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HSV

06. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Schwere Aufgaben für Markus Gisdol : Nach Trainer-Wechsel: Das sind die vier Baustellen des Hamburger SV

vom

Nach der Beurlaubung von Bruno Labbadia muss der neue HSV-Trainer Markus Gisdol rasch die zentralen Probleme angehen. Rein sportlich sind dies Defizite in der Offensive, im Abwehrzentrum und in der Kontinuität.

Hamburg | Der Hamburger SV ist ein Dauerpatient. Das einzige noch nie abgestiegene Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga war einst ein Vorzeige-Verein. Er war Europapokalsieger der Landesmeister (1983) und der Pokalsieger (1977) und gehörte zu Europas Bel Etage.

Lange ist es her. Derzeit reicht es gerade zu einem Platz zwischen Relegation und maximal Platz zehn. Viel Arbeit also für den neuen Trainer Markus Gisdol, der am Montag in Hamburg vorgestellt und dann seine erste Einheit leiten wird.

Spielkonzept

Auf seinem Konzept ruhen die Hoffnungen der Hamburger: Markus Gisdol.
Auf seinem Konzept ruhen die Hoffnungen der Hamburger: Markus Gisdol. Foto: Sven Hoppe

Die Hamburger haben seit Monaten keinen Plan für die Offensive. Vorne läuft kaum etwas zusammen. Das schlechteste Bundesliga-Team 2016 mit nur fünf Siegen aus 22 Spielen (20 Punkte) hat kaum Torchancen. Gerade mal acht Tormöglichkeiten in den bisherigen fünf Saisonspielen sind ein Armutszeugnis. Dabei haben die Hamburger gerade ihre Offensive mit Bobby Wood, Filip Kostic, Alen Halilovic und Luca Waldschmidt verstärkt. Chef Dietmar Beiersdorfer hofft beim neuen Trainer Markus Gisdol auf ein wirksames Konzept.

Vor allem der bedingungslose Offensivfußball des Ex-Hoffenheimers dürfte in Beiersdorfers Planungen eine Rolle gespielt haben. In Gisdols erster kompletten Saison als Trainer begeisterte Hoffenheim damals mit erfrischendem Offensivfußball, erzielte 72 Tore, nur Bayern und Dortmund gelangen mehr Treffer. Die Defensive litt zwar unter dem Offensivkonzept Gisdols, aber Beiersdorfer sieht Hamburgs Hauptdefizite derzeit im Spiel nach vorne.

Ein weiteres Argument für Gisdol: Ihm eilt der Ruf voraus, Talente entwickeln zu können. Der 45-Jährige arbeitete viele Jahre im Nachwuchsbereich, ehe er bei 1899 Hoffenheim in die Chef-Rolle schlüpfte. In seiner Amtszeit im Kraichgau avancierten Kevin Volland, Sebastian Rudy und der Brasilianer Roberto Firmino zu Nationalspielern. Die beiden Olympia-Silbermedaillengewinner Niklas Süle, der mittlerweile sein Debüt in der A-Auswahl gab, und Jeremy Toljan schafften unter ihm den Sprung in die U21-Nationalmannschaft. Beim HSV erhofft man sich nun, dass Gisdol die Hamburger Talente unter seine Fittiche nimmt und zu besseren Spielern formt.

Kontinuität

Dietmar Beiersdorfer hat in seiner zweijährigen Amtszeit bereits vier Trainer entlassen.
Dietmar Beiersdorfer hat in seiner zweijährigen Amtszeit bereits vier Trainer entlassen. Foto: Patrick Seeger

Beim HSV purzeln die Trainer aus ihren Jobs wie derzeit die Kastanien von den Bäumen. 20 Trainer in 19 Jahren sind rekordverdächtig. Egal wer das Kommando hatte, einen dauerhaften Aufschwung gab es nicht.

Beiersdorfer war 2014 mit dem Versprechen angetreten, Kontinuität einziehen zu lassen. Auch er konnte die Gesetzmäßigkeiten des Fußballs nicht aushebeln: Drei Cheftrainer und ein Interimscoach mussten gehen, mit Markus Gisdol wurde nun der fünfte Fußballlehrer vorgestellt.

Verbessert hat sich in den gut zwei Jahren seiner Amtszeit beim HSV zumindest auf dem Platz nichts. Für mehr als 90 Millionen Euro ging der HSV-Boss in dieser Zeit shoppen – doch der Klub steht wie so oft in den Vorjahren auf einem Abstiegsplatz. Nebenbei hat es Beiersdorfer nicht geschafft, ein professionelles Umfeld um die Mannschaft zu installieren. Seit dem Rauswurf von Peter Knäbel im Mai 2016 gibt es keinen Sportdirektor. Klubchef Beiersdorfer erweiterte einfach sein eigenes Aufgabengebiet und schwang sich zum alleinigen Machthaber in der Chefetage auf.

Machtverhältnisse

(Fehl-)Entscheider im Hintergrund? HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne.
(Fehl-)Entscheider im Hintergrund? HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne. Foto: Ingo Wagner

Laut Satzung gibt Clubchef Beiersdorfer den Ton an. In Anteilseigner Klaus-Michael Kühne hat er einen Mann an der Seite, auf dessen Millionen der HSV angewiesen ist und dessen Einlassungen der Verein fürchtet. Kühne, der den Fans großzügig den Namen Volksparkstadion für 16 Millionen Euro schenkte, hat in diesem Sommer 30 Millionen Euro für Transfers bereitgestellt. Rückzahlung nur bei Erreichen der Europa League.

Ob ein Spielertransfer ratsam ist, lässt er sich von Spielerberater Volker Struth erklären. „Wir sind selbstbestimmt“, sagt Beiersdorfer dennoch. Aber Kühne sitzt im HSV-Machtzentrum: Sein Generalbevollmächtigter Karl Gernandt ist Aufsichtsratsvorsitzender.

Doch der Einfluss von Investor Kühne ist nicht nur eine vereinsinterne Baustelle. Im Juli riefen Aussagen von Dietmar Beiersdorfer die Aufseher der DFL auf den Plan. „Kühne will bei künftigen Transfers ein Wörtchen mitreden“, hieß es. Doch die DFL untersagt die Beteiligung Dritter am operativen Geschäft. „Ein Club darf keine Verträge eingehen, die (...) einer Drittpartei die Möglichkeit einräumen, in Arbeitsverhältnissen oder Transfersachen seine Unabhängigkeit, seine Politik oder die Leistung seiner Teams zu beeinflussen“, heißt es in der Lizenzordnung der DFL.

Kaderzusammenstellung

Emir Spahic ist einer von nur drei Hamburger Innenverteidigern.
Emir Spahic ist einer von nur drei Hamburger Innenverteidigern. Foto: Guido Kirchner

Knapp 33 Millionen Euro hat Beiersdorfer vor der Saison in den Kader investiert. Die Millionen-Zugänge Filip Kostic, Alen Halilovic und Bobby Wood sollten den HSV vor allem in der Offensive weiterbringen. Im Umkehrschluss stehen mit Emir Spahic, Johan Djourou und Cléber Reis lediglich drei Innenverteidiger zur Verfügung. Egal, wer spielt, alle drei leisten sich regelmäßig Blackouts. Eigentlich wollte Trainer Labbadia einen weiteren Mann für das Abwehrzentrum und defensive Mittelfeld haben.

Stattdessen holte Beiersdorfer – ehemaliger Abwehrchef der Hanseaten – einen Außenverteidiger aus Brasilien.

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erstellt am 26.Sep.2016 | 12:52 Uhr

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