der Vorgänger von Niersbach im Amt des DFB-Präsidenten heizte die Affäre mit seinen Aussagen selbst an. Allerdings legen die Ergebnisse von Freshfields nahe, dass der Jurist zum Zirkel der Entscheider dazugehörte. In die Rückzahlung des dubiosen Kredits war er involviert. Laut eigener Aussage wusste er jedoch erst 2005, wofür das Geld bestimmt war.

Horst R. Schmidt (74)

Ein weiterer Vizepräsident des damaligen WM-Organisationskomitees und das „Hirn“ der deutschen WM-Organisation. Von seinem tadellosen Ruf als Pragmatiker, der ihm auch einen Top-Job bei der WM in Südafrika 2010 bescherte, ist nicht viel übrig. Der ehemalige DFB-Generalsekretär war an der Lösung, den Kredit über die FIFA zurückzuzahlen, wohl aktiv beteiligt.

 

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehe die Mitfinanzierung „einer Galaveranstaltung in der Höhe von 7 Millionen Euro, die später auf 6,7 Millionen Euro herabgesetzt worden war“, teilte die Behörde mit. Mit der Galaveranstaltung ist ein zunächst im Rahmen der WM geplantes Kulturprogramm gemeint, das dann nicht stattgefunden hatte. Es bestehe der Verdacht, „dass die Beschuldigten wussten, dass der Betrag nicht der Mitfinanzierung der Galaveranstaltung diente, sondern der Tilgung einer Schuld, die nicht durch den DFB geschuldet war“. Hintergrund sind zwei Zahlungen über insgesamt 6,7 Millionen Euro.

Mit Hilfe des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus überwiesen Beckenbauer als damaliger OK-Chef und sein Manager Robert Schwan diese Summe 2002 zunächst über ein Konto in der Schweiz an eine Firma des früheren FIFA-Funktionärs Mohamed bin Hammam in Katar. 2005 zahlte das WM-OK die 6,7 Millionen verschleiert an Louis-Dreyfus zurück.

Welchen Zweck dieses Geld hatte, ist bislang fraglich. Auch eine Untersuchung im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes durch die Kanzlei Freshfields hatte keine endgültige Klärung in der Sache erbringen können. DFB-Ehrenspielführer Beckenbauer hat juristisches Fehlverhalten bislang stets von sich gewiesen.

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erstellt am 01.Sep.2016 | 16:33 Uhr

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